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Selbstversuch: Männerballett in Göttingen

„Die Zehen immer strecken“ Selbstversuch: Männerballett in Göttingen

Ich ziehe kein rosa Tutu an. Das war meine Bedingung, um eine Einheit beim Männerballett-Kurs des ASC 46 mitzumachen. Bei der Ankunft in der verspiegelten Balletthalle an der Danziger Straße stelle ich überrascht fest, dass hier niemand rosa Tutus trägt.

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Komplexe Bewegungen: Ballett ist koordinativ sehr anspruchsvoll und fordert alle Sinne.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Zwei Sportler in engen schwarzen Hosen und weißen Shirts gehen bereits als Exoten durch.

Wir stehen zu siebt auf dem Parkett: Tänzer, Abiturienten, die für die Sporteignungsprüfung üben, zwei „kaputte Rugbyspieler“. Trainerin Julia Bottenhorn legt klassische Musik auf und eröffnet damit die Ballettstunde. C‘est parti!

Aufgewärmt wird sich vor dem Spiegel mit allerhand Mobilisierungsübungen. Während ich mich darüber wundere, wie ernst alle Teilnehmer das Training nehmen – die meisten männlichen Sportmannschaften würden einen Heidenspaß haben, den Kurs mit Blödeleien zu sprengen – bekomme ich den ersten Krampf im Zeh.

„Die Zehen immer strecken“, fordert Bottenhorn. Koordinativ schwieriger als erwartet, gestaltet sich auch die anschließende Einheit an einer horizontalen Holzstange. Französische Begriffe fliegen mir um die Ohren, die Beine sollen nach vorne und hinten schwingen „und dabei bloß immer die Zehen strecken“. Ach so, derweil soll bis Zwölf gezählt werden, um im Rhythmus der Musik zu bleiben. Unmöglich. Ich trete stattdessen versehentlich meinen Vordermann in die Wade.

Viele Profisportler, speziell Fußballer und Basketballer, machen Ballett. Das erschließt sich jedem, der einmal an einer Stunde teilgenommen hat. „Ich wundere mich, dass noch keine Fußballer bei uns mitmachen. Ballett verbessert die Fußarbeit enorm, man entwickelt ein Bewusstsein für gesundes Landen und richtiges Dehnen, das man für seine eigene Sportart nutzen kann“, sagt Bottenhorn.

Die Laufübungen basieren darauf, dass der Athlet ähnlich wie beim Kampfsport lernt, jeden Muskel einzeln zu benutzen. In diesem Fall besonders in den Beinen. In Geduld übt man sich übrigens auch. Es bedarf schon einem gewissen Maß an Frustrationstoleranz, nach jeder Runde eine neue Korrektur zu erhalten. Ich finde mich ziemlich schnell damit ab, kein Ballerino zu werden und erfreue mich während der Übungen einfach an der Musik.

Dann geht es ans Springen. „Das kann ich“, denke ich mir erfreut – und werde erneut eines Besseren belehrt, denn besonders hoch springen zu können, hilft hier nicht weiter. „Du landest zu weit vorne“, erklärt die 23-jährige Bottenhorn. Natürlich komme ich auch aus dem Rhythmus und mit den Fußstellungen durcheinander.

„In die Erste“, bittet Bottenhorn. „Du stehst in der Sechsten“, flüstert mir mein Nebenmann korrigierend zu und verschiebt meine Füße um wenige Millimeter. „Genau so, das ist die Erste.“ Alles klar.

Nach einigen Dehn- und Kräftigungsübungen ist mein Tageswerk vollbracht. Für die anderen heißt es jetzt noch proben für die Auftritte an diesem Wochenende. Die Aufführungen des ASC-Männerballetts sind am Sonnabend und Sonntag jeweils um 15 Uhr im Kinderbewegungshaus am Waldweg 28.

Von Rupert Fabig

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