Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Vereinsrecht verhindert positive Entwicklung

Vortrag von Martin Kind Vereinsrecht verhindert positive Entwicklung

Fußball-Profiteams sind Wirtschaftsunternehmen, lautet das Credo von Martin Kind. Vor mehreren hundert Studenten und Fußball-Interessierten referierte der Präsident von Hannover 96 und erfolgreiche Unternehmer auf Einladung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen im Rahmen der Vortragsreihe „Unternehmensführung und Praxis“.

Voriger Artikel
Heinemann/Stephan machen Double perfekt
Nächster Artikel
Drei machten den Anfang, heute sind es fast 70

„Fans sind nicht ungefährlich – sie sind häufig von Emotionen geprägt“: Martin Kind zur schwer berechenbaren Klientel.

Quelle: Kaletta

Martin Kind weiß, wie er sein Publikum packen kann. Mit seinem lockeren und allgemeinverständlichen Vortrag zum Thema „Hannover 96 – ein Wirtschaftsunternehmen“, angelehnt an die Entwicklung des Vereins seit dem Umbau 1996 und garniert mit Anekdoten und bissigen Seitenhieben auf Politik und deutsches Vereinswesen, fesselte der 65-jährige 96-Präsident und Geschäftsführer der Hannover 96 GmbH & KGaA trotz des eher spröden Themas eineinhalb Stunden lang die Zuhörer im vollbesetzten Hörsaal 08. Sprüche wie „Viele Vorstände engagieren sich nur deshalb in einem Verein, weil sie zu Hause nichts zu sagen haben“ oder „Fans sind nicht ungefährlich – sie sind häufig von Emotionen geprägt“ bescherten dem Chef des weltweit operierenden Mischkonzerns aus Großburgwedel jede Menge Lacher und damit gut gelaunte, aufmerksame Zuhörer.

Die wirtschaftliche und damit eng verzahnte sportliche Entwicklung von Hannover 96 von einem drittklassigen, mit zehn Millionen Euro überschuldeten und damit praktisch insolventen Provinzklub zu einem erfolgreichen Unternehmen in der 1. Bundesliga (seit nunmehr sieben Jahren) ist untrennbar mit dem Namen Martin Kind verbunden. „Ich habe das Kind im wörtlichen Sinne geschaukelt“, witzelte der Referent.

Aufschwung durch Umbau

Begonnen hatte der Aufwärtstrend 1996, als Kind, Nachfolger des glücklosen Utz Claassen als 96-Präsident, 80 Prozent der Vereinsmitglieder (Minimum sind 75 Prozent)  von der Notwendigkeit überzeugte, die traditionellen Vereinsstrukturen aufzugeben und den Profifußball in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (GmbH & Co. KGaA) auszugliedern. Ein Millionen-Zuschuss des Landes Niedersachsen sowie Einlagen der Gesellschafter und Sponsoren sorgten dafür, dass 96 finanziell wieder handlungsfähig wurde und sich eine leistungsstarke Mannschaft aufbauen konnte, die im Jahre 2002 in die 1. Bundesliga aufstieg. Der Ankauf des Niedersachsen-Stadions vom Land und dessen Umbau in die hochmoderne AWD-Arena im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 gaben 96 einen weiteren Kick.

Im zweiten Teil seines Vortrages stritt Kind vehement für sein augenblickliches Lieblingsprojekt: die Abschaffung der in Deutschland verbindlichen 50+1-Regelung. Sie besagt, dass der Verein in einer Aktien- oder Kapitalgesellschaft immer 50 Prozent plus eine Stimme halten muss, um Herr im eigenen Hause zu bleiben. Durch diese Regelung sollen Übernahmen von Klubs durch ausländische Investoren verhindert werden. De Facto aber, so Kind, verhindere diese Klausel des Vereinsrechts den Einstieg von Investoren. Da es ihnen nicht möglich sei, unternehmerische Entscheidungen durchzusetzen, winkten sie oft ab. Daher stehe die 50+1-Regel einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung des Vereins entgegen. Dem Risiko, dass sogenannte Heuschrecken den Klub übernehmen, könne durch vertragliche Vereinbarungen vorgebeugt werden, glaubt Kind.

Von Michael Geisendorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional
Alle Verein der 1. Bundesliga im Quotenvergleich von SmartBets.
16.08.2017 - 19:34 Uhr

Landesligist setzt sich in der dritten Pokalrunde mit 3:1 beim Bezirksligisten SSV Nörten durch

mehr
Burgturnier 2017: Highlights aus drei Tagen