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Vom großen Glück, eine Schiedsrichterin zu sein

Michaela Siegmann liebt Fußball Vom großen Glück, eine Schiedsrichterin zu sein

Ihr Aufstieg als Fußball-Schiedsrichterin trägt kometenhafte Züge und ist für eine Frau im von Männern dominierten Job doch nicht außergewöhnlich: Die Göttingerin Michaela Siegmann hat vor drei Jahren die Schiedsrichterprüfung abgelegt, pfeift seit eineinhalb Jahren regelmäßig und steht bereits in der 2. Bundesliga der Frauen als Assistentin an der Linie. Zusammen mit 69 anderen talentierten Unparteiischen aus Norddeutschland hat sie jetzt an einer Fortbildung in der Türkei teilnehmen dürfen.

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„Relativ schnell relativ hoch“: Michaela Siegmann im Wohnzimmer des Elternhauses.

Quelle: Theodoro da Silva

Alles fing damit an, dass sie als Spielerin des damaligen Oberligisten SG Holtensen „aus Jux und Tollerei“ die Fußballregeln besser kennenlernen wollte. „Ziemlich viel Spaß“ machte ihr die Regelkunde damals, trotzdem habe sie nicht erwartet, „dass es mich mal so dahin zieht“. Andererseits habe sich bereits in der Schule bei ihr ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit bemerkbar gemacht: Ungerechtigkeiten wurmen sie einfach.

Nach der Prüfung im März 2007 spielte Siegmann noch ein weiteres Jahr in der Oberliga, wandte sich dann aber im Juli 2008 ganz der Schiedsrichterei zu. Zum einen werde es nicht gern gesehen, wenn Referees sich ständig als Spieler freistellen lassen, berichtet sie. Zum anderen „geht das auch gar nicht mehr anders“ in jenen Sphären, in die sie als Unparteiische mittlerweile vorgedrungen ist. „Man muss sich im Leben auch mal entscheiden“. Der Vorteil: „Seitdem bleiben die Knochen heil.“ Als Spielerin ist sie heute nur noch als Torfrau für die Reserve des FC Lindenberg-Adelebsen in der 2. Kreisklasse aktiv.

Mittlerweile darf Siegmann im Männerbereich Bezirksligaspiele leiten, Frauenspiele sogar bis zur Regionalliga. Als Assistentin sorgt sie bis zur 2. Bundesliga der Frauen und bei den Männern bis zur Oberliga für klare Verhältnisse auf dem Platz. „Der ein oder andere Spieler testet schon mal an, wie weit er bei einer Frau gehen kann“, berichtet die 20-Jährige, die stets sehr laut und bestimmt spricht – so, wie man es von Referees gewohnt ist. „Wichtig ist den Leuten von vornherein klar zu machen: Ihr tanzt mir heute nicht auf der Nase rum.“
Freunde bescheinigen ihr hin und wieder, sie sei verrückt, sich jedes Wochenende anpöbeln zu lassen. Doch lerne sie durch die Pfeiferei andere Menschen und Städte kennen, entgegnet sie dann. Zudem schätzt Siegmann die sozialen Kontakte innerhalb der Schiedsrichter-Kaste – und schließlich bringt ihr die Rolle der Unparteiischen etwas fürs Leben: „Man lernt, besser mit Menschen und Stresssituationen umzugehen“, etwa in ihrem Beruf als Landwirtschaftlich-technische Assistentin im Institut für Zuckerrübenforschung.

Bei der achttägigen Fortbildung im türkischen Belek, wo die Delegation nebenbei eine Behinderteneinrichtung mit einem Scheck in Höhe von 2000 Euro unterstützte, war sie unter 70 Schiedsrichtern eine von 20 Frauen. Was die Schiedsrichter-Karriere betreffe, sei man heute als Frau im Vorteil, unterstreicht Siegmann. „Es geht relativ schnell relativ weit hoch. Wo ich jetzt pfeife, pfeift ein Mann nach so kurzer Zeit nicht.“ Inhaltlich lag in der Türkei der Schwerpunkt auf der Medienarbeit – Interviews geben, sich richtig vor der Kamera verhalten. Doch auch körperlich wurde etwas getan: Jeden Morgen um 7.15 Uhr bat Bernd Brexendorf, bis zum vergangenen Jahr Mannschaftsarzt von Schalke 04, die Schiedsrichter zum Dauerlauf, und ein deutsch-türkischer Vergleich endete 2:2 in einer „bis auf das ein oder andere taktische Foul“ selbstverständlich sehr fair geführten Begegnung.

Mittlerweile hat auch Siegmanns 16-jährige Schwester Janina den Schiedsrichterschein gemacht, und wenn die beiden Fußballspiele im Fernsehen verfolgen, achten sie ganz besonders auf die Referees. „Man konzentriert sich schon auf die Schiedsrichtersache“, sagt Siegmann, „man lernt dadurch ja auch immer neue Sachen dazu“. Seitens des Instituts für Zuckerrübenforschung werde für ihr Hobby viel Verständnis aufgebracht, und bleibt das so, kann sich die 20-Jährige gut vorstellen, später einmal in der Bundesliga zu pfeifen. „Das würde ich mit Sicherheit machen“, sagt sie bestimmt. „So etwas würde Zeit brauchen, aber die würde ich investieren.“

Eduard Warda

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