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Schwieriger Spagat: Leistungssport und Ausbildung

Für die Radcross-WM qualifiziert Schwieriger Spagat: Leistungssport und Ausbildung

„Eigentlich wollte ich gar nicht, dass es so gut läuft“, sagt Gesa Brüchmann und lacht. „Aber jetzt muss ich mich wohl entscheiden.“ Die 20-jährige Radcross-Fahrerin strahlt über das ganze Gesicht.

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Höchstleistung am zweiten Weihnachtsfeiertag: Gesa Brüchmann gewinnt den Weihnachtscross in der Haake (Hamburg-Harburg).

Quelle: Maaßen

Denn mit „so gut“ meint sie ihren vierten Platz bei der Deutschen Meisterschaft im Radcross am vergangenen Sonntag. Hinter Weltmeisterin Hanka Kupfernagel, der amtierenden Olympiasiegerin Sabine Spitz und Sabrina Schweizer. Brüchmann ließ sogar eine Profisportlerin im Matsch von Lorsch an der Bergstraße hinter sich.

Nach ihrem starken Auftritt hat der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sie für die Weltmeisterschaft im saarländischen St. Wendel (29./30.Januar) nominiert. Dazu sollen noch zwei Weltcup-Starts an den nächsten Wochenenden kommen. Bekanntes Metier für die Radsportlerin. Sie war nicht nur Deutsche Meisterin, sondern ist auch schon bei Europameisterschaften und sogar bei drei Weltmeisterschaften gestartet. Doch dem Strahlen folgt ein nachdenklicher Gesichtsausdruck: „Ich weiß nicht, ob ich bei der WM starten soll. Ich weiß, das klingt verrückt, aber das muss ich mir erst noch mal überlegen.“ Brüchmann steht im schwierigen Spagat zwischen Leistungssport und ihrer Ausbildung.

Im Oktober 2010 ist die junge Radcross- und Mountainbike-Fahrerin von Buchholz in der Nordheide nach Göttingen gezogen. Nach dem Abitur und einem Auslandsaufenthalt hat sie sich entscheiden müssen. Ausbildung? Studium? Oder für einen Profivertrag trainieren und hoffen, dass es irgendwann klappt wie bei den Vollprofis Kupfernagel und Spitz? „Ich habe schnell gemerkt, dass mir Radfahren allein nicht reicht. Ich brauche auch Ziele neben dem Leistungssport“, betont Brüchmann.

Seit vier Monaten lässt sie sich deshalb zur Physiotherapeutin ausbilden. Den Leistungssport aufgeben will sie nicht. Doch ihr sportlicher Alltag hat sich stark verändert. „Ich kann nicht mehr so viel trainieren wie früher. Ich versuche jetzt, die knappe Zeit spezifischer zu nutzen.“ Nach langen Tagen in der Physiotherapie-Schule sei die Motivation allerdings nicht immer da, noch ein paar Mal zum Kehr hochzufahren – besonders, wenn die sportliche Perspektive fehlt.

Umso größer war die Freude am Wochenende. Eine Top-Fünf-Platzierung unter Deutschlands besten Radsportlerinnen – und das trotz reduzierten Trainings. Das lässt nicht nur Verband und Trainer auf mehr hoffen, sondern macht auch Brüchmann neugierig. „Ich würde sehr gern starten. Natürlich will jeder bei einer WM dabei sein, aber in den nächsten Wochen schreibe ich auch alle wichtigen Klausuren.“
Anderseits habe ihr der Wettkampf wieder mehr Motivation und Selbstvertrauen gegeben. Das könne Kräfte mobilisieren. „Ich muss weiter versuchen, beides miteinander zu vereinbaren“, sagt Brüchmann. In knapp drei Jahren will sie dann wieder überlegen. Den Radsport als Broterwerb zu nutzen, wird aber auch dann schwierig sein. „Vom Sport leben können nur Kupfernagel und Spitz, die anderen Spitzenfahrerinnen müssen nebenbei noch etwas anderes machen“, sagt die Neu-Göttingerin. Mit Blick auf die 36-jährige Hanka Kupfernagel und die 39-jährige Spitz macht sie sich aber über eine andere Sache keine Gedanken: „Bei uns im Radsport wird man mit zunehmenden Alter eigentlich erst richtig gut.

  Sporthilfe fördert 3800 Athleten
  Viele Nachwuchssportler werden zu Profis, indem sie Sportsoldat werden oder durch die Deutsche Sporthilfe finanzielle Unterstützung bekommen. Ein Konzept, das offenbar funktioniert: Allein bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 gewannen Sportsoldaten 17 der 30 deutschen Medaillen. Doch die Förderung steht auf der Kippe. Durch die Abschaffung der Wehrpflicht und den Sparzwang des Verteidigungsministeriums wird in Zukunft auch bei den Sportsoldaten gespart. Nach dem zwischenzeitlich diskutierten Aus der „Sportförderplätze“ soll die Zahl der beschäftigten Athleten aber aktuell nur von 824 auf 744 reduziert werden. Bislang gibt das Verteidigungsministerium 30 Millionen Euro pro Jahr für den Spitzensport aus. Die Deutsche Sporthilfe ist breiter aufgestellt. Sie fördert derzeit etwa 3800 Athleten, unter ihnen auch Gesa Brüchmann. Je nach Leistungsklasse zahlt die Stiftung gestaffelt bis zu 10 000 Euro im Jahr für Elitesportler. Insgesamt wendet die Sporthilfe zehn bis zwölf Millionen Euro pro Jahr für die Sportler auf.

Von Hendrik Maaßen

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