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Turner aus der Region Göttingen zum WM-Gold von Pauline Schäfer

Geräteturnen Turner aus der Region Göttingen zum WM-Gold von Pauline Schäfer

Es war die Krönung einer großartigen Weltmeisterschaft für die deutschen Turnerinnen. Am einstigen Zittergerät Schwebebalken holten Pauline Schäfer und Tabea Alt Gold und Bronze. Auch in der Region kommt Turnen wieder gut an.

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Die Chemnitzerin Pauline Schäfer in Montreal bei ihrer Übung auf dem Schwebebalken, für die sie die Goldmedaille erhielt.

Quelle: Foto: dpa

Montreal. Schäfers Titelgewinn war erst die dritte Goldmedaille für deutsche Turnerinnen am Schwebebalken bei Weltmeisterschaften seit 1970. Der neue Star am Turnerhimmel der Deutschen wurde in Dudweiler geboren und zog 2012 aus dem saarländischen Bierbach nach Chemnitz um.

„Bei uns wird ja auch auf dem Schwebebalken geturnt, und natürlich: Das passt jetzt ganz gut“, sagt Bernward Schwarze, Vorsitzender des Turnvereins Mingerode. Christoph Hannig, Vorsitzender von Tuspo Weende und Vizepräsident des Niedersächsischen Turner-Bundes (NTB) berichtet von einer großen Nachfrage.

„Turnen ist durchaus wieder In, selbst bei Jungs“, sagt Hannig, der glaubt, dass die Trendsportart Parkour dazu beigetragen hat. Der Hindernislauf über alltägliche Hürden bringe „turnerische Ausdrucksformen“ mit sich, und es sei ja auch etwas Besonderes, ein Rad schlagen zu können oder einen Salto zu absolvieren.

Bei Tuspo Weende gebe es sogar Anfragen von Erwachsenen, und bei den weiblichen Turnerinnen ist die Nachfrage mittlerweile so groß, dass Mädchen zum Teil gar nicht mehr in die vorhandenen Gruppen aufgenommen werden können. „Der limitierende Faktor ist der Übungsleiter“, stellt Hannig klar.

Übungsleiter-Nachwuchs
ist in der Region rar gesät

Das bestätigt auch Schwarze vom Mingeröder Verein. Mit Edelgard Schöttler, die beinahe 50 Jahre lang beim TV Jahn Duderstadt tätig gewesen ist, verfüge man zwar über eine sehr engagierte Übungsleiterin, aber Schöttler stellt auch eine Ausnahme dar: Sie ist seit rund fünf Jahren dabei, obwohl sie bereits damals zur älteren Übungsleiter-Generation zählte – der Übungsleiter-Nachwuchs ist rar gesät.

„Das ist das große Problem bei uns auf dem Dorf“, sagt Schwarze und verweist auf ähnliche Probleme bei anderen Turnvereinen der Region. Mittlerweile bieten nur noch Mingerode, Weende sowie der ASC 46 Göttingen und der MTV Geismar Turnen an.

Erste Goldmedaille für DTB

Deutsche Turnerinnen haben bislang zwölf WM-Titel gewonnen. Davon gingen elf in den Jahren von 1970 bis 1987 auf das Konto des Deutschen Turn-Verbandes (DTV) der DDR. Den ersten WM-Erfolg für den Deutschen Turner-Bund (DTB) sicherte sich Pauline Schäfer. – WM-Goldmedaillen: 1970 Zuchold (Leipzig/Sprung und Schwebebalken) und Janz (Berlin/Stufenbarren). 1974: Zinke (Berlin/Stufenbarren). 1979: Gnauck (Berlin/Stufenbarren). 1981: Gnauck (Sprung, Schwebebalken, Stufenbarren). 1983: Gnauck (Stufenbarren). 1985: Fähnrich (Berlin/Stufenbarren). 1987: Thümmler (Berlin/Stufenbarren). 2017: Pauline Schäfer (Chemnitz/Schwebebalken). dpa

„Die Übungsleiter muss man sich selbst heranziehen“, weiß auch Hannig zu berichten. „Wenn man hoch hinaus will, muss man schon vier- bis fünfmal pro Woche trainieren. Das schafft angesichts der beruflichen Belastung kein Übungsleiter mehr.“ Die Goldmedaillengewinnerin Schäfer trainiert nicht umsonst in Chemnitz. „Natürlich sind die Strukturen in den neuen Bundesländern noch anders“, unterstreicht Hannig, und Schwarze ergänzt: „Dort ist das Training besser, werden die Turner besser gefördert.“

Die Förderung in früher Kindheit ist in den Augen von Hannig ein wichtiges Thema, ein anderer limitierender Faktor, wenn es um den Vergleich von professionellen Strukturen mit anderen Turn-Nationen geht. „Es wäre schön, wenn mit dem Erfolg von Schäfer eine neue Ära eingeläutet werden würde, aber ich bin da nicht ganz so optimistisch“, sagt der Tuspo-Vorsitzende. „Mittlerweile ist die Förderung sehr aufwendig.“

Im Gegensatz zum Fußball, wo Talente mit 13 Jahren aufs Internat wechseln können und sich dann noch zu einem Bundesligastar entwickeln, setze Leistungstraining im Turnen ähnlich wie beim Eiskunstlaufen oder beim Schwimmen noch früher ein: „Wenn man da mit 13 Jahren im Leistungszentrum anfängt, gewinnt man keinen Blumentopf“, unterstreicht Hannig.

Im Optimalfall muss sich das Umfeld des Talentes nach der Sportart richten, und es gebe auch einige Eltern, die wegen ihrer Kinder beispielsweise nach Hannover in die Nähe eines Leistungsstützpunktes umziehen. Der Regelfall ist das aber nicht, und das sei auch nicht zu erwarten. Dass Stützpunkttrainer die Talente vor Ort trainieren, sei auch nicht möglich – „wenn jeweils ein Kind in Oldenburg und in Göttingen betreut wird, ist das für einen Trainer nicht zu machen“.

Früher Eintritt in eine
Leistungsförderung ist notwendig

Ein früher Eintritt in eine Leistungsförderung sei aber dringend notwendig. „Die Beweglichkeit und das Bewegungsgefühl müssen sehr früh trainiert werden“, verdeutlicht Hannig. „Andreas Aguilar hat damals mit zwölf bis 13 Jahren angefangen, aber das war auch ein Ausnahmetalent.“

Auch Pauline Schäfer ist ein Ausnahmetalent, und auch sie hat sich wie alle Turner ihren Erfolg mit großer Disziplin erarbeitet. „Wer gut sein will, muss relativ diszipliniert sein“, sagt Hannig. „Wahrscheinlich wird dann auch mal aufs Handy geguckt, aber der Nachwuchs ist schon konzentriert dabei.“ Das kann Bernward Schwarze für den Turnverein Mingerode nur bestätigen. Eine Nachwuchsturnerin, berichtet der TV-Vorsitzende, habe sich sogar einen Schwebebalken gekauft, mit dem sie privat im Garten übt. Wer weiß, vielleicht kommt ja die nächste Pauline Schäfer aus dem Eichsfeld?

Von Eduard Warda

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