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BG Göttingen BG-Management: „BBL-Planung hat Priorität“
Sportbuzzer BG Göttingen BG-Management: „BBL-Planung hat Priorität“
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00:19 06.04.2013
Trotz des Abstiegs auf Erstliga-Niveau gehalten: Die Abläufe und der Aufbau in der Sparkassen-Arena vermitteln nicht nur wegen der neuen LED-Banden BBL-Atmosphäre. Quelle: Pförtner
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Göttingen

„Die Planungen für die 1. Basketball-Bundesliga haben absolute Priorität“, betont BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Diese Aussage darf allerdings nicht als arrogant oder als Abwertung der Konkurrenz verstanden werden. „Der Aufwand, den wir betreiben müssen, um im Falle eines Aufstiegs in der BBL spielen zu können, sind immens. Die organisatorischen Anforderungen sind um ein Vielfaches größer als in der Pro A“, erklärt BG-Vertriebsleiterin Anna Jäger.

Zwei Szenarien

Gespräche über eine potenzielle Zusammenarbeit in der Spielzeit 2013/14 finden mit Sponsoren schon seit einiger Zeit statt. Präsentiert werden immer beide Szenarien – ein Spielbetrieb in der BBL und der Pro A. „Fakt ist, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, mit dem bestehenden Sponsoren-Pool unseren BBL-Etat-Plan in Höhe von zwei Millionen Euro zusammenbekommen. Wir benötigen mindestens zwei bis drei größere Sponsoren“, unterstreicht Jäger. Es gebe Gespräche, für eine Prognose sei es aber noch zu früh. In der BBL gebe es trotz des hohen Budget-Durchschnitts von 3,9 Millionen Euro sechs bis sieben Klubs, die Etats um zwei Millionen Euro haben.
Im Fokus der Präsentation stehe besonders die Nachhaltigkeit des Göttinger Basketball-Projekts. „Wir suchen Partner, die sich langfristig engagieren. Wir wollen nicht nur eine Saison in der 1. Bundesliga spielen. Uns ist allerdings auch wichtig, dass ein Verständnis dafür herrscht, dass Auf- und Abstiege zum Sport gehören“, sagt Meinertshagen.

Unterschiede sind extrem

Der Unterschied zwischen der Pro A und der Beletage des deutschen Basketballs ist trotz des stetigen Versuchs, die Ligen anzupassen, nach wie vor extrem. Im Falle eines Aufstiegs muss die BG in der BBL zum Beispiel drei neue Vollzeit-Stellen in der Geschäftsstelle einrichten, die in der Pro A nicht gefordert sind. In der BBL ist es vorgeschrieben, einen Pressesprecher sowie zwei Jugend-Koordinatoren für die obligatorischen U-19- und U-16-Mannschaften, die in der Bundesliga spielen müssen, einzustellen. Die Teams kann beispielsweise Top-Aufstiegsfavorit SC Rasta Vechta (noch) nicht vorweisen. Mittels Kooperationsvereinbarung, wie zum Beispiel von den Artland Dragons mit Osnabrück praktiziert, kann diese Voraussetzung von Vechta allerdings noch erfüllt werden. 

Hürde zur Zulassung

Eine Hürde zur Zulassung für die höchste deutsche Spielklasse ist für die BG Göttingen allerdings unüberwindbar hoch. Ab der kommenden Spielzeit verlangt die BBL von allen Klubs, dass sie über eine Trainingshalle verfügen, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche ausschließlich den Basketball-Teams des Lizenz-Trägers zur Verfügung steht. „Das werden wir definitiv nicht erfüllen können“, sagt Meinertshagen. Da für die kommende Spielzeit allerdings eine Übergangslösung zum Tragen kommt, können sich die Klubs von der Forderung freikaufen. Welchen Betrag die BBL dafür verlangt, steht noch nicht fest. „Ich hoffe, dass sich die Strafzahlung an den Etat des jeweiligen Teams anpasst und es keine feste Pauschale gibt“, sagt Meinertshagen und betont: „Allen muss klar sein, dass wir uns  damit nur Zeit kaufen würden. Das Trainingshallen-Problem müsste dann spätestens ein Jahr später gelöst sein.“

Größeres Spieler-Budget

Sollte es in diesem Jahr noch nicht für den Aufstieg reichen, sei es aus sportlichen oder wirtschaftlichen Gründen, darf sich BG-Sportdirektor und Headcoach Johan Roijakkers in der kommenden Pro-A-Serie über ein deutlich größeres Spieler-Budget freuen. „Wir wollen auch im Falle eines weiteren Jahres in der Pro A wachsen. Das zusätzlich akquirierte Geld soll zu etwa 80 Prozent in den Spieler-Etat fließen“, betont Jäger. In dieser Serie standen dem Niederländer 430 000 Euro zur Verfügung. Davon musste allerdings von Gehalt und Wohnung über das Auto bis hin zum Frühstück alles bezahlt werden. Obwohl die Konkurrenz in der kommenden Pro-A-Saison wahrscheinlich noch stärker wird, wagt der eher für seine Zurückhaltung bekannte Meinertshagen eine Kampfansage: „Dass wir dieses Jahr so gut dastehen ist eine Mischung aus guter Arbeit und Glück und nicht selbstverständlich. Doch wir sind Zweiter in der Hauptrunde geworden. Wir wollen wieder in die 1. Bundesliga, also soll dann sportlich im nächsten Jahr der Aufstieg her.“

▶ Kommentar: (K)ein Wunder

Vor nicht einmal elf Monaten blickte der Göttinger Profi-Basketball in den Abgrund. Dass so kurz nach der Insolvenz der ehemaligen Basketball-Lizenz-Inhaberin Starting Five GmbH wieder ein Budget in Höhe von zwei Millionen Euro realisierbar scheint und somit von der Rückkehr in die Basketball-Bundesliga geträumt werden darf, gleicht einem Wunder. Es ist ein Wunder, das auf Vertrauen aufbauenden Personen, harter Arbeit, transparenter Geschäftspolitik, Kommunikation auf Augenhöhe und der Abwesenheit von Egoismen basiert. Das neue BG-Management und die zahlreichen fleißigen Partner im Hintergrund lassen somit einen Klub wieder erblühen, der von Marketing-Experten nach dem Gewinn des Europapokals mit den Worten geadelt wurde, dass er in Deutschland der Basketball-Klub sei, der die größte Chance habe, Kult-Status zu erlangen.

Die Erkenntnisse aus der eigenen Historie nutzt das BG-Management als Antrieb für zukünftige Projekte. Mit Erfolg, denn wie nicht nur an der Sponsoren-Tafel abzulesen ist, findet das ambitionierte Göttinger Profi-Basketball-Projekt immer mehr Unterstützer. Durch aufgebautes Vertrauen engagieren sich nach und nach auch wieder Gesellschaften, die abgesprungen waren, weil sie als Gläubiger der S5 geschädigt wurden.

Göttingen beweist so, dass es ein attraktiver Basketball-Standort ist. Von der Finanzkraft rangiert es irgendwo unter den Top Vier der Pro A und den unteren sechs Klubs der BBL. Überraschungen sind so nicht ausgeschlossen – positive wie negative. Selbst wenn die geleistete Arbeit dieses Jahr noch nicht mit dem Aufstieg belohnt werden sollte, ist die Feier hoffentlich nur verschoben.

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