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The Andes Trail: Höhenmeter werden in Tausender-Schritten gemessen

Neugierig auf „verrückte Gringos“ The Andes Trail: Höhenmeter werden in Tausender-Schritten gemessen

„The Andes Trail“ ist eines der längsten und verrücktesten Radrennen der Welt. Mit dabei ist der Göttinger Fußball-Experte Hardy Grüne, der über sein Abenteuer quer durch Südamerika in unregelmäßigen Abständen berichtet.

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Nervenkitzel am Ruhetag: Hardy Grüne und einige Andes-Trail-Teilnehmer befahren die mittlerweile gesperrte „Death Road“.

Quelle: Grüne

Uyuni. Deutlich mehr als 50 000 Höhenmeter liegen inzwischen hinter uns, und jeder Teilnehmer spürt das in seinen Beinen. Einerseits sind sie kräftig geworden von diesen schier unendlich langen und steilen Aufstiegen, andererseits sind sie müde und lechzen nach Erholung. Erholung aber ist auf The Andes Trail ein Fremdwort. An den freien Tagen – durchschnittlich alle fünf Tage – stehen Radpflege, Wäsche waschen und Regeneration auf dem Programm.

Es ist eben ein Marathon gegen die Zeit und mitunter auch gegen den eigenen Körper. Nahezu jeder der 40 Extremradler hat schon mit Malaisen zu kämpfen gehabt. Durchfall, Magenprobleme, aufgeriebenes Sitzfleisch, Höhenkrankheit, Erkältung durch die harschen Wetterbedingungen – es ist ein schmaler Grat zwischen „volle Kraft“ und Kraftlosigkeit. Für den Fall der Fälle stehen auf den Versorgungsfahrzeugen Sitzplätze zur Verfügung, mit denen man sich ins Tagesziel fahren lassen kann. Auch mich hat es erwischt. Ein vehementer Durchfall ließ mich für zwei Tage vom Rad steigen.

Emotional ist die Andendurchquerung ein Wechselbad der Gefühle. An einigen Tagen tauchen wir tief ein in den andinen Alltag, teilen uns schmale Naturpisten mit Rindern, Schafen, Hunden und wackeligen Eselskarren, radeln wir an fröhlich grüßenden Einheimischen vorbei, die ihre Felder in mühsamer Handarbeit bestellen. An anderen Tagen wiederum husten wir uns auf dichtbefahrenen Überlandstraßen durch die ungefilterten Abgaswolken ungezählter Lastwagen und Busse, fürchten im brutalen Verkehr um unsere körperliche Unversehrtheit. Dann wieder gibt es Tage, an denen das Rennen im Mittelpunkt steht und wir die Berge hinauf- und hinabrasen, ohne auch nur einen Blick auf die Schönheiten der Umgebung zu verschwenden.

In den Anden folgen die Pisten eben der Topografie

Wilbert Bonné, einer der beiden „Bike-Dreams“-Organisatoren: „Wir wollen den Teilnehmern sowohl die Möglichkeit bieten, die wirklichen, die exotischen Anden zu erleben als auch sich selbst herauszufordern. Dazu muss man allerdings auch bereit sein, an seine Grenzen zu gehen.“ Keine einfache Aufgabe, zumal sich das Teilnehmerfeld in einem höchst unterschiedlichen sportlichen Zustand befindet - sowohl bezüglich der körperlichen Konstitution als auch der Bereitschaft, sich zu quälen. Bonné: „Jeder einzelne Tag ist machbar. Aber dann kommen Wetter, äußere Umstände und die Beschaffenheit der Strecke hinzu. Und einige Teilnehmer sehen den Trip vielleicht auch eher als Urlaub. Aber das ist er ganz bestimmt nicht.“

So wie im Apurimac-Tal zwischen Ayacucho und Cusco, wo wir tagelang zwischen 4000 und 2000 Höhenmeter pendelten und auf brutal schroffen Naturpisten und garstigem Wetter entweder im Höllentempo ins Tal schossen oder uns im Schneckengang die Hänge hochquälten. In den Anden folgen die Pisten eben der Topografie, gibt es nur wenige Brücken oder Tunnel, die für Erleichterung sorgen. Zugleich sind es diese abseitigen Gegenden, die das Anden-Abenteuer so intensiv machen, denn sie führen, so Bonné, „direkt hinein in das Leben der Menschen“. Und tatsächlich: Wenn wir schweißüberströmt die Hänge hinaufkrabbeln, werden wir in den Ortschaften von respektvoll grüßenden Menschen erwartet, die voller Neugierde auf diese „verrückten Gringos“ sind.

Nach einem touristischen Abstecher zu den mystischen Inka-Stätten von Machu Picchu erreichten wir hinter Cusco schließlich den Altiplano, und obwohl es dort weitestgehend flach zugeht, sind die Herausforderungen kaum weniger geworden.

Denn die Luft ist dünn auf knapp 4000 Metern, und Tage von bis zu 160 Kilometern nagen an den Kräften. Hinzu kommen die Effekte von El Niño, die sich durch beinahe täglich niedergehende massive Gewitter und kräftige Temperaturstürze auswirken. Belohnt wurden wir durch berührende Hochgebirgslandschaften entlang des Titicacasees sowie die spektakuläre Überquerung des Salzsees Salar de Uyuni, auf dem auch ein Einzelzeitfahren anstand.

Hardy Grüne nimmt an „The Andes Trail“, einer Tour über 11 000 Kilometer und 128 Tagen über die Anden nach Patagonien, teil. © Grüne

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Death-Road: 60 Kilo- und 30 000, Höhenmeter

Die „Death Road“ (Todesstraße) ist eine Verbindungsstraße zwischen La Paz und dem Amazonasgebiet. Sie geht über 60 Kilometer und 3000 Höhenmeter bergab. Bis zur Eröffnung einer Alternativroute führte der gesamte Verkehr über die schmale Naturpiste, und es kam regelmäßig zu schrecklichen Abstürzen.

Heute ist die „Death Road“ weitestgehend verkehrsfrei und wird für touristische Aktivitäten wie Downhill-Radfahrten genutzt. Die Piste ist nicht Teil der The-Andes-Trail-Strecke, Hardy Grüne ist sie an einem der Ruhetage auf einem speziellen Downhillrad gefahren.

 

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02.12.2016 - 20:20 Uhr

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