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BG Göttingen Center und Künstler Jamal Boykin für BG Göttingen ein echter Glücksgriff
Sportbuzzer BG Göttingen Center und Künstler Jamal Boykin für BG Göttingen ein echter Glücksgriff
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18:31 20.08.2014
Hat schwer zu tragen: BG-Neuzugang Jamal Boykin bei seiner Ankunft am Frankfurter Flughafen. Quelle: Roselieb
Göttingen

Der 27-Jährige, dieser Eindruck kommt nach wenigen Minuten auf, wird sich für den Basketball-Erstligisten womöglich sportlich, aber ganz bestimmt menschlich als echter Glücksfall erweisen.

Überdies ist der US-Amerikaner ein Energiebündel. „Ich bin bereit für alles, was heute noch ansteht“, sagt Boykin. Der Flug von seiner Heimatstadt Los Angeles über New York habe ihm keineswegs zugesetzt. „Ich durfte in die 1. Klasse vor, um genug Beinfreiheit zu haben. Deshalb bin ich nicht müde und schon gespannt auf Göttingen und die Menschen dort“, berichtet das 2,03 Meter große und 109 Kilogramm schwere Kraftpaket.

Über die Stadt habe es nur Gutes gehört. „Als ich in Würzburg gespielt habe, schwelgten John Little, Michael Meeks, Chris McNaughton, Ben Jacobsen und Jason Boone ständig in Erinnerungen“, so Boykin.

Gemeinsam mit den Ex-Göttingern lief der als Power Forward und Center variabel einsetzbare Big Man vergangene Saison in drei Spielen für die s.oliver Baskets auf, erzielte durchschnittlich solide 5,7 Punkte und griff sich fünf Rebounds. Aufgrund finanzieller Probleme der Franken wurde sein Vertrag wieder aufgelöst.

Freund und Mitspieler Harper Kamp

Bei der BG wünscht er sich ein längeres Engagement. Nicht zuletzt, um viel Zeit mit seinem guten Freund und Mitspieler Harper Kamp zu verbringen. „Ich kenne Harper, seit er 18 ist. Wir haben für die University of California in Berkeley gespielt und im Sommer 2013 gemeinsam in der Bay Area in Kalifornien trainiert“, erzählt Boykin. Dass die beiden um Spielzeit auf den gleichen Positionen kämpfen, gefährde ihr Verhältnis nicht.

Viel mehr würden sich die Stärken beider Akteure ergänzen, unterstreicht der intelligent wirkende Boykin: „Zu Harpers Offensivpower bringe ich Energie in der Defensive und Enthusiasmus. Außerdem bin ich ein großer Kommunikator auf dem Parkett.“ Zudem gilt der Powerathlet als starker Rebounder, guter Teamverteidiger und sicherer Freiwerfer. Dass er scoren kann, hat Boykin zuletzt in Neuseeland bewiesen, wo er für die Nelson Giants 20,2 Punkte auflegte.

Besonders den Partien gegen die MHP Riesen Ludwigsburg fiebert Boykin entgegen. Dort spielt sein zwei Jahre älterer Bruder Ruben – auf der gleichen Position. „Das wird ein fantastisches Matchup. Natürlich sage ich, dass ich besser bin als er, aber Ruben hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich bin.“ Für die Bruder-Duelle hat sich die Familie aus Los Angeles angekündigt. Vor allem seine Mutter Mary freue sich, dass ihr Sohn wieder in einem sicheren Land spielt.

Basketball-Globetrotter

Das war nicht immer so. Seinen ukrainischen Klub Cherkaski Mavpy musste der Basketball-Globetrotter, der zuvor Station in der Türkei, Zypern, Japan und den Niederlanden gemacht hat, aufgrund der Bürgerkriegsunruhen im März dieses Jahres verlassen. „Ich erinnere mich an eine Nacht, in der während eines Protestes zehn Menschen niedergeschossen wurden – völlig wahllos.

Die Vereinsführung hat danach gesagt, dass sie nicht mehr für unsere Sicherheit garantieren kann“, sagt Boykin. Es gab Tage, an denen durfte er sein Appartement nicht verlassen. Basketball habe er in der Ukraine dennoch gerne gespielt, um die trauernden und aufgebrachten Menschen abzulenken und zu unterhalten.

Die beste Unterhaltung für sich selbst findet der kulturinteressierte Boykin, der Geschichte studiert hat, beim Malen. Einige seiner veritablen Zeichnungen sind in den USA ausgestellt worden und lassen sich im Internet bestaunen. „Ich war schon als Kind kreativ. Man hat mich kaum aus dem Haus bekommen, weil ich malen wollte.“

Bleistift-Portraits von Barack Obama

Als Meisterstück bezeichnet er seine 44 Bleistift-Portraits von Barack Obama. Der 44. US-Präsident dankte ihm dafür sogar persönlich bei einem Treffen.

Am Ball ist Boykin dagegen keiner, der für die Galerie spielt. Dafür jemand, der die Kunst beherrscht, eine Mannschaft durch seine bloße Ausstrahlung auf ein höheres Niveau zu heben.

Von Rupert Fabig

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