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Wessel Lücke nicht mehr Vorsitzender der BG 74

„Ich habe noch genug zu tun“ Wessel Lücke nicht mehr Vorsitzender der BG 74

40 Jahre lang, seit der Vereinsgründung 1974, hat Wessel Lücke die BG 74 als Vorsitzender geführt. Unter seiner Ägide entwickelte sich der Klub zum Aushängeschild des Göttinger Basketballs in Deutschland und Europa – mit Herren- und Damenteam in der 1. Bundesliga und vorbildlicher Nachwuchsförderung. Bei der Vollversammlung am Dienstagabend hat sich der 76-Jährige nicht mehr zur Wahl gestellt und auch die Organisationsleitung des BG-Miniturniers abgegeben.

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Auf dem Veilchen-Thron: Wessel Lücke bei der Siegerehrung des BG-Miniturnier 2014.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Zum neuen Vorsitzenden des Sechs-Sparten-Vereins wählten die Mitglieder Michael Arciuch. Den Vorstand der BG 74 komplettieren Wolfram Eisener, Hans-Jürgen Schmidt, Julian Eisener und Volker Heinemann. Lücke wurde einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt.

So lange wie Wessel Lücke hat noch kein Göttinger Vereinschef durchgehalten. Zwar ist ihm Günter Berg, seit 1975 Vorsitzender der Tuspo 61, dicht auf den Fersen. Doch darüber hat sich Lücke bei seiner Entscheidung aufzuhören keine Gedanken gemacht. „Ich muss mich endlich lösen“, begründete der 76-Jährige den radikalen Schnitt, bei den Veilchen kein Amt mehr wahrzunehmen und gleichzeitig die Organisation des Miniturniers, das er in 35 Jahren von kleinen Anfängen zur größten Veranstaltung des jüngsten Basketball-Nachwuchses in Europa entwickelt hat, an Manfred Ude abzugeben.

Der 63-Jährige, seit 25 Jahren einer der eifrigsten Helfer beim Turnier, „ist der erste Spieler, den ich trainiert habe – das war genau vor 50 Jahren“, erinnert sich Lücke.

Schon zweimal, 2004 und 2009, hatte er seinen Rückzug vom Miniturnier angekündigt, um dann doch weiter zu machen. Diesmal aber sei der Entschluss endgültig, versichert Lücke. Künftig wolle er sich mehr seiner Familie widmen. Sein Engagement für den Sport sei oft auf Kosten seiner Frau und der beiden Söhne gegangen, hatte Lücke selbstkritisch angemerkt, nachdem ihm Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer 2008 im Auftrag des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz für sein „Engagement für den Göttinger Basketball“ verliehen hatte.

Bereits vier Jahre zuvor hatte ihm der damalige DBB-Präsident Roland Geggus für seine Verdienste die silberne Ehrennadel des Deutschen Basketball-Bundes überreicht.

„Werde auch weiter als Jugendtrainer arbeiten“

„Dass ich kürzer trete, heißt aber nicht, dass ich gar nichts mehr für den Basketball tue“, stellt Lücke klar. „Ich bleibe Bezirksspielleiter – das bin ich seit 40 Jahren – und Bezirksjugendwart sowie Minireferent des Landesverbandes. Und solange mich Kinder und Eltern akzeptieren, werde ich auch weiter als Jugendtrainer arbeiten“, unterstreicht er.

Im Juni hatten die von ihm zuvor betreuten U-12-Jungen das Miniturnier gewonnen, jetzt baut er ein U-10-Team auf. „Außerdem will ich mit Hans-Werner Schmidt ein U-8-Team trainieren und mit Dirk Weitemeyer eine DVD über die Erfolge des Basketballs in Göttingen erstellen. Ich habe also noch zu tun.“

Vom Basketball infiziert wurde Lücke, der 1944 als siebenjähriger Kriegsflüchtling aus Breslau mit seinen Eltern nach Göttingen gekommen war, Mitte der 50er-Jahre am Felix-Klein-Gymnasium. Über die Tuspo 61 kam er zur TG 46, wo er mit der späteren Jazzlegende Gunter Hampel zusammenspielte und in mehreren Serien Topscorer des Oberliga-Teams war, damals die höchste deutsche Spielklasse.

Bei der TG 46, deren Basketball-Abteilung Lücke mehrere Jahre leitete und die 1974 mit den Basketballern der Tuspo 61 zur BG 74 fusionierte, begeisterte ihn Klaus „Pöttchen“ Rümenapp für das Training mit Jugendlichen.

Schönster Moment Titel für die B-Jugend 1975

Bezeichnend dafür, welchen Stellenwert für ihn die Nachwuchsförderung hat, ist, dass er als seinen schönsten Moment bei der BG 74 nicht den Aufstieg der Herren in die 1. Bundesliga bezeichnet, von dem er immer geträumt und für den er gemeinsam mit Sieghard Drescher und anderen stets gekämpft hatte.

Auch nicht den ersten Aufstieg der von ihm gecoachten BG-Herren in die 2. Bundesliga 1976. Vielmehr sei es der Gewinn der Deutschen Meisterschaft durch die B-Jugend der Veilchen 1975 mit Dirk Weitemeyer und Sebastian Brunnert als Spieler und Lücke als Trainer. Unermüdliches Engagement für die Jugend prägte auch seine berufliche Laufbahn.

„Ich war immer mit Leib und Seele Jugendrichter“, erzählt Lücke, der nach dem Jura-Examen am Göttinger Amtsgericht Recht sprach, bis er 1992 nach Halle wechselte und von dort nach Sangershausen, wo er bis zur Pensionierung im Jahr 2001 Leiter des Amtsgerichts war.

Ein bisschen wehmütig sei er angesichts der Entwicklung der BG 74. „Unser erstes Herrenteam spielt nur noch Oberliga, und die Damen kapseln sich ebenso ab wie die Footballer, Baseballer und die anderen Abteilungen. Mir scheint, dass es nur noch wenig Interesse am Gesamtverein gibt“, beklagt Lücke. Zudem sei er überzeugt, dass die Konzentration der besten Jugendspieler ab der U 16 in Bundesligen die Vereine kaputt mache.

„Basketball in Deutschland lebt durch Menschen wie Wessel Lücke“

Ingo Weiss

Ingo Weiss

Ingo Weiss

Quelle:

(Präsident des Deutschen Basketball-Bundes): „Wessel Lücke gehört zu den immens wichtigen Vertretern unserer Sportart, die man als echte Macher bezeichnen darf. Und das ohne große Worte an zahllosen Stellen und in zahllosen Positionen und Funktionen.

Seine Person wird untrennbar verbunden bleiben mit dem Mini-Turnier der BG 74 Göttingen, das er ins Leben gerufen hat und das auch der Deutsche Basketball Bund gemeinsam mit der Beko BBL unterstützt. Zigtausende ganz junger Korbjäger, darunter viele spätere Bundesliga- oder sogar Nationalspieler, sind in Göttingen mit dem Basketballvirus infiziert worden. Der Basketball in Deutschland lebt durch Menschen wie Wessel Lücke, die sich bescheiden und zurückhaltend, aber mit enormer Kompetenz und Erfahrung auf vielen Ebenen für unseren tollen Sport einsetzen. Ich hoffe sehr, dass er dem Basketball auch weiterhin eng verbunden bleibt und sage: Danke, Wessel Lücke.“

Wolfgang Meyer

Wolfgang Meyer

Wolfgang Meyer

Quelle:

(Göttinger Ex-Oberbürgermeister): „Basketball in Göttingen ist ohne Wessel Lücke eigentlich nicht vorstellbar. Wer einmal das Miniturnier miterlebt hat, weiß, was Wessel Lücke für den Basketball-Standard Göttingen getan hat. Herzlichen Dank dafür.“

John Patrick

John Patrick

John Patrick

Quelle:

(Bundesliga-Trainer MHP Riesen Ludwigsburg und Headcoach BG 74 von 2003 bis 2011): „Wessel hat tausende Stunden seines Lebens in Organisation, Coaching, Refereeing und Förderung des Basketballs in Göttingen und darüber hinaus investiert. Seine Leidenschaft für Jugendbasketball ist unerreicht. Einfach ausgedrückt: Er ist eine Institution. Mein erstes Team in Göttingen 2003 bestand aus deutschen Spielern, deren erster Trainer Wessel war.

Meine eigenen Kinder haben zuerst bei Wessel trainiert. Göttingens bedeutende Position auf der Basketball-Karte  hat direkt oder indirekt mit ihm zu tun. Sein Beitrag ist zu bedeutend, um ihn auf einer Seite oder in einem Buch zu würdigen. Ohne Wessel würde es hier erstklassigen Profibasketball oder die europaweite Bekanntheit des Miniturniers nicht geben. Ich hoffe, dass wir in Göttingen die von Wessel entzündete Fackel weiter brennen lassen können, uns stets an seine Leidenschaft und Verbundenheit mit dem Basketball erinnern.“

Henning Harnisch

Henning Harnisch

Henning Harnisch

Quelle:

(Vizepräsident Alba Berlin, Europameister 1993 und neunmaliger Deutscher Meister): „Ich habe Riesenrespekt, was Wessel Lücke für den deutschen Basketball, vor allem für die Jugendarbeit, geleistet hat. Für die Nachwuchsförderung hat das Göttinger Miniturnier, das künftig Wessel-Lücke-Turnier heißen sollte, den gleichen Stellenwert wie die Jugendlager des DBB.

Wessel ist der lebende Beweis dafür, wie wichtig und unverzichtbar ehrenamtliche Arbeit für den Sport ist. Er besitzt die Fähigkeiten und die Energie, seine Ideen und Pläne umzusetzen und gemeinsam mit anderen zu verwirklichen.“

Ulli Frank

Ulli Frank

Ulli Frank

Quelle:

(Göttinger Basketball-Legende, Ex-Bundesliga und Nationalspieler): „Wessel Lücke geht, eine Lücke entsteht. Unter diesem Motto kann man es einfach beschreiben. Wessel steht für das erfolgreiche Miniturnier und als Mitbegründer der BG 74 neben Sieghard Drescher als treibende Kraft für Basketball in Göttingen.

Für die Zukunft wünsche ich seiner Frau und ihm alles Gute und bei der Staffelübergabe des Vereins eine glückliche Hand. Und mal ganz ehrlich: So richtig weg wird er ja auch nicht sein.“

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