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Weihnachten gibt‘s Fisch in Litauen

2. Damenbasketball-Bundesliga Weihnachten gibt‘s Fisch in Litauen

Inesa Visgaudaite hat sich kaum hingesetzt, da entschuldigt sie sich schon für ihr Englisch - das übrigens sehr gut ist. Seit acht Wochen steht die Litauerin bei den Zweitliga-Basketballerinnen der BG 74 Veilchen Ladies unter Vertrag.

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Treffsicher und durchsetzungsstark: Inesa Visgaudaite (hier gegen den Osnabrücker TB).

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Die 25-Jährige wurde nachverpflichtet, als gleich drei Spielerinnen nach dem Saisonstart verletzungs- und krankheitsbedingt ausgefallen sind.

Nicht nur in Göttingen war die 1,69 große Basketballerin eine Spätstarterin, auch in ihrem Sport hat sie sich erst mit 15 Jahren einer Mannschaft angeschlossen. „Ich habe Straßenbasketball gespielt, viel mit Jungs.“ Von denen hat sie viel abgeschaut. Ihre Eltern und ihre beiden älteren Schwestern hatten mit Sport wenig im Sinn, sodass sie sich schließlich selbst organisiert hat. In ihrer Heimatstadt Klaipeda an der Ostsee, mit gut 160 000 Einwohnern drittgrößte Stadt in Litauen, hat sie sich einen Verein gesucht. Willkommen war sie zunächst nicht wirklich, weil die Trainer nicht so recht wussten, in welche Mannschaft sie die 15-Jährige stecken sollten. So trainierte sie mit jüngeren Spielerinnen, wobei ihr Talent aber schnell erkannt wurde. „Und dann hat sich mein Leben komplett geändert“, erzählt Visgaudaite. Sie spielte für alle Nachwuchs-Nationalteams und schaffte auch den Sprung in das Frauenteam Litauens, für das sie bei den Europameisterschaften in Frankreich (2013) und Ungarn/Rumänien (2015) auflief.

Seitdem sie die Schule beendet hat, konzentriert sie sich voll auf Basketball. Bis 2012 war sie für ihren Heimatverein Fortuna Klaipeda in der 1. Liga aktiv, dann wechselte sie für eine Saison nach Frankreich zu Toulouse MB. „Die erste Auslandsstation ist immer besonders. Ich habe dort sehr gute Erfahrungen gemacht, das war eine starke Liga.“ Sie war gezwungen schnell die französische Sprache zu lernen: „Zwei Monate hat der Coach mit mir Englisch gesprochen, dann nur noch Französisch. Ich verstehe viel, Sprechen fällt mir schwerer“, gibt Visgaudaite zu.

Anschließend folgte der Wechsel ins belgische Waregem. „Da war die Halle voll, die Zuschauer saßen aber so ruhig wie im Theater und haben nur leise geklatscht“, erinnert sie sich. Die Geräuschkulisse gefällt ihr in der FKG-Halle schon besser: „Wir hören die Fans. Beim Sieg gegen Neuss haben sie uns besonders geholfen. Ich finde es nicht selbstverständlich, dass in Städten, in denen auch Männerteams sehr hoch spielen, die Frauenspiele so gut besucht sind.“

Waregem musste die Litauerin nach drei Monaten mit einem Kreuzbandriss verlassen, in ihrer Heimatstadt machte sie sich wieder fit, um die Saison 2014/15 dann im polnischen Konin zu Ende zu spielen. Darauf folgte eine Spielzeit in Visby (Schweden), ehe der Wechsel nach Göttingen kam. „Das ist für mich das erste Mal zweite Liga. Das Niveau ist gut.“

Von ihrer neuen Mannschaft fühlt sie sich gut aufgenommen. „Alle helfen.“ Zurzeit wohnt die Basketballerin im Hotel, ihre Wäsche kann sie bei Teamkameradinnen waschen. „Ich bin es gewohnt, allein zu leben. Das Kochen fehlt mir aber.“ Göttingen gefällt der 25-Jährigen, habe genau die richtige Größe, sie fühle sich sicher hier.

Bei den Bundesliga-Basketballern der BG hat sie es noch nicht geschafft vorbeizuschauen. „Wenn sie freitags spielen, trainieren wir. Und auch sonst haben wir meistens parallel gespielt.“ Ihren Landsmann in Diensten der BG, Benas Veikalas, hat sie aber schon getroffen - zufällig beim Frühstück im Hotel. „Ich kannte seinen Namen vorher, habe ihn aber nie persönlich gesehen.“ Es sei schön, mal in der Muttersprache zu sprechen.

Das wird sie ausgiebig auch über Weihnachten in Klaipeda machen. Dort trifft sie ihre Eltern und Schwestern, von denen eine in Norwegen lebt. Fleischlos werde es in diesem Jahr. In Litauen ist es Brauch, dass elf verschiedene Dinge auf den Tisch kommen. Die Familie hat sich auf Fisch geeinigt. Geschenke gibt es auch, sie sind Visgaudaite aber nicht so wichtig. „Je älter ich werde, desto weniger interessieren sie mich. Ich freue mich auf meine Schwestern, sie sind meine besten Freundinnen.“

Und dann freut sie sich darauf, auch 2017 für die Veilchen Ladies zu spielen. Ihr bis Ende 2016 befristeter Vertrag wurde bis Saisonende verlängert. Auch für die Zeit nach dem Sport hat Visgaudaite Ideen. Ihre heimliche Leidenschaft ist das Zeichnen. Ob sie das einmal zum Beruf machen wird, weiß sie nicht. Sie könnte sich auch vorstellen, als Coach zu arbeiten: „Aber nicht im Basketball, eher für Ernährung und Gesundheit.“

Zwei Spiele gegen Berlin zum Start ins Jahr 2017

Nachholspiel: Eine Woche früher als der Rest der Liga starten die BG 74 Veilchen Ladies ins Pflichtspieljahr 2017. Für sie steht am Sonnabend, 7. Januar, erst einmal noch ein Nachholspiel an. Dann reist die Mannschaft von Trainer Giannis Koukos zum TUSLI Berlin, der als Tabellenneunter in der Rückrunde weit unter seinen Möglichkeiten gespielt hat. In der Bundeshauptstadt wartet ein Favoritenschreck, die Berlinerinnen gewannen zuletzt sowohl gegen Tabellenführer TG Neuss Tigers als auch gegen Wolfenbüttel. Gegen TUSLI spielen die Göttingerinnen dann gleich zwei Wochenenden in Folge: Am Sonntag, 15. Januar, folgt um 16 Uhr in der FKG-Halle das Rückspiel gegen die Berlinerinnen.

Statistik: Katerina Flasarova (185), Verdine Warner (178) und Alissa Pierce (167) gehören zu den treffsichersten Spielerinnen der BG bisher. Sie sind gleichzeitig auch die im Rebound stärksten Veilchen Ladies. Allen voran Verdine Warner, deren 161 Rebounds in der Liga unerreicht sind. Sie führt diese Statistik mit großem Vorsprung (+28) an.

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