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Fußball vor Ort Die kuriose Geschichte des Göttingers Karl Zwickirsch
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15:53 19.01.2018
Karl Zwickirsch war Handball-Schiedsrichter aus Leidenschaft – seine Prüfungen absolviert er immer noch. Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen/Worbis

Die Passion des inzwischen 61-Jährigen zeigt sich, wenn er über die bisherigen Höhepunkte seines Lebens spricht. Dazu zählt Zwickirsch nämlich seine Hochzeit, die Geburt seiner Tochter, und – „auf etwa gleichem Level“, wie er betont – die B-Weltmeisterschaft der Frauen im Jahr 1985. Dort war er, natürlich, als Unparteiischer im Einsatz.

Zwickirschs Karriere begann mit einem Spiel der männlichen A-Jugend. Oder genauer: Mit einem affektiven Statement an einem Kneipenabend: „In unserem Verein hieß es, dass Schiedsrichter gemeldet werden müssen. Und da habe ich gesagt: Das kann ich auch“, erinnert er sich lachend. Der damals 18-Jährige hat dann „aber schon ordentlich Muffe gehabt, als ich das erste Mal allein auf die Spieler losgelassen wurde“.

Nur zwei Wochen nach dem erfolgreichen Nachwuchs-Spiel wurde Zwickirsch im Männer-Bereich eingesetzt, in der untersten Liga. Respekt der Spieler habe er im Laufe der Jahre auch deshalb geerntet, weil er immer ansprechbar war: „Mein Motto war immer: Während des Spiels habe ich das Sagen. Aber hinterher kann man gern mit mir reden und meine Fehler mit mir besprechen“, so der Dauerschiedsrichter, der seit Jahrzehnten in Grone lebt.

Ihm zufolge benötigt man als Referee neben einer „schnellen Auffassungsgabe“ eben diese Kritikfähigkeit: „Man muss Spielern unbedingt zuhören. Und man darf nicht der Versuchung erliegen, bereits nach wenigen Wochen wieder aufzuhören.“ Zwickirschs Ziel, seinen Job gut machen zu wollen, offenbarte sich spätestens Anfang der 90er-Jahre: Mit Videoaufnahmen analysierte er nicht etwa den Auftritt der Mannschaften – sondern seinen eigenen. „Mit meiner Frau hatte ich zu Hause auch einen harten Kritiker“, sagt der Schiri schmunzelnd.

Seine Tätigkeit führte ihn schließlich bis in die Oberliga, sie brachte ihn aber auch immer wieder zu einem Turnier nach Paris. Und dann war da noch ein Freundschaftsspiel des VfL Gummersbach, damals frisch gebackener Europapokalsieger, das Zwickirsch in den 80er-Jahren leiten durfte. Als Spieler mit dabei: der spätere Weltmeister-Trainer Heiner Brand. In den Folgejahren fungierte Zwickirsch als Schiedsrichter-Beobachter, als Schiedsrichter-Ansetzer, und er war Mitglied im Spielausschuss. Derzeit ist er beim SV Eintracht Worbis gemeldet.

Als amüsanteste Szene seiner Laufbahn bezeichnet der Göttinger einen Moment mit 40 Zentimetern Größenunterschied: „Einmal musste ich einem 2,14 Meter großen Spieler eine gelbe Karte zeigen. Und ich wusste überhaupt nicht, wohin ich zeigen soll“, berichtet Zwickirsch. Familiär ging es in einer Szene eines Kreisliga-Spiels zu. Zwickirschs Tochter, damals zwei Jahre jung, erblickte ihren Vater, rannte zum Referee auf das Spielfeld. Und ihr Vater zeigte Einfallsreichtum: „Ich habe sie hochgenommen und einfach mit ihr auf dem Arm weitergepfiffen.“

Seit 2015, nach inzwischen fünf Schlaganfällen, ist er als Schiedsrichter nicht mehr aktiv im Einsatz. Doch Zwickirsch sieht sich immer noch gern Spiele an. Und auch die regelmäßigen Schiedsrichter-Fortbildungen samt Prüfung absolviert der 61-Jährige nach wie vor jedes Jahr. „Mir würde sonst was fehlen“, sagt er.

2000 Spiele, jährlich etwa 50, von Kreisliga bis Oberliga, hat Zwickirsch geleitet. Er erhielt in dieser Zeit unzählige Wimpel und Pokale als Erinnerung. Und er schwelgt nur allzu gern in unvergesslichen Szenen: „Die WM der Frauen war das Highlight schlechthin. Diese Momente, in denen ich vor internationalem Publikum pfeifen durfte und in denen allein für uns die Nationalhymne ertönte, kann mir niemand nehmen.“

Von Timo Holloway

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