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Athleten-Pärchen bisher einfach goldig

Weitsprung Athleten-Pärchen bisher einfach goldig

Dem wohl schönsten Paar der Paralympics ist die Doppel-Medaille vorerst verwehrt geblieben. Die beidseitig oberschenkelamputierte Vanesse Low, Weltmeisterin 2009, hatte im Finale der Klassen F42/44 keine Chance, es ihrem Freund Gold-Weitspringer Markus Rehm gleichzutun.

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In London gehen sie getrennte Wege – um den Teamgeist nicht zu stören: Markus Rehm und Vanessa Low.

Quelle: dpa

London. Das lag nur bedingt daran, dass die gebürtige Ratzeburgerin ihre eigene Bestweite um fast 30 Zentimeter hat.

„Selbst wenn ich heute Weltrekord gesprungen wäre, hätte ich nicht gewinnen können“, sagte die 22-Jährige enttäuscht. Low belegte mit 3,93 Metern Platz sechs, die am linken Unterschenkel amputierte Katrin Green wurde mit Saisonbestleistung von 4,85 Metern Fünfte.  Im Klassement war Low eine von nur zwei Starterinnen, die doppelt oberschenkelamputiert sind.

Gewonnen hat die einseitig oberschenkelamputierte Australierin Kelly Cartwright mit der neuen Weltrekordmarke von 4,38 Meter (1030 Punkte). Die einseitig unterschenkelamputierten Britin Stef Reid sprang zwar fast einen Meter weiter, ihre 5,28 Meter (1023 Punkte) reichten trotz neuem Paralympischen Rekord nur zur Rang zwei.

„Markus hat versucht, mir ein wenig die Nervosität zu nehmen und mich auf die Atmosphäre vorzubereiten. Vor dem Wettkampf hat er mir auch noch eine SMS geschrieben“, sagt die blonde Spitzensportlerin, und für einen Moment ziert ein Lächeln Lows Gesicht. Auf ihren beiden Prothesen prangt der Union Jack, die Vorfreude auf London war groß. In diesem Moment in der Mixed-Zone, einem Areal in den Katakomben des Olympiastadions, wo Athleten und Journalisten sich begegnen können, überwiegt jedoch sichtlich die Enttäuschung.

Es ist zum einen der Ärger darüber, die eigene Leistung nicht auf dem Punkt abgerufen zu haben. Zum anderen aber auch der Frust, in der zusammengelegten Klasse ohne reelle Goldchance starten zu müssen. „Das Punktesystem ist geändert worden, das ist für mich ein Nachteil. Bestenfalls hätte es zu Bronze gereicht.“ Die erzielte Weite der Athleten wird je nach Grad der Behinderung in ein Punktesystem umgerechnet.

Rehm hatte sich das Springen seiner Freundin im Fernseher angeschaut. In London geht das Paar oft getrennte Wege, um „die Teamharmonie nicht zu stören“. Sie teilen sich kein Zimmer im Sportler-Dorf, sondern haben getrennte Apartments. „Wir haben uns selten gesehen. Ich bin wenig draußen gewesen, um meine Beine zu schonen“, erzählt Low, die bei einem nicht aufgeklärten Bahnunfall im Jahr 2006 als 15-Jährige beide Beine verloren hat.

Seit 2009 lebt und trainiert die beim Fernsehsender RTL angestellte angehende Mediengestalterin bei Bayer Leverkusen. „In Ratzeburg und Umgebung habe ich nicht die Bedingungen vorgefunden, um auf diesem hohen Niveau zu trainieren. Im Winter musste ich bei Minusgraden draußen auf der Bahn stehen, das bringt aber nichts. Die Bedingungen in Leverkusen sind perfekt“, sagt die von Ex-Speerwurf-Star Steffi Nerius trainierte Low.

Dennoch müsse der Sport bisweilen immer noch zurückstecken. „Der Beruf geht vor, Sport ist noch eher ein Hobby“, betont Low. Ein intensives Hobby, denn sechs bis sieben Trainingstage stehen pro Woche an, und das trotz regelmäßigen Acht-Stunden-Schichten bei RTL.

Ihrem Freund Markus Rehm geht es ähnlich, doch das soll sich nun nach dem Paralympics-Gold ändern: Noch arbeitet der 24-Jährige halbtags. Der Orthopädie-Techniker, der als Jugendlicher beim Wakeboarden in die Schraube eines Bootes kam und einen Unterschenkel verlor, baut sich seine Prothesen selbst. „Ich liebe meinen Job. Ich hoffe aber auch, dass ich mich noch mehr auf meinen Sport konzentrieren kann“, sagt Rehm.

Das gemeinsame Einkommen der beiden deutschen Spitzen-Athleten reichten gerade aus, um „über die Runden zu kommen“, so Rehm. Jetzt hofft er, dass ihm seine Goldmedaille und der Weltrekord dabei helfen, persönliche Sponsoren zu finden. „Ich habe schon den Traum, für ein eigenen Haus anzusparen.“

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