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Schacko, „die Stimme vom Sandweg“, hört auf

Stadionsprecher der SVG Schacko, „die Stimme vom Sandweg“, hört auf

Da sitzt er nun auf der Tribüne des SVG-Stadions, und sein Blick wandert über den Platz. Noch vor einiger Zeit war die Sprecherkabine sein zweites Zuhause. Jetzt lässt sich Hans-Otto „Schacko“ Hahne auf den Plastiksitzen nieder. Der langjährige Stadionsprecher der Schwarz-Weißen tritt sozusagen in den Ruhestand. Denn seine „Stimme vom Sandweg“ will nicht mehr so recht.

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„Die Gesundheit geht vor“: Hans-Otto „Schacko“ Hahne auf der Tribüne des SVG-Stadions am Sandweg.

Quelle: Theodoro da Silva

Eine Schilddrüsen-Operation, bei der Komplikationen auftraten, zwingt ihn kürzer zu treten. Lediglich zehn Minuten lang könne er noch sein markantes Organ ertönen lassen, dann wird er heiser, berichtet er. „Wir haben immer gesagt: Man kommt hinter die Luft“, beschreibt er den Zustand. Es sei furchtbar.

Sonst geht es ihm recht gut. Gerade eben hat der 74-Jährige die Tribüne von Kippen und Abfall, Überbleibseln vom Derby gegen den FC Grone, befreit. Wie viele Stunden er für die SVG ehrenamtlich tätig war, kann er längst nicht mehr zählen. Es waren sehr viele.
Als 23-Jähriger wurde er 1959 zum ersten Mal in den Vorstand gewählt, bis auf den Vorsitz und den Kassierer hat er bei den Schwarz-Weißen alle möglichen Positionen bekleidet. Außerdem spielte er in der dritten Mannschaft, als Ausputzer mit Torinstinkt. „Ich hätte Tore verhindern sollen, habe aber auch welche geschossen“ – auch Eigentore: Einmal erzielte er in einer Saison 17 Treffer, „sechs vorn und elf hinten“. Er habe dem eigenen Torwart drauf schießen können, wie er wollte, „er hat nichts gehalten“, witzelt er. Der Keeper sei nicht „ganz so erbaut davon gewesen“.

Und so ist Hahne, der früher als Versicherungskaufmann bei der Gothaer tätig war, in Göttingen vor allem als Stadionsprecher berühmt. „Verrückt ist das, es ist schon fast eine Bildungslücke, wenn man in Göttingen den Namen Schacko Hahne nicht kennt“, sagt er. Rund 40 Jahre lang gab er Torschützen, Auswechslungen und Zwischenstände bekannt. Im SVG-Stadion, im Jahnstadion, beim Hallenturnier oder früher bei Basketballspielen des ASC 46 in der Godehardhalle.

Was viele nicht wissen: Der Vater eines Sohnes und einer Tochter, der in Geismar lebt, war früher ein begeisterter Basketballer, der die C-Jugend der Königsblauen als Trainer 1977 zur Deutschen Meisterschaft führte. Mit den „Alt-ASCern“, mit denen er in den 50er- und 60er-Jahren noch selbst gespielt hat, trifft er sich immer noch regelmäßig.

Alte Freundschaften – für Hahne ein wichtiges Thema, auch bei der SVG: Er habe sich immer auch deswegen engagiert, weil er „mit den Uralt-Kameraden aus der aktiven Zeit gut zurecht kam“. Seine Mission am Sandweg ist noch nicht zu Ende, denn zusammen mit Werner Vollbrecht ist er nach wie vor für die Werbe-Akquise des Godehardhallenturniers und der Stadionzeitschrift Sandweg-Tribüne zuständig. In dieser schreibt er regelmäßig die Kolumne „Der alte SVGer“ und berichtet von längst vergangenen Zeiten – als Ehrenmitglied, das seit 60 Jahren dem Verein angehört, ist keiner besser geeignet dafür als er.

Was er seinem Nachfolger Rainer Freudenberg mit auf den Weg gibt? „Wenn die Rückennummern nicht mit den Spielernamen übereinstimmen, muss man das auf nette Art und Weise zugeben“, sagt Hahne. „Bloß nicht den dicken Wilhelm spielen, denn nobody’s perfect. Und wer ist schon nobody?“ Das Wichtigste aber sei Neutralität, der Respekt vor dem Gegner. „Aber natürlich freue ich mich über eigene Tore mehr.“

Es hat angefangen zu nieseln, Hahnes Blick wandert wieder durch das weite Rund. Beim Derby gegen Grone, vor dessen Anpfiff er offiziell verabschiedet wurde, hat Hahne seinem Nachfolger zugehört, der das „schon ganz gut“ mache. Viele Leute hätten ihm versichert, wenn er weg sei, fehle ihnen etwas. „Aber was nicht geht, das geht nicht“, sagt er. „Die Gesundheit geht vor.“ Der Wind weht, aber die Tür zur Sprecherkabine klappert nicht. Sie ist zu.

Von Eduard Warda

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