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Silber ist nicht genug

Pistorius Silber ist nicht genug

Unmittelbar bevor er die Sätze in die Kameras sprach, mit der er eine erneute Fairness-Debatte im Behindertensport ins Rollen brachte, zeichnete sich Oscar Pistorius‘ Stimmungslage schon in seinem Gesicht ab. Kurz vor der Ziellinie war der Brasilianer Alan Oliveira am Südafrikaner vorbei gestürmt, hatte ihm die Goldmedaille über 200 Meter noch weggeschnappt, die Pistorius, der Superstar der Paralympics, für sich beansprucht hatte.

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Besiegter Superstar: Oscar Pistorius musste über 200 Meter Alan Fonteles Oliveira den obersten Podestplatz überlassen.

Quelle: dpa

London. Wie es in ihm aussehen musste, konnten die Zuschauer zunächst nur an seinem bitter-süßen Lächeln ablesen.

Wenige Augenblicke später stand er schon vor den Kameras des britischen Fernsehsenders Channel 4 und sagte deutlich, was er dachte: „Das war unfair, einfach lächerlich.“ Rund zehn Zentimeter zu lang seien die Hightech-Prothesen von Oliveira, lautete die Kritik. „Ich kann mit seiner Schrittlänge einfach nicht mithalten“, beschwerte sich Pistorius. Vor allem mit der Art seiner Äußerungen büßte er viele Sympathien ein.

Er war stets der Vorzeige-Paralympionike, hatte es geschafft, über 400 Meter auch bei den Olympischen Spielen zu starten und war auf Postern und Titelseiten der Zeitungen und Magazine zu sehen. Die Zuschauer lieben ihn. Der zweite Platz war auch für sie ein Schock.

Pistorius bringt das Internationale Paralympische Komitee (IPC) in die unangenehme Situation, die eigenen Regeln überdenken zu müssen. „Die Länge der Stelzen basiert auf einer Formel aus Größe und Dynamik des Athleten. Alle Sportler sind vor dem Wettkampf von einem Klassifizierer vermessen und zugelassen worden“,  beschreibt ein  Verbandssprecher am Montag die Regularien. Das IPC unterstrich, Oliveira habe keine der bestehenden Regeln gebrochen.

An der Chancengleichheit zweifelt jedoch nicht nur Pistorius. Da gibt es einige Dinge, die extrem fragwürdig sind - lange Unterschenkel, lange Feder“, sagte etwa der siebtplatzierte Leverkusener David Behre. Der Schweizer Christoph Bausch, der auf Rang sechs gelandet war, bezog noch eindeutiger Stellung: „Kein normaler Mensch hat solche Unterschenkel, das muss man einfach sehen.“

Eine ernste Gefahr für den Sport sieht 200-Meter-Bronzemedaillen-Gewinner Heinrich Popow: „Bei der WM  2011 in Christchurch lief Alan noch komplett anders, bei Weitem nicht so gestreckt wie jetzt. Oscar hat mit seiner Kritik Recht, dass nicht der beste Athlet gewonnen hat. Hier muss sich das IPC Gedanken machen, ob die Regeln gut für den Sport sind.“

Pistorius entschuldigte sich gestern zwar für die Äußerungen nach dem Rennen, von seiner Kritik rückte er aber nicht ab. „Ich wollte niemals den Moment des Triumphs eines anderen Athleten schmälern“, hieß es in einem Statement. „Das war die Stunde von Alan, und ich möchte deutlich machen, welchen Respekt ich vor ihm habe.“

Aus dem Technik-Team des Brasilianers erntete Pistorius für seine Äußerungen bestenfalls Kopfschütteln. „Wir haben den Anbau der Federn nicht verändert. Die Löcher sind an denselben Punkten gebohrt“, betont ein Orthopädie-Technik-Meister und stellt die Frage: „Es ist doch komisch. Bisher musste sich immer Oscar gegen Techno-Doping-Vorwürfe wehren. Jetzt wirft er das Alan vor. Das ist doch schon Ironie, oder?“

Die unangenehme Fairness-Debatte hätte Pistorius selbst verhindern können, wäre er die Zeit aus dem Vorlauf auch im Finale gelaufen. Sein neuer Weltrekord von 21,30 Sekunden hätte ihm die fest eingeplante erste Goldmedaille in London eingebracht.

Von Mark Bambey
und Manuel Becker

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