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„Menschliche Stützräder“ verleihen Flügel

Serie, Teil 1, Radpolo „Menschliche Stützräder“ verleihen Flügel

Weg vom Schreibtisch, rein in die Sportsachen. In unserer neuen Serie „Sport treiben und darüber schreiben“ testenTageblatt-Mitarbeiter verschiedene Sportarten. Heute: Radpolo. Vicki Schwarze hat eine Übungseinheit beim RV Stahlross Obernfeld absolviert.

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„Menschliche Stützräder“ beruhigen: Obernfelds Trainer Josef Kopp erklärt Vicki Schwarze geduldig die genaue Rad- und Schlägerhaltung.

Quelle: Pförtner

Wenn ich Jennifer Kopp und Anna Meseke, die Erstliga-Spielerinnen des RV Stahlross Obernfeld, bislang gesehen habe, oder auch Luisa Artmann und Victoria Morick, die talentierten Juniorinnen des Vereins, dann hatte Radpolo für mich immer auch etwas mit Anmut und Grazie zu tun.

Davon bin ich allerdings meilenweit entfernt. Turnschuhe, noch besser wären Knöchelschuhe, um den beim Radpolo gefährdeten Bereich zu schützen, befinden sich aber leider nicht in meiner Kollektion, und eine enganliegende Sporthose soll ich zum Übungsabend mitbringen, hatte mir Josef Kopp, der Trainer des Erstliga-Teams, angeraten.

Gut, Fahrradfahren kann man ja in der Regel, wobei ein Radpolo-Rad nicht unbedingt mit einem normalen Trekking-Rad verglichen werden kann. Gerade habe ich versucht, auf dem nicht unbedingt bequemen Sattel Platz zu nehmen. Doch Gemütlichkeit ist auch nicht angesagt, schließlich handelt es sich um ein Sportgerät. Aber eine Bremse oder zumindest einen Rücktritt hätte ich schon ziemlich gut gefunden. „Du musst versuchen, gleich weiter zu treten“, gibt mir Josef Kopp einen gutgemeinten Rat. Leichter gesagt als getan, denn plötzlich bewegt sich das Vorderrad nach oben. Ich hatte ja schon immer vermutet, dass mit meinem verlängerten Rücken etwas nicht stimmt.

Der Coach hat ein Einsehen und hält mich erst einmal fest, damit ich nicht gleich mitsamt des Rades umfalle und überhaupt erst einmal ins Rollen komme. Meine „menschlichen Stützräder“ verleihen mir fast Flügel, und es klappt relativ gut. Zumindest auf der Geraden, doch in einer Halle muss man natürlich auch irgendwann einmal eine Kurve fahren.

Meine Lehrer: Neben Josef Kopp ist auch noch Winfried Morick dabei, der Luisa Artmann und seine Tochter Victoria trainiert. Auch sie beobachten meine Versuche mit geduldigen Augen. Aufmunternde Rufe begleiten mein Treiben, und ich muss sagen, mit jeder Runde kommt ein wenig mehr Sicherheit in meine Aktionen. Plötzlich stehen drei Hütchen in der Halle. Ich bin mir sicher, ich habe sie nicht bestellt. Aber gut, probieren geht über studieren. Sie bleiben erstaunlicherweise alle stehen. Beim Skirennen hätte es jetzt eine Urkunde gegeben, aber okay, ich bin ja schon froh, keinen Sturz gedreht zu haben.

Bei meiner Freude über diesen Umstand hatte ich schon fast vergessen, dass zum Radpolo nicht nur ein Rad, sondern auch ein Schläger gehört. Bei aller Liebe, ich bin froh, beide Hände am Lenker haben zu dürfen. „Versuch mal, nur mit einer Hand am Lenker zu fahren“, ertönt die freundliche Stimme von Josef Kopp. Kurz kombiniert – als Rechtshänderin werde ich mit dem Schläger in der rechten Hand versuchen, die Bälle unhaltbar im Netz zu versenken, also bleibt meine linke am Lenker. Die für mich waghalsige Fahrt funktioniert besser als erwartet, und so kommt es, wie es kommen muss: Ich bekomme den Schläger in die Hand gedrückt. Und gewinne die Erkenntnis, dass man sich mit ihm auch abstützen kann. Habe ich in Wettkampfsituationen schon häufig gesehen, und so soll es auch sein, wie Trainer Kopp erklärt.

Jetzt kommt noch die letzte Etappe meiner Übungseinheit. Ich auf dem Fahrrad, nur eine Hand am Lenker und in der anderen den Schläger. Warum auch immer, aber ich fühle mich in dieser Kombination gar nicht einmal so fürchterlich unsicher. Ganz im Gegenteil, der Schläger verschafft mir eine nicht erwartete Stabilität. „Du fährst mit Schläger besser als ohne“, analysiert Josef Kopp. Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht. Ich entscheide mich, die Äußerung als Kompliment aufzufassen.
Und als ich dann schließlich auch noch den Ball treffe (nicht mit voller Wucht, er trudelt eher ins Tor), bin ich gar nicht einmal so unzufrieden mit mir. „Ein Vierteljahr, und es sieht nach etwas aus, dann kommen die Feinheiten“, erläutert Josef Kopp.

Kommt für mich altersmäßig nicht mehr in Frage. Aber in Zukunft werde ich die Radpolo-Auftritte der Obernfelderinnen mit noch mehr Respekt beobachten als ohnehin schon.

In der nächsten Folge unserer Serie lesen Sie die Erfahrungen von Redakteur Michael Bohl, der am Dart-Training des DC Geyer Gieboldehausen teilgenommen hat.

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