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400 BG-Göttingen-Fans sorgen für Heimspiel in Paderborn

Weltklasseaktion 400 BG-Göttingen-Fans sorgen für Heimspiel in Paderborn

Dies ist die Geschichte von Christian Zigenhorn, der die Vision hatte, wohl erstmals in der Historie der 2. Basketball-Bundesliga einen Sonderzug für ein Auswärtsspiel zu chartern. Es ist auch die Geschichte der drei Fan-Anpeitscher Lukas Liebert, Julian Süßemilch und Benjamin Becker, die in der Paderborner Maspernhalle ihre Stimme verloren haben, und diese aller Wahrscheinlichkeit nach auch am heutigen Montag noch nicht wieder gefunden haben.

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Quelle: Pförtner

Göttingen/Paderborn. Vor allem aber ist es die Geschichte von knapp 400, sie mögen das folgende Adjektiv verzeihen, verrückten Fans der BG Göttingen, die ihre Mannschaft unermüdlich und kompromisslos unterstützen.

Das Unternehmen „Sonderzug nach Paderborn“ beginnt gegen 15.45 Uhr. Nach und nach treffen die fast durchweg in lila gekleideten Veilchen-Anhänger im Göttinger Bahnhofsgebäude ein. Erste „Göttingen“-Rufe mehrerer jüngerer Fans hallen am Aufgang zu Gleis 5 durch die kühle Bahnhofshalle.

Für die durchreisenden und am Bahnhof gestrandeten Passagiere, die nicht mit nach Ostwestfalen fahren, ist das offensichtlich ein ziemlich normales Szenario, sie würdigen das Geschehen allenfalls mit einem kurzen, desinteressierten Blick samt Kopfschütteln. Gute zwei Stunden später in Paderborn wird das ganz anders sein.

Gleis 5

Um exakt 16 Uhr fährt die gecharterte Nord-West-Bahn auf dem mittlerweile proppenvollen Gleis 5 ein. Nur vier Minuten später soll schon die Abfahrt sein. Entsprechend chaotisch stürmen die 400 Passagiere auf der Jagd nach einem der 300 Sitzplätze in die zwei Waggons. Diejenigen, die es nicht ganz so eilig haben, leeren rasch noch die letzten Bierdosen mit der Aufschrift „5,0“, beziehungsweise, da im Zug offiziell ein Alkoholverbot herrscht, füllen deren Inhalt in mitgebrachte Plastikflaschen um.

Das lässt sich nicht verifizieren, aber doch stark vermuten. Immerhin verändert sich die Gesichtsfarbe eines aus einer mysteriösen grauen Flasche trinkenden Fans während der Fahrt zunehmend vom blassen Farbton des klassischen kaukasischen Typen in ein knalliges Rot, ähnlich dem der Trikots der Finke Baskets Paderborn.

Die Hinfahrt, die im doch recht langsam fahrenden Zug durch die Provinz über Lenglern, Karlshafen und Beverungen führt, verläuft weitgehend ruhig. Einige Fans unterhalten sich, andere sind mit ihren Smartphones beschäftigt. Ein wenig Gelächter, als ein Gesellschafter der BG hämische Kommentare über die erneute Niederlage seines Lieblingsklubs Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga über sich ergehen lassen muss.

Weltklasse-Aktion

nd mittendrin, am Fenster sitzend: Frank Meinertshagen, BG-Geschäftsführer. „Normalerweise mache ich mich bei Auswärtsspielen eher rar. Aber bei solch einer Weltklasse-Aktion wollte ich natürlich rein privater Natur mit dabei sein“, sagt Meinertshagen und erhält ein zustimmendes Nicken von Gesellschafter Steffen Lütjen.

In Altenbeken, während eines Zwischenstopps, bei dem ein Polizist und sein Hund, die eine Mitfahrgelegenheit nach Paderborn suchen, zusteigen, ist es endlich soweit: Liebert stimmt die ersten Fangesänge im Zug an. Es sollte aber nur die Vorhut dessen sein, was Minuten später, gegen 18 Uhr, in Paderborn passieren sollte.

Sobald dort die Türen der Bahn aufgegangen sind, geht ein wahrer Sturm an Fangesängen und Choreographien über den Paderborner Bahnhof nieder. 400 Menschen pflügen, ohne etwas zu zerstören, durch die schlichte Bahnhofshalle: „Hurra, hurra, die Göttinger sind da.“ „Ohne Göttingen wär‘ hier gar nichts los.“

25 Minuten Fußweg

Humba mit 200 Mann vor dem Gebäude, Joachim Vogt schwenkt eine riesige lila-weiße Fahne. Den absolut verblüfften Paderbornern, die sich fühlen, als erobere gerade eine fremde, aber friedliche Macht ihre Stadt, bleibt nichts weiter übrig, als die Kinnlade auf Brusthöhe klappen zu lassen. Fast 25 Minuten dauert der Fußweg von Bahnhof zur Maspernhalle.

Anwohner, ja sogar Autofahrer, filmen den von durchgängigem Getöse begleiteten Zug der Menschenmasse mit ihren Handys, winken freundlich vom Balkon mit der abblätternden Fassade herunter. Jeder der 400 Fans hat ein Lächeln im Gesicht. Man kann gar nicht anders.

Direkt vor der Halle noch eine Humba. Und noch eine. Schon beim Aufwärmen feuert die violette Wand auf der steilen Stehtribüne das Göttinger Team an. Die drei kreativen Anpeitscher verausgaben sich völlig. Angesichts der Lautstärke während des Spiels hinkt der häufig übertriebene Vergleich mit dem Start eines Düsenjets nicht.

Bier, Döner und Bratwurst

Ganz zu schweigen vom Jubelsturm nach der Schlusssirene, oder dem, der über die Spieler einbricht, nachdem sie ein zweites Mal aus der Kabine kommen, um sich feiern zu lassen. Geschafft. „Heimspiel Paderborn“ gewonnen. Zur Belohnung gibt es Bier, Döner, Bratwurst oder McDonald‘s.

Auf der Rückfahrt, die bis kurz nach Mitternacht dauert, verlässt die BG-Fans allmählich die Kraft. Sie sind müde. So werden nur vereinzelt kurze Gesänge angestimmt, und keinerlei Anstalten unternommen, die Waggons auseinander zu nehmen.

Hart gekämpft und schließlich gewonnen. Impressionen vom Paderborn-Spiel. © Pförtner

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