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„Du kannst den Schalter nicht wieder umlegen“

Matthias Weise „Du kannst den Schalter nicht wieder umlegen“

Wie kann so etwas passieren? Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft führt in der WM-Qualifikation gegen den Gruppengegner Schweden mit 4:0 und muss sich nach desolaten 30 Minuten noch mit einem 4:4 begnügen. 

Göttingen. Matthias Weise, ehemaliger Göttinger Fußballer und jetzt Trainer des Bezirksligisten Tuspo Weser Gimte, weiß die Antwort. In der Hinrunde der vergangenen Saison führte seine Mannschaft im Heimspiel gegen den SSV Nörten-Hardenberg mit 5:0, um sich dann mit einem 5:5 zufrieden geben zu müssen. „Nach dem Treffer zum 4:2 kannst du als Trainer nicht mehr eingreifen“, sagt der 43-Jährige über das Spiel der DFB-Elf.

Während der Partie hatte eine SMS die andere gejagt, berichtet Weise. „Das wird doch nicht genauso laufen wie unser Spiel gegen Nörten“, hätten Tuspo-Spieler geunkt. Auch gegen Nörten fiel der letzte Gegentreffer kurz vor dem Abpfiff. Weise hatte hilflos mitansehen müssen, wie sein Team innerhalb einer halben Stunde eine 5:0-Führung verspielte.

"Als Trainer lernst du"

„Die Spieler sind sich in einer solchen Situation zu sicher und nehmen das Spiel auf die leichte Schulter. Das ist aber schon tödlich. Denn wenn du einmal abschaltest, kannst du den Schalter nicht wieder umlegen“, unterstreicht Weise. „Du beginnst nachzudenken und spielst plötzlich nicht mehr das, was du kannst. Und dann ist jede Situation im eigenen Strafraum gefährlich.“ Nach dem 5:5 gegen Nörten habe er zu seiner Mannschaft gesagt: „Wenigstens haben wir nicht verloren.“ Was klingt, wie ein schwacher Trost, ist völlig ernst gemeint. „Hätte das Spiel fünf Minuten länger gedauert, hätten wir das 5:6 gekriegt.“

Als Coach habe er von der Begegnung gegen Nörten-Hardenberg profitiert, sagt Weise. „Du lernst aus diesen Dingen. Als Trainer hält man danach eine andere Halbzeitansprache.“ Seitdem predige er seinen Akteuren stets, bis zur letzten Minute hellwach zu sein. „So dämlich der Spruch auch ist, aber das Spiel dauert 90 Minuten.“

Beim 2:4 war es zu spät

Schön sei zu sehen, dass im bezahlten Fußball oder bei der Nationalmannschaft „dieselben Mechanismen greifen wie in der Bezirksliga, mit dem Unterschied, dass die Millionen verdienen“. In Zukunft könne er als Trainer eine Partie wie das 4:4 der Deutschen gegen die Schweden als Negativbeispiel heranziehen: „Jungs, denkt an das Schweden-Spiel.“

Nörten hatte in der 58. Minute den ersten Treffer erzielt, für Schweden traf Ibrahimovic in der 62. Minute zum 1:4. „Beim 1:4 hätte sich Löw aufregen müssen, beim 2:4 war es schon zu spät“, sagt Weise. „Du kommst aus dem Sumpf nicht mehr heraus.“ Seine Spieler hätten nicht umsonst so viele SMS verschickt. „Wir haben es erlebt“, sagt Weise.

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