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Vor Göttinger Boxnacht: Tageblatt-Volontär Rupert Fabig im Ring des ASC

Zwei Fäuste reichen für ein Halleluja Vor Göttinger Boxnacht: Tageblatt-Volontär Rupert Fabig im Ring des ASC

Es gibt Berichte, die kann ein Journalist nur schreiben, wenn er die Eindrücke am eigenen Körper gespürt hat. Rupert Fabig (fab) wird künftig keine noch so körperliche Anstrengung scheuen, um in einer Selbsterfahrungsserie zu berichten. Im Vorblick auf die 7. McClean-Boxnacht stieg er beim ASC 46 in den Ring.

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"Mir dröhnt noch immer der Kopf": Volontär Rupert Fabig muss einstecken.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Mir dröhnt noch immer der Kopf. Gut 15 Stunden sind vergangen, seit ich eine der einprägsamsten Erinnerungen meines bisherigen Daseins durchlebt habe: die Tracht Prügel meines Lebens. Ich bin froh, in der Redaktion zu sitzen. Als ich noch im Ring stand, glaubte ich zwischenzeitlich fest daran, diesen Artikel vom Krankenhaus aus schreiben zu müssen. Vor meinem geistigen Auge sah ich ein abgedrucktes Foto von mir, mit Laptop auf dem Schoß im Bett liegend, den Daumen in die Höhe reckend.

Dabei lief zunächst alles reibungslos ab. Das Aufwärmprogramm ließ sich absolvieren, ohne zu erschöpfen. Zudem habe ich von Trainer Gegham Hakobyan endlich gelernt, warum Boxer so viel Seilspringen: „Es schult Koordination, Gleichgewicht, Beinschnelligkeit, zudem Ausdauer und Körperspannung. Eine gute Übung.“ Anschließend gelingt es mir, den geschmeidigen Lersan Kurun beim Fußtippen einmal auf die Zehen zu treten. Dass er mich weitaus öfter trifft – geschenkt. Der 17-Jährige tritt schließlich bei der 7. McClean-Boxnacht an.

Und dann steht er das erste Mal vor mir: Konstantin Cernov. 15 Jahre, von schmächtiger, aufgeschossener Gestalt, Deutscher Meister. Unsere Aufgabe besteht darin, den Gegner an die Schulter zu tippen. Sofort ist zu spüren: Cernov ist richtig heiß darauf, es allen zu beweisen. Wehe, ich berühre auch nur einmal seine Schulter. Das gibt er doppelt und dreifach zurück. Einen Satz heiße Ohren, oder besser gesagt Schultern.

Später ist es endlich so weit. Ich bin bereit fürs Sparring. Während die Athleten emsig den Boxring aufbauen – beim ASC-Training wird keine Sekunde vergeudet – überreicht mir Abteilungsleiter Eduard Homtschenko Boxhandschuhe, und Hakobyan stülpt mir einen Kopfschutz über die Birne. Erster Gedanke: „Meine schöne Frisur.“ Zweiter: „Voll cool, sieht aus wie ein Gladiatorenhelm.“

„Du boxt gegen Konstantin“, befiehlt Hakobyan. Damit bin ich zufrieden. Stunden zuvor hatte ich zur Recherche mit Cernov telefoniert und erfahren, dass er lediglich 63 Kilogramm auf die Waage bringt – 13 weniger als meine passabel trainierten 76. Zudem ist er zehn Jahre jünger. „Verprügele ihn bloß nicht, der muss Samstag noch kämpfen“, denke ich mir in einem Anflug von Überheblichkeit. Es dauert keine fünf Sekunden, um mich jeglicher Illusionen zu berauben. Cernov marschiert auf mich zu und feuert eine Schlagtirade nach der anderen ab. Noch lache ich nach jedem Volltreffer auf die Nase, um ihm zu suggerieren, dass mir das gar nicht wehtun würde. Dann erwische ich ihn selbst einmal im Gesicht – und entschuldige mich sofort. Ich Idiot. Cernov grinst, und ich bin die restliche Runde nur damit beschäftigt, dass möglichst wenig Schläge durch meine Deckung kommen. Vergebens.

In der einminütigen Pause spüre ich erstmals Blutgeschmack im Mund. Aber es kommt noch dicker. Die zweite Runde wird zur Tortur. Treffer am Kopf erschüttern den ganzen Körper, bei einem auf die Nase tränen die Auge spontan, aber richtig mies sind Schläge in den Bauch. Da ich mich ständig auf der Flucht befinde, vergesse ich, den Körper anzuspannen. Dann passiert es ganz unvermittelt. Mitten in den Magen. Ich stöhne laut auf. Jetzt muss er doch mal nachlassen. Macht der Halbweltergewichtler aber nicht. Kurz kann ich einen Blick auf die Uhr erhaschen: noch 30 Sekunden. Ich schwitze wie in der Sauna. Der Gong. Es ist geschafft.

Denkste. „Eine Runde machst du noch, oder?“, fragt Hakobyan. „Na klar“, antworte ich. Wieder kennt Cernov kein Erbarmen. Angeblich boxt er nur mit halber Kraft. Zumindest ruft sein Trainer ständig: „Locker, locker.“ Ich ducke mich weg, ich drehe mich weg. Es gibt keinen Ausweg. Wieder trifft er mich im Magen. Langsam werde ich wütend. „Du verdammter Hund. Vor ein paar Monaten schreibe ich eine große Geschichte über dich, und das ist jetzt dein Dank“, schießt es mir durch den mittlerweile matschigen Kopf, ehe ich in die Offensive gehe und so schnell und hart wie möglich schlage. Keine gute Idee, denn Cernov braucht meinen trägen Schwingern nur auszuweichen und kontert eiskalt.

Das Schlimmste ist nicht der Schmerz, sondern die Gewissheit, dass es gleich wieder einschlägt. Immerhin gelingen mir ab und an leichte Treffer. Das erfüllt mich zumindest mit Genugtuung. Cernov kann darüber freilich wieder nur lachen. Ein akustisches Signal ertönt. „Überlebt“, denke ich mir erleichtert.

Wir umarmen uns, und ich kann Cernov nicht ansatzweise böse sein. Ein netter Kerl. „Vielen Dank“, sagt er. „Viel Spaß deinem Gegner“, denke ich. Das Gefühl nach dem erfolglosen Kampf ist mit dem Adjektiv ausgelaugt wohl am besten zu umschreiben. Man ist leer in Kopf und Körper. Hakobyan baut mich auf: „Siehst du, aus Ostdeutschland kommen noch richtige Männer“, sagt er seinem Schützling Wladimir Steinbach. Nun macht es mich mächtig stolz, die drei Runden durchgehalten zu haben.

Von Rupert Fabig

Eintrittskarten für die Boxnacht gibt es in der GT-Geschäftsstelle an der Jüdenstraße 13c.

Rupert Fabig (fab) stieg im Vorblick auf die 7. McClean-Boxnacht beim ASC 46 in den Ring. ©Hinzmann

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Freikarten für Boxnacht

Göttingen. Die McClean Boxnacht hat sich als sportliches Top-Event etabliert. Am Sonnabend heißt es ab 19.30 Uhr zum siebten Mal „Let‘s get ready to rumble“, wenn Göttingens beste Faustkämpfer gegen teilweise internationale Gegner in den Ring der Sparkassen-Arena steigen. Und Sie können kostenlos dabei sein. Alles was Sie benötigen, ist ein wenig Losglück, denn das Tageblatt verlost 3x2 Tickets für das Box-Spektakel.

Tageblatt-Leser, die Donnerstag, 17. September, zwischen 8 und 14 Uhr anrufen und ihren Namen, ihre Anschrift und ihre Telefonnummer hinterlassen, können je zwei Eintrittskarten gewinnen. Die Teilnahme ist unter Telefon 0137/8600273 möglich (0,50/Min. Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen).

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Bei mehr als drei Teilnehmern entscheidet das Los. Die Karten werden an der Abendkasse hinterlegt und können gegen Vorlage des Personalausweises am Sonnabend-Abend abgeholt werden.

bam

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