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Nach der WM: Trikot gegen Uniform

Neele Eckhardt Nach der WM: Trikot gegen Uniform

Das Abenteuer Leichtathletik-Weltmeisterschaft beginnt für die 25-jährige Neele Eckhardt von der LG Göttingen am Donnerstag mit dem Treffen der qualifizierten deutschen Athleten in der Sportschule Kienbaum bei Berlin. Am Dienstag, 1. August, geht dann der Flieger nach London, wo die Dreispringerin gleich am ersten Wettkampftag (Sonnabend, 5. August) gefordert ist.

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Der weite Satz bei den Landesmeisterschaften im Jahnstadion ebnete für Neele Eckhardt den Weg zur WM und in die Sportfördergruppe.

Quelle: Arne Bänsch

Göttingen. Seit den Landesmeisterschaften Mitte Juni in Göttingen steht fest, dass Sie die WM-Qualifikation in der Tasche haben. Was haben Sie seitdem im Training verändert?
Ich habe genauso weitergemacht wie vorher. Durch die Examensvorbereitungen für mein Jura-Studium hätte ich gar nicht mehr Zeit in das Training investieren können. Überhaupt habe ich in diesem Jahr wesentlich weniger trainiert als 2016. Da hatte ich mich wegen der Olympiaqualifikation nur auf den Sport konzentriert.

Wie groß sind die Trainingsumfänge?
Vier Einheiten trainiere ich wöchentlich mit meinem Heimtrainer Frank Reinhardt, zweimal trainiere ich allein. Das ist eigentlich erschreckend wenig. Im vergangenen Jahr waren es acht bis zehn Einheiten. Eine Einheit dauert etwa zweieinhalb Stunden.

Wie oft springen Sie tatsächlich im Training?
Nur einmal pro Woche, der Rest verteilt sich auf Kraft-, Schnelligkeits- und allgemeines Athletiktraining sowie Stabilisation. Viel hängt ja im Dreisprung auch vom Anlauf ab.

Leben Sie nach einem speziellen Ernährungsplan?
Ich achte darauf, dass ich gesund und ausgewogen esse – nicht jeden Tag Süßes. Zum Glück habe ich keine Gewichtsprobleme. Aber wenn mir mal nach einem Stück Kuchen ist, dann esse ich es auch.
Sie sind mit 16 Jahren aus dem Landkreis Diepholz ins Sportinternat nach Hannover gezogen, also schon neun Jahre weg vom Elternhaus. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie schließlich in Göttingen gelandet sind?
Frank Reinhardt war dort mein Trainer, er lebt in Göttingen und arbeitet in Hannover. Als ich nach dem Abitur Jura studieren wollte, wäre natürlich auch Hannover in Frage gekommen. Dort sind die Trainingsbedingungen – vor allem durch den Olympiastützpunkt und das Sportleistungszentrum – im Winter sogar noch optimaler. Ich wollte aber auch noch einmal etwas anderes sehen, deshalb habe ich mich für Göttingen entschieden – und das nicht bereut. Wir haben hier aus den äußeren Umständen das Beste gemacht. Und solch’ eine umfassende medizinische Betreuung, wie ich sie erst durch das Rehazentrum Junge und jetzt im Athleticum Junge habe, hätte ich in Hannover nicht gehabt.

Was gefällt Ihnen an Göttingen?
Die Stadt hat genau die richtige Größe und durch die vielen jungen Menschen eine tolle Atmosphäre. Wenn ich unterwegs bin, treffe ich immer Leute, die ich kenne. Zu 99 Prozent erledige ich alle Wege mit dem Fahrrad. Ich wohne in der Südstadt nahe des Stadions.

Wieviel Zeit bleibt Ihnen fürs Privatleben?
Inzwischen wieder mehr, weil mein Freund Richard nach Göttingen gezogen ist. Wir haben uns im Internat kennengelernt. Er ist Wasserballer und hat für Hannover und Plauen in der 1. Bundesliga gespielt. Jetzt hat er damit aufgehört. Bislang hat er als Physiotherapeut gearbeitet, wird aber im Herbst ein Studium beginnen. Die Zeitersparnis durch das wegfallende Pendeln ist groß, wir haben uns sonst oft über einen längeren Zeitraum nicht gesehen.

Wird er in London im Stadion sitzen und am 5. August die Daumen drücken?
Nein, niemand aus meiner Familie wird dort sein. So kurzfristig konnte das keiner einrichten.

Nach Kienbaum fährt Ihr Trainer Frank Reinhardt noch mit, in London werden Sie dann vom Bundestrainer betreut?
Charles Friedeck war 1999 Dreisprung-Weltmeister. Das ist absolut okay für mich, dass er die Betreuung übernimmt. Er brennt für diesen Sport, ist sehr erfahren und kennt die Situation, in der ich mich dann befinde. In Kienbaum trainieren wir alle individuell mit unseren Heimtrainern, das Treffen dort ist aber auch als Teambuilding für die gesamte deutsche Mannschaft gedacht.

Haben Sie Ihr WM-Outfit schon zu Hause?
Die Kollektion wechselt nur alle vier Jahre, ich habe das aktuelle Kleiderpaket noch von der Hallen-Europameisterschaft in Belgrad. Dazu gehören Trainingsanzug, Trikot, Lang- und Kurzarmshirts und Regensachen. Die Daunenjacke werde ich zu Hause lassen. Insgesamt ist das alles sehr gelb. Gelb ist zwar nicht meine Lieblingsfarbe, ist aber okay. Wir reisen alle in gleicher Kleidung in London an.

Sie sind mit der achtbesten Weite im Dreisprung-Starterfeld gemeldet. Was haben Sie sich für die WM vorgenommen?
14 Meter sollen es schon werden. Ich möchte am 5. August unter die besten zwölf Springerinnen kommen. Das wäre phänomenal. Dann wäre ich zwei Tage später am Abend im Finale. Dort erreichen dann noch einmal die besten Acht den Endkampf.

Verpassen Sie wegen des frühen Wettkampfes eigentlich die Eröffnungsfeier?
Ja, da bin ich nicht dabei. Aber ich mache lieber einen guten Wettkampf.

Wie wird Ihr Wettkampftag aussehen?
Weil die Qualifikation ja bereits um 11 Uhr beginnt, muss ich früh aufstehen. Das ist ja so gar nicht mein Ding. So 40 bis 50 Minuten vor dem Beginn müssen wir in den Callroom, danach geht es ins Stadion. Ich brauche dort keine Musik auf den Ohren, um mich zu konzentrieren. Ich genieße lieber die Atmosphäre. Ich gucke auch mal nach rechts und links.

Wie lange werden Sie nach dem Wettkampf noch in London bleiben?
Eigentlich fliegt die Mannschaft nach den Wettkämpfen am 14. August gemeinsam zurück. Ich habe aber darum gebeten, schon etwas eher abreisen zu können, weil ich ja dann am 17. August schon wieder nach Taipeh zur Universiade fliege. Von dort komme ich am 29. August zurück und danach gehe ich zum 1. September zur Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Seit wann steht das fest?
Anfang Juli habe ich die Zusage bekommen. Als ich bei den Landesmeisterschaften die 14,35 Meter gesprungen war, habe ich die erforderliche Weite um fünf Zentimeter übertroffen und somit die Aufnahmevoraussetzungen erfüllt. Nun kann ich finanziell abgesichert meinen Sport treiben und mich auf die Qualifikation für die Europameisterschaften 2018 in Berlin konzentrieren. Die Förderung ist immer für ein Jahr ausgelegt und bedeutet Sicherheit. Leistungssport in Deutschland ist sehr schwer zu finanzieren. Nun kann ich mein Jura-Examen im Januar 2019 machen. Ohne diese Unterstützung hätte ich es 2018 machen müssen.

Wird Neele Eckhardt dann auch Uniform tragen?
Ja, während der sechswöchigen Grundausbildung, die Anfang September beginnt, bestimmt. So ganz genau weiß ich noch nicht, was auf mich zukommt. Es war eine Grundsatzentscheidung, die ich aber vollkommen trage. Auch mein Umfeld hat überraschend positiv reagiert. Ich werde weiter in Göttingen trainieren und zwischendurch auch weiter fürs Examen lernen.

Und wann wird Urlaub gemacht?
Nach der Grundausbildung werde ich mir eine Woche gönnen. Bislang hatte ich noch keine Zeit. Es muss nicht unbedingt Strand sein. Urlaub ist für mich, keine Verpflichtungen zu haben. Meinen letzten Urlaub habe ich 2015 mit meiner Schwester auf Island gemacht. Landschaft angucken gefällt mir auch ganz gut.

 Interview: Kathrin Lienig
 

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