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Weck den (Turn-)Tiger in dir

Tageblatt-Serie "fab geht ab" Weck den (Turn-)Tiger in dir

Es gibt Berichte, die kann ein Journalist nur schreiben, wenn er die Eindrücke am eigenen Körper spürt. Rupert Fabig (fab) scheut keine noch so körperliche Anstrengung, um in einer Selbsterfahrungsserie zu berichten. Diesmal tanzt er als Turntiger mit den Tänzerinnen des Tuspo Weende. Und präsentiert sich gut vorbereitet für das Erlebnis Turnfest vom 23. bis 27. Juni in Göttingen.

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Fab als Turntiger in Aktion.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Als ich ganz klein war, gab es in Zoos noch Raubtierhäuser. Dort roch es nicht gerade dezent nach den Ausdünstungen von Löwe, Tiger und Co.. Unter der Maske des Turntigers riecht es passenderweise ziemlich ähnlich.

Also: Kopf ab - solange der Tanz noch nicht losgeht. Die kleinen Mädchen kichern, als ich im zweifellos knuffigen Kostüm vor ihnen stehe. Geschenkt. Viel interessanter scheint ein lebendiger Plüschtiger ohnehin für die anwesenden Eltern zu sein, die auch nach mehrfacher Bitte nicht das geringste Interesse zeigen, die Tür zum Tanzraum zu schließen, so dass weitere Schaulustige hineinströmen können.

Fremdschämen vermieden

Dann sind endlich alle bereit zum Loslegen. Was die Situation für mich nicht besser macht. Die Tanzschritte habe ich vorher freilich nicht geübt. Das Video zum „Turntiger“ mit Sänger Volker Rosien konnte ich mir maximal eine Minute geben, danach musste ich abschalten, um mich nicht zu sehr fremdzuschämen. Daher ahme ich einfach die Bewegungen der kleinen Maus vor mir nach - samt ihrer Fehler. Was neben mir geschieht, nehme ich nicht wahr, denn in einer Tigermaske ist das periphere Sehen in so ausgeprägt wie bei 90 Prozent der Autofahrer.

Die einprägsame Melodie, die bedauerlicherweise Ohrwurm-Charakter hat, ertönt. Jetzt muss ich Krallen zeigen. Nach 30 Sekunden ist der Spuk schon wieder vorüber. Tageblatt-Fotografin Christina Hinzmann bricht ihre Aufnahmen vor Lachen ab. Auch die Eltern können sich kaum halten. Ich bin verdutzt. Bevor mir klargemacht wird: Die Hose, die der Tiger im Gegensatz zu WM-Maskottchen Goleo trägt, ist runtergerutscht. Die wird nun besonders fest geschnürt.

Zweiter Versuch: Wer denkt, nun würde alles glatt gehen, glaubt auch, dass Hannover 96 kommende Saison noch 1. Bundesliga spielt. Es vergehen keine 20 Sekunden, bis mir die per labbrigem Klettverschluss festgemachten Füße wegfliegen. Und der verdammte Kopf rutscht auch andauernd vor und zurück.

In der nächsten Runde läuft es besser und ich lausche dem tiefgründigen Liedtext. „Wir sind die Turn-Tiger, sind geschmeidig, haben Kraft, wir sind niemals abgeschlafft“, textet der König der Kinderdisco. Bei der Vorstellung, jemand aus meinem Bekanntenkreis könnte mich unter dem Kostüm identifizieren, muss ich gehörig aufpassen, dass nichts abschlafft.

Körperteile beisammen halten

Beim Vers „Tanzen - ja, das liebe ich sehr“, kann ich Rosien durchaus zustimmen. Tanzen ist als Turnfest-Maskottchen, dass in erster Linie aufpassen muss, keine Körperteile zu verlieren, allerdings nicht so einfach. Schon gar nicht „über Tisch und Bänke“, wobei „gelenkige Gelenke“ von Vorteil seien. Zumindest habe ich die Choreografie langsam drauf. Die Aufnahme sitzt.

Ein letztes Mal noch, damit das Video perfekt wird. Es ist heiß, und ich beginne zu schwitzen. Der Geruch unter dem Kopf wird intensiver und unerträglicher. „Wann der wohl zuletzt gewaschen wurde?“, frage ich mich. Dabei liegt die Antwort so nahe: Mit Sicherheit hat der getigerte Pelz noch nie eine Waschmaschine von innen gesehen. Für mich geht es danach dagegen direkt unter die Dusche. Ein turnender Tiger zu sein, ist eine Erfahrung, die definitiv einmalig bleiben wird. Trotzdem freue ich mich schon darauf, beim Erlebnis Turnfest den echten Turntiger zu treffen.

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