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„Mama“ verlässt das Tor

Handball „Mama“ verlässt das Tor

Der kommende Sonnabend wird ein denkwürdiger Tag für die Bovenderin Margitta Lapschies. Die knapp 47-jährige Torfrau des Handball-Regionsoberligisten HSG Plesse-Hardenberg will nach dem letzten Punktspiel gegen den GV Rollshausen (17.30 Uhr, Sporthalle Bovenden) ihre Schuhe an den berühmten Nagel hängen. 

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Letztes gemeinsames Spiel: Maike, Margitta und Mariana Lapschies (v.l.).

Quelle: Theodoro da Silva

Ein bisschen Wehmut kommt schon auf. „Wir sind alle traurig, dass sie geht“, bedauert Torjägerin Katarina Governatori. Sie sei der Rückhalt der Mannschaft gewesen. 35 Jahre Handball, da wird die innere Stimme immer lauter: „Der Körper sagt jetzt, es reicht“, begründet Margitta Lapschies, ein „echtes Bovender Urgestein“ ihren Entschluss. 

Mit der Leichtathletik begann vor rund 40 Jahren ihre sportliche Laufbahn, ehe sie mit zwölf Jahren – zusammen mit einer Freundin – ihre Handballleidenschaft entdeckte: „Dort bin ich als Torfrau hängen geblieben – quasi von Kindesbeinen ein“, erzählt Margitta Lapschies, die in ihrem ersten Damenspiel gleich 38 Treffer kassierte. Was ihrem Ehrgeiz keinen Abbruch tat.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sie sich zum unveräußerlichen Inventar der ersten Mannschaft entwickelt und viele Angebote von anderen, zum Teil höherklasssigen Vereinen, ausgeschlagen.

Heute könnten die Spielerinnen des Regionsoberligisten allesamt schon ihre Kinder sein. „Ich bin halt die Mama“, sagt sie recht fürsorglich. Und das nicht nur für die beiden Töchter Maike (21) und die 17-jährige Mariana („Wir sind stolz auf unsere Mutter“), mit denen Margitta Lapschies zuletzt gemeinsam in der ersten Mannschaft der HSG gespielt hat. Damit hat sie sich einen heimlichen Wunsch erfüllt. „Unsere Kinder sind in der Halle groß geworden und haben dort schon im Kinderwagen geschlafen“, bemerkt die Torfrau. „Handball ist unser gemeinsames Hobby und Tagesgespräch bei uns zu Hause“, lässt Tochter Maike wissen. 

Organisatorischer Aufwand

Übrigens hat sich auch Sohn Hauke (12) längst dem Handball verschrieben, ebenso wie Ehemann Holger: „Bei allen Spielen unserer Kinder war immer einer von uns beiden dabei – seit den ersten Mini-Spielen bis zur A-Jugend. Das erforderte jedes Wochenende einen größeren organisatorischen Aufwand in Abstimmung mit den eigenen Verpflichtungen zum Spielen, Betreuen und Pfeifen“, erzählt Holger Lapschies, der seine Frau vor rund 25 Jahren kennenlernte – natürlich beim Handball. 

„Sportlich stand für mich der Wechsel aus dem Jugend- in den Seniorenbereich bevor, und so ergaben sich auf Vereinsfeiern auch die Kontakte mit der Damenmannschaft“, erinnert sich Holger Lapschies, der seine Ehefrau als „eine der leistungsstärksten Torfrauen im Großraum Göttingen/Northeim/Osterode“ bezeichnet. Sie sei bezogen auf ihre eigenen Leistungen immer extrem selbstkritisch gewesen, zeigte enormes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der jeweiligen Mannschaft: „Verletzungen und Erkrankungen waren für Margitta nur sehr selten ein Grund ausnahmsweise – mit tagelangem schlechten Gewissen – auszusetzen“, fügt Holger Lapschies noch an. Ein tolles Zeugnis, für jene Frau, die ein Herz für die Jugend zeigt: Schließlich ist Margitta Lapschies im Vorstand der HSG Plesse-Hardenberg Mini-Beauftragte. 

Auch Trainer Artur Mikolajczyk („Ein toller Mensch“ – Margitta Lapschies über den Coach) zeigt sich angetan: „Mama“, wie auch er sie liebevoll nennt – „Mama hat uns immer sehr geholfen und auch zuletzt eine wirklich sehr gute Saison gespielt. Sie hat mich auch in meiner Arbeit als Trainer stark unterstützt. Ich hoffe, dass sie uns irgendwie erhalten bleibt.“  

„Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre von ihrem Engagement und Einsatz profitieren werden“, unterstreicht Gustav-Eckhard Rohmann, der Vorsitzende der HSG Plesse-Hardenberg. Dessen kann er sich wohl sicher sein. Der sehnlichste Wunsch von Torfrau Lapschies wird jedenfalls in Erfüllung gehen: „Ich möchte gern im ersten Spiel der neuen Saison eine Stunde auf der Mannschaftsbank sitzen.“ Ein Abschied in Raten? Margitta Lapschies wird jedenfalls dem Handball treu bleiben. So oder so. Versprochen. 

                                                                                                   Von Ferdinand Jacksch

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