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BG Göttingen BG-Spieler Vargas empört über rassistische Sprüche Chemnitzer Fans
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00:24 21.03.2013
Empört über rassistische Beschimpfungen Chemnitzer Fans: BG-Spieler Akeem Vargas. Quelle: Pförtner
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Göttingen

 „Mit Nazihaufen meinte ich natürlich nicht alle 1500 Niners-Fans in der Halle“, stellte Vargas am gestrigen Montag klar.

„Es war ein kleiner Haufen an der Mittellinie, der unsere Spieler als Niggerschweine und Baumwollpflücker beschimpft hat und mich als Hurensohn, als ich in der Verlängerung einen Dreier zum 71:70 getroffen habe. So etwas ist mir zum ersten Mal passiert, seit ich in Deutschland Basketball spiele“, fügte der 22-jährige Deutsch-Amerikaner hinzu.

Auf Bitten von Niners-Coach Felix Schreier habe er den Facebook-Post inzwischen gelöscht. Der Chemnitzer Trainer habe ihn angerufen und sich im Namen der Mannschaft entschuldigt, ebenso wie der in Chemnitz spielende Deutsch-Kongolese Blanchard Obiango, einer von mehreren dunkelhäutigen Spielern im Niners-Team. Schreier bestätigte gegenüber dem Tageblatt, er habe Vargas versprochen, die Vorfälle restlos aufzuklären, die Schuldigen zu ermitteln und sie zu bestrafen.

„Ich war schockiert, als ich Akeems Post gelesen habe und sofort mit ihm Kontakt aufgenommen“, erzählte Schreier. „Ich kann für 99 Prozent der Niners-Fans sprechen, dass sie mit Rassismus und rechtem Gedankengut nichts am Hut haben. Ich gehe davon aus, dass es sich um Einzeltäter handelt. Wir werden rausfinden, was für Leute das waren und gegen sie vorgehen. Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen eine Presseerklärung zu den Vorfällen herausgeben werden.“

Er sei seit dem Zweitliga-Aufstieg im Jahre 2002 eng mit den Niners verbunden und habe so etwas noch nie erlebt. „Ich hoffe, die Sache wird nicht zu einem Rassismus-Problem der Niners hochstilisiert, nur weil ein, zwei Idioten herumpöbeln“, ergänzte der Coach.

Entschieden weist BVC-Präsident Detlef Müller die Vorwürfe zurück. „Es war ein sehr emotionales Spiel. Da fallen sicher manchmal Sprüche, die grenzwertig sind, aber auf keinen Fall rassistisch. Vargas muss da etwas falsch verstanden haben. Es gibt keinen Rassismus bei uns. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, stellte Müller klar, der auch stellvertretender SPD-Vorsitzender in Chemnitz ist und für den Bundestag kandidiert, dem er von 2005 bis 2009 bereits angehörte. „Der Vorwurf ist sehr massiv und trifft uns völlig falsch“, versichert Müller.

Die Niners engagierten sich vehement gegen jede Form von Rassismus. Jede Woche gingen Spieler in die Schulen, um rassistischem Gedankengut entgegen zu wirken, und bei Demonstrationen gegen Rechts marschierten die Niners stets in vorderster Reihe mit.

Auch er könne sich nicht vorstellen, dass die von Vargas erhobenen Beschuldigungen zutreffen, sagte Niners-Pressesprecher Matthias Pattloch. „Als ich davon erfuhr, habe ich sofort mit unserem Security-Chef gesprochen. Er hat mir versichert, dass weder er noch seine Leute etwas gemerkt hätten. Wir werden die Sache aber konsequent weiter verfolgen. Wenn etwas dran ist und wir Schuldige ermitteln, erhalten sie sofort Hallenverbot und müssen mit weiteren Sanktionen rechnen“, drohte Pattloch.  

Im Gegensatz zur Chemnitzer Führung sieht Hartmut Niemann, langjähriger Vorsitzender des Göttinger Fanclubs Veilchenpower und Kenner der deutschen Basketball-Fanszene, die Niners keineswegs als Speerspitze der Antirassismus-Bewegung. „Was rassistische und rechte Äußerungen angeht, sind die Niners-Fans kein unbeschriebenes Blatt“, behauptet Niemann.

  „Ich war zwar nicht beim Spiel, aber ein BG-Fan, den ich als sehr ruhig und besonnen kenne, hat mir erzählt, dass die Stimmung von Anfang an sehr aggressiv und feindselig war und aus dem Chemnitzer Fanclub üble Sprüche kamen.“ Er habe von alldem nichts mitgekriegt, und seine Spieler hätten auch nichts gesagt, beteuerte BG-Coach Johan Roijakkers: „Ich konzentriere mich voll auf das Spiel und blende alles aus, was nicht zum Sportlichen gehört.“

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