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Medaillenregen auf alter Formel-1-Strecke

Paralympics Medaillenregen auf alter Formel-1-Strecke

Sieben Medaillen holten die paralympischen Pedaleure vor den Toren Londons auf der alten Formel-1-Strecke Brands Hatch. Andrea Eskau, Tobias Graf und Michael Teuber fuhren im Zeitfahren zu Gold, Norbert Mosandl gewann hinter dem ehemaligen Formel-1-Star Alessandro Zanardi Silber, ebenso wie Hans-Peter Durst und Dorothee Vieth.

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Michael Teuber im Goldjubel.

Quelle: dpa

London. Bernd Jeffré fuhr mit Bronze die erste Medaille für Niedersachsen ein. Der schüchterne Baden-Würtemberger Tobias Graf lag nach dem Zeitfahren über 16 Kilometer völlig erschöpft auf dem Asphalt der Strecke, auf der in den 1980er Jahren Formel-1-Pilot Nicki Lauda dreimal siegreich war. Statt Motorenlärm flitzten gestern die Tandems und Handbikes über die anspruchsvolle und bergige Piste – nur der Lärm der beiden Hubschrauber, die über Brands Hatch kreisten, störte die Idylle in der Grafschaft Kent. Eher zögerlich nahm der 28-jährige Graf die Glückwünsche entgegen und fand nur schwer Worte für den wichtigsten Erfolg seiner Karriere. Auf Gold habe er „ein bisschen gehofft, aber nicht damit gerechnet“. Der Athlet mit dem markanten badischen Akzent, der sein linkes Bein bei einem Unfall auf dem Bauernhof seiner Eltern verloren hatte, gewann schon auf der Bahn zwei Medaillen.

Michael Teuber hatte die erhoffte Medaille auf der Bahn im Velodrom verpasst und entsprechend motiviert war er nun auf der Straße. Weil der Weltverband den Briten Mark Colbourne und den Chinesen Li Zhang Yu in seine Klasse gesteckt hatte, hatten sie Teubers Zeit auf der Bahn nahezu pulverisiert. Unter diesen Umständen hatte der mehrmalige Weltmeister Anfang der Woche seine Bahnkarriere beendet.

Entsprechend groß war jetzt die Freude über die Gold-Medaille auf der Rennstrecke. „Das ist der Höhepunkt meine Karriere“, jubelte Teuber, verteilte anschließend auf dem Siegerpodest euphorisch Kusshände und sang die Nationalhymne laut mit. Und auf den Briten und den Chinesen angesprochen sagte er schelmisch: „Diese muskelbepackten Kerle doch noch geschlagen zu haben, mit meinen Beinchen, mit meiner Ausdauer und mit meiner Kraft, das freut mich unheimlich“, sagte der inkomplett querschnittsgelähmte Teuber.

Eine große Portion Wut im Bauch hatte auch Silbermedaillengewinner Norbert Mosandl. „Drei Tage vor dem Rennen habe ich eine Mail bekommen, in der mich der Radsportverband aus dem Team ausgeschlossen hat“, sagte er kurz nach dem Rennen. Der Grund sei dem Umstand geschuldet, dass er nicht im Athletendorf wohnen wolle, sondern sich ein Hotel nahe der Rennstrecke gemietet hatte. „Ich habe keine Unterstützung mehr bekommen, muss das Hotel alleine zahlen, den Transport organisieren, und an der Strecke sagt mir der Trainer nicht einmal mehr ,Guten Morgen'“, ärgerte sich Mosandl. Jetzt zahle alles sein Cottbuser Heimverein. „So kann man nicht mit den Athleten umgehen“, schimpfte sein Heimtrainer Christof Weiss.

Deutschlands Chef de Mission Karl Quade wies die Vorwürfe zurück. Mosandls eigenständiges Verhalten, nicht im Dorf zu wohnen, habe man akzeptiert. „Allerdings liegt es dann nicht an uns, dies zu finanzieren, denn wir stellen im Dorf alles für die Athleten bereit."

26 Sekunden fehlten Mosandl zu Gold. „Ich bin mit 55 Stundenkilometern durch die Kurve, kam dann aber zu nah an einen Gulli und musste bremsen“, sagte der Bayer. Dieser Fahrfehler habe dazu geführt, dass Zanardis Zeit nicht mehr zu kriegen war.

Der Italiener Alessandro Zanardi, der 2001 bei einem Rennen auf dem Lausitzring beide Beine und fast das Leben verloren hatte, fuhr bei seiner Paralympics-Premiere auf Anhieb zu Gold. Gestern war er der Star an der Strecke. Die Stimme des Sprechers in Brands Hatch überschlug sich bei der Zieleinfahrt Zanardis, und die Tausenden Zuschauer an der Strecke jubelten fast so laut wie bei den britischen Fahrern. Nach dem Rennen versank der Italiener in einem Pulk aus Journalisten, denen er bestens gelaunt erzählte: „Für mich ist gerade etwas Magisches passiert.“ Und wohl etwas Einmaliges: Nach den Paralympics, hatte Zanardi angekündigt, werde er seine Handbike-Karriere wieder beenden. Auch wenn ihm dies schwer falle. „Ich fühle mich wie ein Junge, der morgens im Bett liegt, und seine Mutter ruft: ,Frühstück!' Aber ich will nicht aufstehen, sondern noch ein bisschen länger liegen bleiben.“

Vor zwei Jahre habe sich der New York-Marathon-Gewinner diesen Horizont gesetzt, sagt er, und gibt zu, nun auch ein wenig traurig zu sein. „Aber diese Traurigkeit wird vorübergehen.“

Von Manuel Becker (mit dpa)

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