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Tennistalent spielt sich mit links nach vorn

Tennis Tennistalent spielt sich mit links nach vorn

Begonnen hat alles mit alten Umzugskartons. In denen fand Julia Marzoll vor einigen Jahren die alten Tennisschläger ihres Vaters. Damals wusste die heute Elfjährige noch nicht, was sie damit anfangen sollte. Heute dagegen beherrscht die Rittmarshäuserin das Racket mit links – nicht nur, weil sie Linkshänderin ist, sondern auch, weil sie besser spielt als die meisten ihrer Altersgenossinnen, und nicht nur die.

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Hat viel Potenzial: Julia Marzoll aus Rittmarshausen.

Quelle: Pförtner

Rittmarshausen. Beim Nationalen Jüngsten-Tennisturnier in Detmold, den inoffiziellen Deutschen Meisterschaften (für ihre Altersklasse gibt es noch keine nationalen Titelkämpfe) drang die Schülerin des Göttinger Felix-Klein-Gymnasiums als Ungesetzte bis ins Finale vor und schlug die für Potsdam spielende Nadja Meier in drei Sätzen.

In sechs Partien gab die für den TC Blau-Weiß Duderstadt spielende Nachwuchsakteurin nur zwei Sätze ab, deklassierte im Halbfinale Isabella Pfennig (TC Gauting/Bayern), die zuvor die an Position zwei gesetzte Jantje Tilbürger (Club Zur Vahr) bezwungen hatte, mit 6:1 und 6:1.

„Mein Ziel war es vorher, unter die besten Acht zu kommen. Als ich dann im Finale war, habe ich mir gesagt: Egal was jetzt noch passiert, du bist auf jeden Fall schon Zweite.“ Das Endspiel fand nicht nur vor stattlicher Kulisse statt, sondern wurde auch von einem offiziellen Stuhlschiedsrichter geleitet – ein Novum für Marzoll. „Sonst schiedsen wir immer selber, und manchmal kommt es dabei auch zu Meinungsverschiedenheiten.“

Keine Unklarheiten ließ Julia, die zur Verbesserung der Kondition regelmäßig im Schwimmbad ihre Bahnen zieht, im entscheidenden Finalsatz aufkommen. Ihrem druckvollen Spiel hatte Endspielgegenerin Meier nichts mehr entgegenzusetzen. „Ich spiele gerne schnell und hart und deshalb auch am liebsten in der Halle und auf Hartplatz“, erklärt die nationale Meisterin, die gerne die Matches ihrer Vorbilder Maria Sharapova und Victoria Azarenka im Fernsehen verfolgt. „Vom Spielstil kommt sie aber eher Venus Williams nah“, erklärt Mutter Cornelia Marzoll.

Mit dem Titel, den dereinst auch Größen wie Steffi Graf und Sabine Lisicki gewonnen hatten, löste Marzoll das Ticket für das German Masters-Deutschlandfinale der Nike Junior Tour, das im September auf der Anlage des TC Halle, auf der auch die Gerry-Weber-Open ausgetragen werden, steigt. Vermutlich tritt Familie Marzoll die Reise gen Westfalen dann auch wieder mit dem extra angeschafften Wohnmobil an. „Damit ist man einfach flexibler, als wenn man für die Wochenenden Hotels bucht, aber gar nicht weiß, wie lange man im Turnier vertreten ist“, erklärt Cornelia Marzoll.

Dass es während der Reise nicht langweilig wird, ist auch Julias „Händchen“ zu verdanken: Für den Sieg beim international besetzten Herkules-Cup in Kassel erhielt sie einen Flachbild-Fernseher, der jetzt im Wohnmobil der Zerstreuung dient. Geliebäugelt hatte die Gewinnerin aber eigentlich mit einem anderen Preis: „Für die Sieger gab es eine Nintendo Wii, aber die hat der Erste des Jungen-Turniers bekommen.“

Viel Zeit, sich mit Fernsehen und Spielkonsolen beschäftigen, bleibt dem Tennistalent im Alltag ohnehin nicht. Drei Trainingseinheiten auf dem Court stehen auf dem wöchentlichen Plan, dazu kommen neben der Schule das  Schwimmtraining und an den Wochenenden Turniere, die bundesweit stattfinden. Julia träumt von einer Profikarriere, strebt jedoch erst mal einen „guten Schulabschluss“ an, denn: „Tennis ist ein schönes Hobby, das aber auch schnell vorbei sein kann, zum Beispiel wenn man sich verletzt.“

Ihrem Heimatverein, für den sie derzeit bei den B-Juniorinnen in der Bezirksklasse aufschlägt, will Marzoll trotz Angeboten anderer Klubs die Treue halten: „Natürlich wird man manchmal angesprochen, aber ich will nicht aus Duderstadt weg. Mit Alec Ungureanu habe ich einen super Trainer, für mich persönlich gibt es keinen Besseren.“

Von Christian Roeben

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Julia Marzoll, Nachwuchs-Tennisspielerin des TC BW Duderstadt, hat den stark besetzten McDonalds-Junior-Cup, der als inoffizielle Deutsche Meisterschaft der Altersklasse U12 gilt, in Lippstadt gewonnen. Pro Bundesland waren nur zwei oder drei Spielerinnen vertreten. Die Duderstädterin ging dabei als eines der niedersächsischen Talente an den Start.

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