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DFB-Pokalverbot für Dynamo Dresden

Was sagen Göttinger dazu? DFB-Pokalverbot für Dynamo Dresden

Ein Urteil sorgt für Aufregung: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Dynamo Dresden wegen wiederholter Ausschreitungen der Fans für die Saison 2013/14 vom DFB-Pokal ausgeschlossen. In Göttingen stößt das Urteil einerseits auf Zustimmung, andererseits wird die Rolle und Verantwortung der Klubs unterschiedlich bewertet.

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Signal-Iduna-Park im Oktober 2011: Fans von Dynamo Dresden machen beim DFB-Pokalspiel in Dortmund auf sich aufmerksam.

Quelle: dpa

Göttingen. Zuletzt waren bei der Partie Dresdens in Hannover im Oktober 41 Straftaten, neun Verletzte und drei Festnahmen zu verzeichnen gewesen. Der DFB setzt damit vor der Abstimmung am Mittwoch zum Sicherheitskonzept der DFL ein Zeichen.

„Ich halte persönlich wenig davon, Vereine für die Fans in Regress zu nehmen. Die Klubs müssen eine Strafe zahlen, weil einige Wenige sich nicht an die Regeln halten“, sagt Burkhard Bartschat (47), Vorsitzender des Oberligisten RSV 05 und Polizist mit Stadion-Erfahrung, der auch schon mit Anhängern von Dynamo Dresden Kontakt hatte.

Ganzkörperkontrolle bis in die Unterhose

„Es wird immer einige Fans geben, die sich nicht lenken und leiten lassen.“ Vor allem auch Pyrotechnik habe im Stadion nichts verloren. „Das ist unheimlich gefährlich, da hilft nur Ganzkörperkontrolle bis in die Unterhose“ – in dieser würden nämlich die Einzelteile ins Stadion geschmuggelt. „Ich sehe ein, dass Konsequenzen gezogen werden müssen und habe Verständnis für das Urteil. Auf der anderen Seite tun mir die Klubs leid.“

Hans-Peter Suermann (63), Kämmerer der Stadt Göttingen und Fan von Hannover 96, unterstreicht, Dresdener Fans hätten nach Ausschreitungen wie beim Spiel in Dortmund bereits die „orangene Karte“ gesehen gehabt, also im Fußballdeutsch kurz vor Rot gestanden. „Wenn es dann so weiter geht, hilft alles nichts mehr. Dann muss die nächste Eskalationsstufe her. Ich weiß nicht, was da in den Köpfen vor sich geht.“ Andererseits handele es sich um ein gesellschaftliches Problem. „Je mehr Alkohol im Spiel ist und je größer die Gruppe ist, umso gefährlicher wird der Spaß.“

Man bekommt „nie hundertprozentigen Zugriff“

Philipp Rösner (45), in Duderstadt Streetworker und als 05-Fan Mitglied der Supporters Crew 05, ist im Hinblick auf das Urteil „zwiegespalten: Einerseits war es von den Fans nicht besonders klug, noch mal so ’ne Show abzuziehen. Andererseits ist es problematisch, die Vereine haftbar zu machen.“ Man bekomme „nie hundertprozentigen Zugriff“ auf die Fans. Dass in der „aufgeladenen Situation“ so ein Urteil gefällt wird, sei klar gewesen, eine Kollektivstrafe trotzdem ungerecht. „Ich finde es blöd, andere Fans mit zu bestrafen.“ Zukünftig müsse mehr Geld in Fanprojekte gesteckt werden. „Dresden bringt 14 000 Fans mit nach Hannover, und es gibt gerade einmal zwei Fanbetreuer.“

Die Klubs dürften die Verantwortung nicht auf die Gesellschaft schieben, und entweder man nehme den Dialog mit den Fans ernst, „oder es sind nur Lippenbekenntnisse. Dann darf man sich nicht wundern, wenn die sich gehen lassen.“ Mit der „Konfrontation“, etwa der Abschaffung von Stehplätzen oder der Abgabe von Personalausweisen, schaffe man Ruhe, aber keinen Frieden. Die Situation sei aber auch nicht zu dramatisieren: Die Anzahl der jährlich bei Fußballspielen verletzten Besucher sei gemessen an der Gesamt-Besucherzahl marginal. „So blöd wie das klingt.“

Von Eduard Warda

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