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Oscar Pistorius: Sprint-Idol und Superstar

Paralympics Oscar Pistorius: Sprint-Idol und Superstar

Endlich hatte er es geschafft. Oscar Pistorius hockte in seinem Startblock, versuchte sich auf den 400-Meter-Vorlauf der Olympischen Spiele zu konzentrieren. Lange Jahre hatte er gekämpft, um hier an den Start gehen zu können, hatte Niederlagen einstecken müssen und Enttäuschungen hinnehmen.

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„Der schnellste Mann ohne Beine“:  Oscar Pistorius.

Quelle: dpa

London. „Ich habe in der Vergangenheit Wege gefunden, meine Wege zu verwirklichen“, hat Pistorius einst gesagt. Nun war der Sprinter aus Südafrika, dem im Alter von elf Monaten aufgrund eines Gendefekts beide Unterschenkel amputiert worden waren, am Ziel - und fand sich selbst, wie er hinterher sagte, lächelnd im Startblock. „Die lauten Anfeuerungsrufe der vielen Zuschauer und das Wissen, dass  dort so viele Menschen hinter mir sind, das sind Erinnerungen, die ich für den Rest meines Lebens bewahren werde“, sagte Pistorius.

Sechs Jahre lang musste der 25-Jährige kämpfen, um bei den Olympischen Spielen starten zu können. Bei den Paralympics war er schon lange ein Star. Als er im Alter von 17 Jahren für die Pretoria Boys High School  erstmals an einem 100-Meter-Lauf-Wettbewerb teilnahm, sprintete der Prothesenläufer 11.72 Sekunden – der Weltrekord lag damals bei  12.20 Sekunden. Acht Monate später gewann er bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter, ebenfalls in Weltrekordzeit, und Bronze über 100 Meter. Zum Star wurde Pistorius in Peking, wo er bei den Paralympics über 100, 200 und 400 Meter zu Gold lief.

Leichtathletik-Weltverband verbot ihm die Teilnahme

Aber was in London gelang – bei den Olympischen Spielen und bei den Paralympics zu starten – wurde ihm in Peking verwehrt. Der Leichtathletik-Weltverband verbot ihm die Teilnahme, weil ihm seine Carbonprothesen einen Vorteil verschaffen könnten. Pistorius kämpfte gegen dieses Urteil an, um seinen Traum von der Olympia-Teilnahme zu verwirklichen. Zwar hob der internationale Sportgerichtshof das Urteil wieder auf, sechs Wochen vor den Sommerspielen 2008 kam die Entscheidung für den Sprinter jedoch zu spät: Pistorius schaffte die Olympia-Norm nicht.
Anfang August 2012 begann für den Läufer, der als erster beidseitig Amputierter an Olympischen Spielen teilnahm, „die beste Woche meines Lebens“. Er qualifizierte sich über 400 Meter fürs Halbfinale, wo er als Achter ausschied und lief mit der 4x400-Meter-Staffel mit den besten Läufern der Welt im Finale. Er war am Ziel angekommen.

Der Start bei den Olympischen Spielen steigerte Pistorius Berühmtheit. Die Medien stürzten sich auf den „schnellsten Mann ohne Beine“. Die „New York Times“ brachte ihn aufs Titelblatt und bezeichnete ihn auf einem Foto im Magazin, wo er mit nacktem Oberkörper und Prothesen am Strand steht, als  „The Paralympic Poster Boy“. Das Männermagazin „GQ“ kürte ihn in der südafrikanischen Ausgabe zum bestangezogensten Mann der Welt, und fast jede große Tageszeitung berichtete über den „Blade Runner“.

„Das ist doch der Sprinter ohne Beine“

Bei den Paralympics im Olympia-Park nach dem berühmtesten Behindertensportler gefragt,  nennen die meisten auf Anhieb Oscar Pistorius, „Das ist doch der Sprinter ohne Beine“, sagen die Brüder Tom und Max Strakosch aus London sofort. Auch das Ehepaar Sheila und Eric Jackson, das ein paar Meter weiter im Olympiapark sitzt und auf einem großen Bildschirm die Wettkämpfe in der Sonne schaut, muss nicht lange überlegen. „Der ist auch bei den Sommerspielen gestartet“, weiß Sheila. „Bei den Paralympics wird er aber nicht zu Gold laufen“, glaubt Ehemann Eric. „Der hat zu viele Interviews gegeben und zu wenig trainiert.“ Das Paar aus Kent sieht den Doppelstart des Superstars kritisch. „Man weiß doch nicht, ob die Prothesen  ihm nicht einen Vorteil verschaffen, ihn schneller machen“, sagt Eric Jackson. „Und wenn die Technik noch besser wird, dann ist er ohne Beine irgendwann schneller als die anderen Athleten bei den Olympischen Spielen.“

Wenn es nach den Jacksons geht, sollte Pistorius nur bei den Paralympics starten. Auch andere sehen den Doppelstart des Südafrikaners kritisch: Denn im Gegensatz zu Pistorius zaubert dessen Start bei Olympia kein Lächeln ins Gesicht von Helmut Digel. Für den Sportsoziologen und das Council-Mitglied des Leichtathletik-Weltverbandes sei durch die Teilnahme des Südafrikaners an Olympia die Idee des Fair Play ad absurdum geführt worden. Durch die Benutzung künstlicher Schenkel gebe es keinen wirklichen Wettbewerb mehr. Der Göttinger Medien-Experte Wifried Scharf wirft die Frage auf, was passieren würde, „wenn ein Hybridwesen dank künstlicher Ersatzteile schneller sein würde als Usain Bolt“.

Wenn Oscar Pistorius heute erstmals bei den Paralympics ins Rampenlicht treten wird, werden sie alle wieder auf ihn schauen, auf den Superstar der paralympischen Spiele, der seinen Titel über 200 und 400 Meter verteidigen und über 100 Meter zu einer Medaille laufen will. Seinen Traum hat er verwirklicht, aber die Diskussionen um den Prothesenläufer werden anhalten.

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