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Deutsche Athleten holen 18-mal Gold

Paralympics in London Deutsche Athleten holen 18-mal Gold

Die 14. Paralympischen Spiele, ausgetragen in London, sind vorbei. Was bleibt, ist die Erinnerung an beeindruckende sportliche Leistungen, eine neue Dimension der Begeisterung für den Behindertensport und ein Gastgeberland, das perfekte äußere Bedingungen bot. Für das Tageblatt begleiteten Manuel Becker und Mark Bambey das Geschehen in London.

London. Die Briten haben geschafft, was nur die Wenigsten für möglich gehalten haben. Nach den unerreichbar scheinenden Paralympics 2008 in Peking hat London 2012 neue Bestmarken gesetzt – in puncto Leistungen, Zuschauer- und Medieninteresse. 2,5 Millionen Menschen strömten in die Stadien und sorgten für beeindruckende Stimmung. Auch in Peking waren die Arenen voll, doch im Mutterland des Behindertensport hielt nun auch die Begeisterung Einzug. Vor allem im immer ausverkauften Olympiastadion und im Velodrom. Vier Milliarden Menschen verfolgten die Spiele am Fernseher – ebenfalls ein neuer Rekord. Auch wenn die Spiele nicht an die Perfektion von Peking 2008 mit den mehrere Milliarden Euro verschlingenden High-Tech-Prunkbauten gereicht haben, die Briten glichen die Defizite mit ihrer herzlichen und hilfsbereiten Art sowie dem Blick für das Zwischenmenschliche mehr als aus.

China hat sich als beste Nation etabliert, und sein überragendes Ergebnis von den Spielen im eigenen Land noch einmal verbessert. 231 Medaillen holte die Volksrepublik, darunter 95-mal Gold. Die folgenden Nationen Russland, Großbritannien und Ukraine kommen zusammen auf 102 oberste Podestplätze. Deutschland hat sich stark verbessert präsentiert. Nach Platz elf in Peking rangiert das Team nun mit 66 Medaillen (18-mal Gold) auf Rang acht. Die Athleten zeigten dabei, dass sie ihre Leistung noch einmal gesteigert haben. Die Zuschauer erlebten Spitzensport, was die Flut an Weltrekorden beweist.

Spiele sind finanziell lukratives Unterfangen geworden

Spätestens seit London 2012 ist klar, dass aus der 1948 beginnenden Bewegung im Kampf um den Respekt des Menschen vor dem Menschen ein finanziell lukratives Unterfangen geworden ist. Mit Sainsbury stand erstmals ein Hauptsponsor ausschließlich für die Paralympics zur Verfügung. Die britische Supermarkt-Kette soll sich dieses exklusive Werberecht für etwa 26 Millionen Euro gesichert haben. Sprint-Superstar Oscar Pistorius ist längst ein Markenträger geworden. Sponsorenverträge, unter anderem mit Nike und der British Telecom, garantieren ihm nach den Paralympics etwa eineinhalb Million Euro im Jahr.  Das Medieninteresse in London war gewaltig. Mehr als 6000 Journalisten haben über die 4200 Athleten aus 165 Nationen berichtet. In Deutschland haben ARD und ZDF ihre Live-Berichterstattung zum Vergleich mit Peking fast verdoppelt.

18 Mal haben deutsche Athleten paralmpisches Gold bei den Spielen 2012 in London geholt.

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Die Spiele haben sich verändert. Und mit dem Aufkommen der großen Sponsoren muss die paralympische Bewegung auch deren marktwirtschaftliche Interessen akzeptieren. Stand zu Beginn das Bemühen, Rollstuhlfahrern durch bewegte Rehabilitation zu helfen, ihren Platz in der Gesellschaft, in der Arbeit und in der Freizeit wieder zu finden, so waren in London die „Supermenschen“, wie auf zahlreichen Plakaten zu lesen war, am Start. Angesichts der noch nicht immer garantierten Barrierefreiheit des Londoner U-Bahn-Systems ein recht unpassender Slogan. Bekommen doch die herausragenden Athleten, von denen die meisten über enorme Sozialkompetenz verfügen, die Grenzen ihrer Bewegungsfreiheit in einer europäischen Metropole vorgeführt. Wie wird es da erst den Athleten gehen, die nach den Spielen in schlecht versorgte dritte Welt- oder Schwellenländer zurückkehren?

Techno-Doping-Debatte

Nicht wenige befürchten, dass die Paralympics ihre Besonderheit verlieren, wenn sie ausschließlich als Leistungs-Schau ausgerichtet werden. Dass ausgerechnet Superstar Oscar Pistorius mit seinen Vorwürfen gegen den brasilianischen 200-Meter-Goldmedaillen-Gewinner Alan Oliviera eine Techno-Doping-Debatte lostrat, hat eine neue Qualität. Erstmals wurde Techno-Doping von innen vorgeworfen.

Natürlich wird bei den Paralympics das Handicap zur Schau gestellt. Was früher als „Freak-Show“ verhöhnt wurde, ist heute das Auftreten selbstbewusster Sportler, die mit ihrer Leistung begeistern und Vorbilder sind. Und das unabhängig davon, ob sie eine Medaille gewonnen haben oder nicht. Sie zeigen, dass es nichts zu verstecken gibt, und machen sich so stark für einen gleichberechtigten Umgang und ein selbstverständliches Begegnen im Alltag. In London bewegten sich die Athleten in einer Umgebung, wo die Menschen hilfsbereit, interessiert, aufmerksam und offen waren. Dies ist noch längst nicht alltäglich.

Erst recht in Brasilien nicht, dem Gastgeber der Paralympics 2016. Fast 30 Millionen behinderte Menschen leben überwiegend in Armut und oft gesellschaftlich ausgegrenzt. Durch die Paralympics werden ihre Anliegen in den Fokus rücken. Die Entwicklung der Paralympics wird sich fortsetzen. Sportlich und wirtschaftlich, denn die Welt schaut interessiert zu.

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Paralympics? Das Wort gab es 1948 noch nicht. Ebenso wenig tausende Sportler aus aller Welt, die wie in London in 20 Sportarten und 503 Disziplinen an elf Tagen um die Medaillen kämpfen, vor einem Millionenpublikum an den Wettkampfstätten und TV-Bildschirmen.

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