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Fußball vor Ort 15 Afrikaner spielen für den TSV Holzerode
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort 15 Afrikaner spielen für den TSV Holzerode
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00:18 01.04.2013
15 afrikanische Studenten bereichern das Vereinsleben: Beim TSV Holzerode wird Integration gelebt. Quelle: CR
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Holzerode

Er fragte seine afrikanischen Kommilitonen von der TU Clausthal, mit denen er regelmäßig im Uni-Team kickt, ob sie nicht für Holzerode auflaufen wollten. Heute sind 13 Akteure aus Kamerun, einer aus Togo und einer von der Elfenbeinküste für den TSV gemeldet. Und der Verein ist mit vier Punkten Vorsprung Tabellenführer der 2. Kreisklasse und peilt den Aufstieg an.

Eingeschlagen wie eine Bombe

„Die Jungs haben eingeschlagen wie eine Bombe“, freut sich Jan Bährens. „Sie sind echte Straßenfußballer, technisch stark und nur ganz schwer vom Ball zu trennen.“ Es gebe aber auch Bereiche, in denen sie sich verbessern müssten: „Sie schießen zu selten, wollen stattdessen den Ball ins Tor tragen.“ Auch ihr taktische Verständnis sei wenig ausgeprägt, so der TSV-Coach: „Sie sind gern dort, wo sich gerade der Ball befindet, mit festgelegten Positionen haben sie es nicht so.“

In Deutschland ist eben alles geordnet, nicht nur auf dem Fußballplatz: „Hier ist alles perfekt organisiert“, wundert sich Christien Petcha, „nichts wird dem Zufall überlassen.“ In seiner Heimat sei man lockerer, nehme nicht immer alles so ernst und arbeite nicht so hart: „Wir haben weniger Stress als die Menschen hier und lachen viel mehr.“

Löwe essen ist verboten

Nicht nur mit dem Lachen haben es Petcha und seine Kameraden, auch mit dem Tanzen und Singen: „Nach einem Tor lassen sie schon mal die Hüften kreisen“, erzählt Bährens, „und auf den Auswärtsfahrten schmettern sie ein Lied nach dem anderen.“ Apropos Auswärtsspiele: Da müssen sich seine schwarzen Spieler gelegentlich den einen oder anderen dummen Spruch anhören, kritisiert der Fußballlehrer: „Ein paar Mal musste der Schiri schon eingreifen, vor allem bei Ausfällen seitens der Zuschauer.“ Auch der ein oder andere Gegenspieler lässt sich schon mal zu einer Bemerkung hinreißen, berichtet Petcha, aber das störe ihn nicht: „Dann brüll ich ihn an, und nach dem Spiel ist alles wieder vergessen.“

In ihrer Heimat sei es nicht schlechter oder besser als hierzulande, finden die angehenden Ingenieure, Informatiker und Mediziner. Allerdings sehr viel anders. Beispielsweise das Essen: „Das deutsche ist viel schwächer gewürzt als unseres“, meint Moffo Idriss. Außerdem servieren die Deutschen vor allem Rind- und Schweinefleisch, ihre Landsleute dagegen Ziege, Antilope, Schlange, Krokodil und sogar Hund und Katze – Löwe ist verboten.

Verhältnis zwischen Mann und Frau

Völlig anders ist auch das Verhältnis zwischen Mann und Frau: „Bei uns ist die Frau wichtige Beraterin, aber die Entscheidungen trifft letztlich der Mann“, sagt Stephane Fotsing. Und Norbert Gallin ergänzt: „In Deutschland haben die Frauen die Hosen an.“ Was die Kinder angeht: „Die sind hier ganz frech“, wundert sich Etse Kokou, „bei uns respektieren sie Vater und Mutter.“ Merkwürdig sei auch, dass die Deutschen anderen wenig über sich und ihre Familie mitteilen: „Wir sprechen ausführlich darüber, wie es uns und unseren Angehörigen geht – hierzulande wird dazu geschwiegen“, staunt Jules Mpako.

Untereinander sprechen die jungen Männer französisch, mit allen anderen jedoch deutsch, und zwar absolut fließend. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt der angehende Arzt Gallin dazu, „wenn man erst mal die Sprache kann, hat man die erste Hürde genommen. Von da an geht es ganz schnell mit der Integration und man gehört dazu.“

Von Hauke Rudolph

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