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Reizfigur Reinhard Grindel

Zu Gast in der GT-Townhall Reizfigur Reinhard Grindel

Er ist der Senkrechtstarter unter den deutschen Fußball-Funktionären: DFB-Präsident Reinhard Grindel. Der Chef von sieben Millionen Fußballern ist am Montag, 28. August, Gast in der GT-Townhall. Doch wer ist Grindel, wo kommt er her, für was steht er? Eine Spurensuche von Fußball-Experte Hardy Grüne.

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DFB-Präsident Reinhard Grindel ist am 28. August Gast in der GT-Townhall. RND-Sportchef Marco Fenske und Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells moderieren den Talk mit Fans.

Quelle: Guido Kirchner/dpa

Göttingen. Reinhard Grindel ist ein vielbeschäftigter Mann. Als DFB-Präsident hat er es mit allerlei Themen zu tun, und nicht alle sind so angenehm wie das Werben um die EM 2024, die Grindel nach Deutschland holen will. Da ist die Geschichte mit dem angeblich gekauften Sommermärchen der WM 2006. Da sind die vielfältigen Kritiken aus dem Amateurlager, die heiß diskutierte Frage um den Aufstieg in die 3. Liga, die Kooperation mit dem chinesischen Fußballverband, deren U20 demnächst zu bezahlten Freundschaftsspielen in der Regionalliga Südwest aufläuft. Und natürlich der große Komplex unter der vereinfachten Überschrift „Ultras gegen DFB“, der zu Protesten in nahezu allen Fanszenen des Landes führte.

Grindel braucht starke Nerven, um den Überblick zu bewahren. Und die hat der DFB-Präsident, der als erster Berufspolitiker in der Geschichte des mit sieben Millionen Mitgliedern größten Sportverbandes der Welt zu Deutschlands Fußballfunktionär Nummer 1 aufgestiegen ist. 1961 in Hamburg geboren, ist Grindel klassischer Quereinsteiger. Eigentlich Jurist, wechselte er 1989 in den Journalismus und machte beim ZDF Karriere. Seine politische Heimat ist die CDU, an deren rechtem Flügel er verortet wird. 2002 zog er erstmals in den Bundestag ein.

Auch im Fußball war Grindel Quereinsteiger. Es begann, als die Nationalmannschaft von Trinidad und Tobago während der WM 2006 in seinem Wahlkreis ihr Trainingslager aufschlug. Es folgten Funktionärskarriere beim Rotenburger SV, zwischen 2011 und 2014 der Job des Vizepräsidenten beim NFV und ab Oktober 2013 der des DFB-Schatzmeisters – Grindels Karriere verlief steil und gradlinig.

DFB-Präsident Reinhard Grindel steht im Zentrum der Proteste

Als Wolfgang Niersbach im November 2015 im Zuge des WM-2006-Skandals zurücktreten musste, war Grindel der unbekannte Überraschungskandidat. Ein Bundestags-Hinterbänkler aus der Provinz. Zugleich ein exzellenter Netzwerker und durchsetzungsstarker Machtmensch. „Als das Profi-Lager noch über einen Kandidaten debattierte, preschten seine Vertrauten von den Amateuren vor und nominierten ihn“, staunte der „Spiegel“. Proteste der DFL, die sich übergangen fühlte, verstummten bald, und nachdem Grindel zunächst übergangsweise die Geschäfte geleitet hatte, wurde er im November 2016 auf dem Bundestag in Erfurt einstimmig zum Präsidenten gewählt.

Kritik an seiner Person gab es reichlich. Beispiel Aufarbeitung des „Sommermärchens“. Im April 2014 hatte Grindel sich bei einer Abstimmung im Bundestag zur Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung als einer von sieben Abgeordneten der Stimme enthalten. Wie, fragten Kritiker, soll jemand, der sich derart positioniert, beim DFB zum Aufräumer in Sachen Stimmenkauf und Korruption werden können?

GT-Verlosung: 50 Plätze für Townhall-Talk mit Grindel

Reinhard Grindel ist am Montag, 28. August, Gast in der GT-Townhall. Ab 19 Uhr stellt er sich im Gespräch mit RND-Sportchef Marco Fenske und Tageblatt-Chefredakteur Uwe Graells aktuellen Fragen.

Das Tageblatt verlost 50 Zuhörer-Plätze. Interessenten können von Dienstag, 22. August, 9 Uhr, bis Donnerstag, 24. August, 16 Uhr, unter der Telefonnummer 0137/9880800 anrufen (50 Cent/Anruf aus dem Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Anrufer muss das Stichwort „Grindel“, seinen Namen und seine Telefonnummer auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. bam

Oder das Amateurlager. Bei seiner Wahl im November 2016 erntete Grindel mit der Aussage: „Noch nie ist der Amateurfußball so gefördert worden wie durch das jetzt zuständige Präsidium. Amateure und Profis halten in Deutschland zusammen wie sonst nirgendwo in Europa“ zynisches Gelächter. Tatsächlich fühlen sich die Amateurvereine nämlich alleine gelassen und finden im Schatten des hofierten Profifußballs kaum noch Luft zum Atmen.

Nächstes Thema: die Auseinandersetzung mit der sogenannten „aktiven Fanszene“, gerne unter dem Dachbegriff „Ultras“ zusammengefasst. Dabei geht es um Pyrotechnik und Kollektivstrafen, um Entfremdung und überzogenen Kommerz, um eine signifikant angestiegene Gewaltbereitschaft, die auch in den Kurven kritisch hinterfragt wird. In der abgelaufenen Saison hagelte es Strafen, wurden die Proteste schärfer und radikaler. Höhepunkt war der Auftritt der Dresdner Fanszene in Karlsruhe, als 2000 Mann in militärischem Camouflage dem DFB „den Krieg“ erklärten.

DFB-Chef Grindel steht im Zentrum dieser Proteste. In den Kurven und bei vielen Amateurvertretern wird er als Berufspolitiker wahrgenommen, der pragmatisch und emotionslos entscheidet und sich auf eine mächtige Lobbyistenstruktur stützt. Grindel sei kein Fußballfunktionär mit „Herzblut“, sondern ein Parteifunktionär mit „strategischem Talent“, heißt es. Der Glaube, dass der Fußball bei ihm in vertrauensvollen Händen liegt, ist vielen längst verloren gegangen.
Grindel und der DFB haben auf die Kritik reagiert. Über die Aufstiegsfrage in die 3. Liga wird wieder diskutiert, die 50+1-Regel soll erhalten bleiben und in Richtung Ultras sandte der mächtige DFB-Chef Signale der Entspannung. Kollektivstrafen werden zunächst ausgesetzt, Gespräche gesucht. Tatsächlich kam es bereits zu ersten Diskussionen, wenngleich die Fanproteste am vergangenen Wochenende mit unverminderter Härte fortgeführt wurden.

Es ist viel Vertrauen verspielt worden, auf beiden Seiten. Da darf man nicht erwarten, dass mit einer Absichtserklärung plötzlich alles vom Tisch ist. Zumal sich rebellische Jugendkultur und ein am Image des Verbandes interessierter DFB mit konträren Vorstellungen gegenüberstehen. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht, und man darf hoffen, dass die gegenseitigen Erklärungen nicht nur heiße Luft, sondern belastbar sind. Denn genau daran wird Reinhard Grindel gemessen werden – wie im Übrigen auch die Vertreter der Ultras.

Der Autor

Der Journalist Hardy Grüne wurde von der „FAZ“ einst als „das Gedächtnis des Fußballs“ bezeichnet. Seit 2015 ist der im Eichsfeld lebende Autor Mit-Herausgeber von „Zeitspiel – Magazin für Fußball-Zeitgeschichte“, das sich explizit um den Fußball unterhalb der Profiligen kümmert. Als Kolumnist hat sich Grüne mehrfach mit der Person und Politik von Reinhard Grindel beschäftigt. hardy-gruene.de, zeitspiel-magazin.de

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