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„Triathlon kann jeder“

Volkstriathlon in Göttingen „Triathlon kann jeder“

Trendsport Triathlon: Die Szene wächst gewaltig. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl auf mehr als 55 000 Athleten verdoppelt. Frank Reese ist einer von ihnen. Er kann als Musterbeispiel für den Quereinsteiger-Trendsport dienen. Am Sonntag startet er gemeinsam mit 900 Athleten beim zehnten Stadtwerke Volkstriathlon.

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Kampf um die beste Startposition: So wild wie hier beim Triathlon Ende Juli in Kanada geht es am Sonntag beim Göttinger Volkstriathlon nicht zu.

Quelle: AP/JOHN WOODS

Göttingen. Vor gut fünf Jahren entschied sich der Göttinger Ex-Fußballer dazu, etwas Neues auszuprobieren. Da seine Knochen nach einer langen Karriere in Diensten der SVG, des FC Grone und des FC Hann. Münden ein wenig mürbe gespielt waren, sollte es eine Sportart ohne Körperkontakt sein. Der Physiotherapeut war schnell begeistert, merkte sofort, wie sich sein Körper den intensiven Trainingsintervallen anpasste. Allerdings war der erste Wettkampf alles andere als ein Mutmacher.

„Mein erster Triathlon war eine Katastrophe“, gibt Reese unumwunden zu. Seinem ernsten Blick folgt aber sofort ein breites Grinsen. Mit reichlich Selbstironie berichtet der 48-Jährige von seinem Debüt im Harz. „Ich bin dahin gekommen und hab mich beim Schwimmen weit vorne in der Startzone hingestellt. Das war etwas überheblich, wie sich schnell herausstellte“, erzählt Reese. Im Gedränge ging schnell die Schwimmbrille verloren, er schluckte viel Wasser, weil die „viel schnelleren Schwimmer einfach über mich hinweg gewalzt sind“. Er dachte ans Aufgeben, doch sein Trainer und Kumpel Steffen Baumbach motivierte ihn weiterzumachen.

„Ich bin dann als Vorletzter aus dem Wasser gekrochen“, sagt Reese. Somit war auch seine Sorge, wie er unter den gut 250 Teilnehmern in der Wechselzone sein Rennrad finden soll, überflüssig. „Ich hatte an mein Rad extra eine Antenne mit Deutschlandfähnchen geklemmt, damit ich es unter den 250 Rädern sofort sehe. Als ich in die Wechselzone kam, standen dann ja nur noch zwei. Meins sah mit dem Fähnchen ziemlich doof aus“, scherzt Reese. Laufen und Radfahren liefen bei diesem Volkstriathlon dann besser, und Reese freute sich schließlich über eine Mittelfeld-Platzierung.

Doch das reichte Reese nicht. Er ist fleißig und ordnet der neu gewonnen Begeisterung für den Triathlon viel unter. Strenge Trainingspläne, rigide Ernährung und ein minutiöses Zeitmanagement prägen seinen neuen Lebensstil. „Ich hatte zuvor eine schwierige Phase im Leben. Die Arbeit hat mich aufgefressen. Durch den Triathlon habe ich mein Leben strukturiert bekommen“, erzählt der 48-Jährige.

Sechs Monate nach dem „Harz-Fiasko“ steht Reese in Roth am Start. Richtig gehört. Das Roth. Iron Man. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann einen Marathon (42,195 Kilometer) zum Abschluss. „Fast alle haben mich für verrückt erklärt, als ich gesagt habe, dass ich da starten will. Doch mein Trainer Steffen Baumbach hat weiter an mich geglaubt. Wir haben gemeinsam trainiert, und so bin ich gestartet“, erinnert sich Reese. Und er ist durchgekommen. Obwohl die Qualen allgegenwärtig waren: „Der Wunsch, den Strapazen einfach ein Ende zu setzen und sofort aufzuhören, ist schon brutal oft vorhanden. Ich glaube nicht, dass irgendein Triathlet auf der Welt diese Gefühle während eines Triathlons nicht hat. Ein Rennen ist ein Kampf zwischen dem Wunsch aufzuhören und dem eigenen Willen, das Rennen zu Ende zu bringen. Diese Gefühle scheinen dich zu zerreißen. Aber das alles ist nichts im Vergleich zu dem Glücksgefühl, wenn du nach all den Strapazen die Ziellinie überquerst. Dafür finde ich nicht die passenden Worte“, sagt Reese.

Eine Art Droge ist Triathlon nicht für ihn geworden, beteuert Reese. Obwohl seitdem zahlreiche Triathlons hinzugekommen sind. Drei Iron Man hat er absolviert. Die Starts verbinde er oft mit einem kleinen Kurz-Urlaub in der Region. Am vergangenen Wochenende startete er mit einer Oberschenkel-Zerrung stark gehandicapt beim Allgäu-Triathlon. Wie immer kam er ins Ziel. Jetzt wartet am Wochenende Göttingen. „Ich mag den Volkstriathlon hier sehr. Er ist enorm liebevoll organisiert. Alles ist super professionell. Göttingen hat eine kleine, aber sehr rührige Triathlon-Szene“, so Reese.

Für Kurzentschlossene halten die Organisatoren in Göttingen sogar noch ein paar Startplätze beim Schnuppertriathlon frei. Für Reese ist klar: „Triathlon kann jeder. Es ist ein unglaublich ehrlicher Sport. Du bekommst heraus, was du investierst. Es gibt keine Ausreden. Es geht nur um dich und darum, wie sehr du bereit bist, etwas zu ertragen und zu Ende zu bringen. Damit anfangen kann man jederzeit. Es liegt an jedem selbst.“

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