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Zwischen Temperament und Trauer

Kommentar zum Ende der Paralympics Zwischen Temperament und Trauer

Die Brasilianer haben geschafft, was ihnen kaum einer zugetraut hatte. Trotz Negativschlagzeilen über Finanznot, Desinteresse, Zika-Hysterie oder den Ausschluss Russlands wegen Staatsdopings schafften es die Südamerikaner mit ihrem Temperament, die Spiele schnell zu einem Fest der Freude zu machen.

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Zuschauer, die am Rio-Logo für ein Foto posieren (Symbolbild)

Quelle: dpa

Rio. Am Sonnabend hüllte jedoch Trauer das bunte Familienfest ein, als es im Straßenrennen einen Toten gab. Der Iraner Bahman Golbarnezhad stürzte und verstarb wenig später im Krankenhaus. Der Schock saß tief und verwandelte sich bisweilen in Wut, weil es bereits bei Olympia auf der Radrennstrecke Schwerstverletzte gegeben hatte.

Zeigten sich die Einwohner Rios von den Olympischen Spielen noch wenig begeistert, so schlossen die Cariocas die Paralympics schnell in ihre Herzen. Die Paralympics wurden mit knapp 2,2 Millionen Besuchern zum Zuschauermagneten. Zudem konnten die Spiele nie zuvor in so vielen Ländern im TV verfolgt werden. Das Herz der Spiele war der Olympiapark. Schade nur, dass das Olympia-Stadion mit den spannenden Leichtathletik-Wettbewerben nicht im Park stand, sondern fernab der Besucherströme.

China hat seine Übermacht in Abwesenheit der Russen ausgebaut. Allein 105 Goldmedaillen standen zu Buche. Aufsteiger der vergangenen Olympiade ist aber Großbritannien, das mit 64 Goldmedaillen 30 Champions mehr stellt als 2012. Auch Deutschland hat sich stark präsentiert. Nach Rang acht in London beendete Team Germany die Spiele auf Platz sechs. Mit 57 Medaillen, davon 18-mal Gold, sind es aber neun weniger als in London. Die Zuschauer erlebten Spitzensport, was die erneute Flut an Weltrekorden beweist. Mit 208 neuen Weltbestleistungen wurde die Spitzenmarke von London (251) aber nicht getoppt.

Neben dem Sport dominierten aber oft die Diskussionen über Doping, Techno-Doping und dem spätestens durch das Fernbleiben von Thomas Bach offensichtlich gewordenen Clinch zwischen IPC und IOC. So droht eine wesentliche Stärke der Paralympics unterzugehen. Denn die Spiele sind mehr als eine bloße Leistungsschau. Sie sind auch ein Leuchtfeuer für gesellschaftliche Teilhabe. Menschen mit Behinderung an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens barrierefrei teilhaben zu lassen – auch im Denken, nicht nur räumlich – bleibt eine unserer größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Paralympics sensibilisieren für dieses Thema besonders effizient – allerdings können sie nur alle zwei Jahre für Normalität im Umgang mit dem Thema Behinderung werben.

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