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Die Rollstuhldoktoren

Paralympics: Reparaturwerkstatt Die Rollstuhldoktoren

Gebrochene Rollstuhlachse oder Riss im Prothesenschaft: Schon vor dem ersten Wettkampf herrscht in der Reparaturwerkstatt im paralympischen Dorf Hochbetrieb. Doch hier prallen Welten aufeinander: Uralte Orthesen und modernste Rollstuhl-Technik.

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200 Aufträge pro Tag: Orthopädietechniker in Dauereinsatz.

Quelle: dpa

London. Stimmengewirr im Wartezimmer: Portugiesisch, Italienisch, Deutsch, Japanisch. Eine Tür geht auf. Harry Zenner ruft den Namen des nächsten „Patienten“ auf. Doch Zenner hat keinen weißen Kittel an. Er ist auch kein Arzt, sondern der technische Leiter der Werkstatt im paralympischen Dorf. Jetzt ist Natalia da Costa an der Reihe. Die 18-Jährige gehört zum brasilianischen Rollstuhltennis-Team. Doch seit dem Vormittag funktionieren ihre Bremsen nicht mehr und außerdem eiert einer der Reifen. Für die Techniker in der Werkstatt ist das eine kurze Behandlung.

78 Orthopädie-Techniker der Firma Ottobock

In der Werkstatt schrauben und fräsen, hämmern und feilen insgesamt 78 Orthopädie-Techniker der Firma Ottobock aus Duderstadt. Das Unternehmen ist schon seit 1988 bei den Paralympischen Spielen dabei und hat sich als Sponsor dazu verpflichtet, den Athleten einen kostenlosen Reparatur-Service anzubieten. Den gibt es nicht nur in der Hauptwerkstatt, sondern auch in neun mobilen Werkstätten während der Wettkämpfe; denn einen mannschaftseigenen Techniker kann sich längst nicht jedes Team leisten. Andere Firmen dürfen den Prothesenträgern und Rollstuhlfahrern ihre Dienste während der Spiele nur außerhalb des paralympischen Geländes anbieten.

200 Aufträge pro Tag

Etwa 200 Aufträge haben die Techniker im Athletendorf pro Tag. Die häufigsten Probleme sind aufgeplatzte Sitzpolster, gebrochene Rollstuhlachsen und Risse im Prothesenschaft. An einer Werkbank steht Walter Grubenmann, ihm fehlt das linke Bein. Als Prothesenträger kann er die Bedürfnisse der Athleten besonders gut verstehen. An dem Schlüsselband um seinen Hals prangen zahlreiche Pins mit den Flaggen der Athleten, deren Prothesen oder Rollstühle Grubenmann wieder fit gemacht hat. Am Tisch nebenan arbeiten Tigran Garibyan aus Moskau und Karim Diab aus Duderstadt an einer sehr alt aussehenden Orthese. Sie gehört einem afrikanischen Sportler aus Benin. Lederbänder halten die vielen Metallteile zusammen. „So etwas ist keine Seltenheit“, sagt Diab, „die Orthese ist bestimmt 15 Jahre alt.“ Als die beiden Orthopädietechniker nach einer Stunde Hämmern und Schweißen immer noch nicht fertig sind, sagt Diab lachend: „Bei manchen Schätzen ist das wie bei einer Kinderüberraschung: Man weiß nie, was drin ist.“

Viele Überraschungen

Überraschungen erleben die Techniker viele in der Reparaturwerkstatt. „Man sieht an der Ausrüstung schon krasse Unterschiede zwischen wohlhabenden Ländern und Schwellenländern“, sagt Karsten Ley, Unternehmenssprecher von Otto Bock. Er berichtet von kuriosen Dingen wie einer Prothese für einen linken Fuß an einem rechten Bein oder einem notdürftig mit Tacker-Klammern reparierten Prothesenschaft.

Vor wenigen Tagen sei eine ägyptische Gewichtheberin mit einem ziemlich kaputten Rollstuhl in die Werkstatt gekommen: „Der war nur aus Altmetall zusammengebastelt. Wir haben daran herumgeschraubt, aber es wurde immer schlimmer. In solchen Fällen muss einfach ein neuer her“, sagt Ley. Als die Athletin begriff, dass sie den neuen Rollstuhl auch nach den Wettkämpfen behalten darf, rannen ihr Glückstränen über die Wangen. „Das wird sie hoffentlich noch mehr motivieren. Vielleicht kommt sie ja nächste Woche mit einer Medaille um den Hals wieder.“ Für Ley und die Techniker, wäre das das schönste Geschenk.

Von Hendrik Maaßen und Miriam Steimer

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