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Veilchen behalten im Herzschlagfinale die Nerven

Bundesliga-Basketball Veilchen behalten im Herzschlagfinale die Nerven

Die Situation mutete ein wenig seltsam an. Gerade hatte die MEG Göttingen in einem bis zur letzten Sekunde hoch dramatischen Basketball-Krimi den Bundesliga-Konkurrenten Artland Dragons Quakenbrück mit 79:78 (61:60, 37:41, 17:21) niedergekämpft und sich von den begeisterten Veilchen-Fans unter den 3474 Zuschauern in der erstmals in dieser Saison ausverkauften Lokhalle frenetisch feiern lassen. Die Revanche für die 73:75-Hinspielniederlage war gelungen, und Göttingen zu Hause weiter unbesiegt.

Doch auf der anschließenden Pressekonferenz blickte MEG-Headcoach John Patrick düsterer drein als Thorsten Leibe-nath, der Trainer der knapp geschlagenen Gäste. Der Dragons-Coach attestierte der stets engen Partie, in der die Führung 19-mal wechselte, ein „hervorragendes Niveau“ und zeigte sich beeindruckt von der tollen Stimmung, die die Zuschauer erzeugt hätten. „Die Niederlage ist für uns sehr bitter. Ich bin aber weit davon entfernt, meine Mannschaft zu kritisieren. Dieses Spiel hätte zwei Sieger verdient gehabt“, unterstrich Leibenath.

Patrick stimmte mit seinem Quakenbrücker Kollegen überein, dass die Offensiv-Rebounds (14 für MEG, drei für Artland) mit den daraus resultierenden zweiten Chancen ausschlaggebend für den Sieg gewesen seien, über den er sich natürlich freue – wenn auch das Ziel, den Direktvergleich zu gewinnen, knapp verfehlt wurde. Komplimente verteilte der Göttinger Coach allerdings nicht an seine Spieler, sondern an das gegnerische Team. „Quakenbrück hat deutlich härter und energischer als wir gespielt und das bessere Teamplay gezeigt. Außerdem waren sie mental besser vorbereitet“, kritisierte er indirekt die Einstellung einiger Akteure vor allem in der ersten Halbzeit.

Bei einem Blick auf die Statistik verwundert es in der Tat, dass die Veilchen am Ende die Nase vorn hatten. 76 Prozent betrug die Trefferquote der Dragons aus dem Feld in der ersten Hälfte, 42 Prozent die der Gastgeber. 13 Assists für Quakenbrück gegenüber drei der MEG unterstreichen das deutlich bessere Zusammenspiel. Vor allem Darius Hall (8 Punkte in der ersten Halbzeit) und Nathan Peavy (9) wurden immer wieder in gute Wurfpositionen gebracht. Dass die Gäste zur Pause nur mit vier Punkten vorne lagen, verdankten die Veilchen in erster Linie dem starken Auftritt von Dwayne Anderson (11; 3/5 Dreier), dem Durchsetzungsvermögen von Chris McNaughton (8) unter dem gegnerischen Korb und Chris Oliver (11), der ab dem zweiten Viertel zu gewohnter Form auflief.
Erheblich konzentrierter und bissiger in Angriff und Verteidigung gingen nach dem Wechsel auch die übrigen Göttinger zu Werke. Da die Dragons um das als solider Spielmacher fungierende Ex-Veilchen Charles Lee (7 Assists) ihre hohe Intensität aufrechterhielten, entwickelte sich ein an Spannung kaum zu überbietender Kampf auf Biegen und Brechen mit atemberaubendem Herzschlagfinale. 40 Sekunden stehen noch auf der Uhr, als Peavy sein fünftes Foul kassiert und Oliver beide Freiwürfe zur 74:70-Führung für MEG verwandelt. Doch 13 Sekunden später bringt Toby Bailey die Dragons per Dreier wieder auf 74:73 heran.

16,1 Sekunden: Lee foult Rochestie, der zweimal von der Linie zum 76:73 trifft. – 12,7 Sekunden: Nach Foul von Little verkürzt Ross auf 76:75. – 9,6 Sekunden: Seggelke foult Jacobson, der einen Freiwurf vergibt: 77:75. – 3,7 Sekunden: Bailey lässt sich – orchestriert vom Jubelschrei aus 3000 Kehlen – von Jacobson den Ball stiebitzen und foult diesen sofort. – 1,9 Sekunden: Jacobson trifft zweimal von der Linie zum 79:75. – die Partie ist entschieden. Baileys Dreier mit der Schluss-Sirene, der den Dragons den Direktvergleich sichert, geht im Freudentaumel auf dem Parkett und den Rängen fast unter.

Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt den Göttingern nach dem kräfteraubenden Duell nicht. Am morgigen Dienstag treten sie im Europokal bei Gravelines Dunkerque in Frankreich an.

Von Michael Geisendorf

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