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Tageblatt-Interview zum Thema Mindestlohn im Fußball

Vor dem Krisengipfel im Bundesarbeitsministerium Tageblatt-Interview zum Thema Mindestlohn im Fußball

Der am 1. Januar eingeführte Mindestlohn trägt nicht nur zu einem besseren Verdienst bei, sondern auch zur Verunsicherung bei den Fußballklubs: Welchen Spielern ist ein Mindestlohn zu zahlen, was müssen die Klubs tun, um sich gesetzeskonform zu verhalten?

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Fußball und Mindestlohn: Steht für Vertragsamateure das Geld oder die Leidenschaft am Kicken im Vordergrund?

Quelle: dpa/Montage:Scharf

Vor dem Gespräch am Montag zwischen Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Vertretern von DFB und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB)  sagt der Northeimer Anwalt Dr. Frank Rybak, Verbandsjustiziar der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV), im Tageblatt-Interview: „Ich sehe das Dilemma der Vereine.“

Wie stehen Sie im Hinblick auf den Fußball-Amateurbereich zum Mindestlohn?
Der Mindestlohn bringt für Fußballvereine Probleme mit sich. Andererseits sind in der Vergangenheit auch viele Spieler ausgenutzt worden. Das geht so weit, dass den Spielern zu ihrem Arbeitslosengeld die anrechnungsfreien 165 Euro zugezahlt werden, und die Spieler machen so weiter, bis sie im Hartz-IV-Bereich gelandet sind. Ich sehe das Dilemma der Vereine, aber ich sehe auch keinen Weg, die Modelle aufrechtzuerhalten.

Welche Vereine sollten sich mit dem Mindestlohn-Gesetz auseinandersetzen?
Von der Bundesliga bis zur 3. Liga ist der Mindestlohn eher kein Thema. Ab der Regionalliga tritt das Problem geballt auf.

Welche Spieler haben Anspruch auf einen Mindestlohn?
Sämtliche Spieler, die als Arbeitnehmer einzuordnen sind, das heißt auch Vertragsspieler, die früher Vertragsamateure hießen und laut DFB-Vorgaben mindestens 250 Euro pro Monat erhalten. Ausgenommen sind reine Amateure, die eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Warum haben Amateure keinen Anspruch?
Die Gruppe der Amateurspieler verfügt über keinen Vertrag und wird als Vereinsmitglied tätig, ist also kein Arbeitnehmer.

Nun kursiert ein Ausschussbericht zum Mindestlohngesetz, nach dem es einen Ausnahmetatbestand zum Thema Ehrenamt gibt. „Auch Amateur- und Vertragsspieler fallen nicht unter den Arbeitnehmerbegriff, wenn ihre ehrenamtliche sportliche Betätigung und nicht die finanzielle Gegenleistung für ihre Tätigkeit im Vordergrund stehen“, heißt es da. Was ist davon zu halten?
Der DFB bezieht sich auf den Ausschussbericht. Juristisch gesehen hat dieser Bericht aber keinen Gesetzes-Charakter. Der Fußballer übt kein Ehrenamt aus wie eventuell ein Kassenwart. Die Tendenz, dass der Fußball zur einen Hälfte Arbeit und zur anderen Hälfte Liebhaberei ist, geben das Gesetz und der DFB-Mustervertrag nicht her. Im Paragrafen 1 des Mustervertrages steht: „Der Spieler verpflichtet sich, für den Verein den Fußballsport als Vertragsspieler auszuüben.“ Und wenn ich den Spieler verpflichte, Fußball zu spielen, bin ich auch bei 8,50 Euro pro Stunde.

Was raten Sie einem Verein wie dem Göttinger Oberligisten 1. SC 05, der einige Vertragsspieler in seinen Reihen hat?
Die Klubs müssen natürlich den Umfang, inwieweit sie zukünftig noch mit bezahlten Spielern arbeiten möchten, von ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten abhängig machen. Hier könnte sich das Mindestlohngesetz in unteren Ligen dann in der Tat auch dahingehend negativ für Spieler auswirken, dass einige Teilzeit-Arbeitsplätze wegfallen. Ob dies aber tatsächlich so kommen wird, muss zunächst abgewartet werden.

Die Gretchenfrage für die Vereine lautet: Was zählt zur Arbeitszeit eine Fußballers?
Training und Spiele gehören dazu, aber auch die Reisezeit bei Auswärtsspielen oder das Treffen eine Stunde vor der Abfahrt. Spielern, die mich fragen, rate ich, ihre Arbeitszeit zu dokumentieren. Umgekehrt droht schließlich auch dem Vertragsspieler als Arbeitnehmer eine Sanktion, wenn er nicht zum Spiel kommt. Wenn im Gegensatz dazu der reine Amateur mal keine Lust hat und zu Hause bleiben möchte, muss er nicht kommen.

Welche Entwicklung ist zu erwarten?
Viele Experten gehen davon aus, dass der Großteil der Vereine die mit dem Mindestlohngesetz verbundenen Mehrbelastungen wird stemmen können. Die Regelung ist insbesondere fair für die Spieler, die beispielsweise in der Regionalliga vollberuflich mit mehr als 100 Stunden im Monat beschäftigt sind, bisher aber nur zu Mini-Job-Konditionen bezahlt wurden und somit von der finanziellen Unterstützung Dritter abhängig waren. Ausnahmetatbestände für den Sport sind meines Erachtens kurzfristig nicht zu erwarten.
Interview: Eduard Warda

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