Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Elf Kilometer pro Spiel, danach „mental groggy“

Schiedsrichter Florian Meyer Elf Kilometer pro Spiel, danach „mental groggy“

Bei der letzten Zuschauerfrage könnte man eine Stecknadel fallen hören: Wie hat Bundesliga-Schiedsrichter Florian Meyer seine Fehlentscheidung im Spiel der Fußball-EM zwischen Kroatien und Spanien erlebt, über die halb Europa diskutiert hat? Der 43-Jährige war Torrichter und ganz nah dran am Foul eines Spaniers – zu nah

Voriger Artikel
Eichsfeldvertreter messen sich mit Spitzentrio
Nächster Artikel
Gimte nicht davonziehen lassen

Man in Black: Florian Meyer zählt zu den profiliertesten deutschen Schiedsrichtern.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. „Dann kommt man zum falschen Schluss. Ich habe nur den Pressschlag gesehen, nicht mehr das Foul.“ Der ideale Abstand sei sieben bis acht Meter. Meyer spricht in der Alten Fechthalle auf Einladung der Göttinger Wirtschaftsjunioren. Thema: „Schnell und sicher entscheiden.“
Die Fechthalle ist fast vollbesetzt: Rund 200 Zuhörer haben sich eingefunden, der Frauenanteil beträgt weniger als fünf Prozent.

Meyer wird von der ersten Minute an seinem Image als positiv Verrückter gerecht – am liebsten erzählt der Burgdorfer einfach nur von seinem Job und wirbt um Verständnis für seine Zunft. Dabei versteht er es aber gleichzeitig geschickt, Analogien zwischen Unternehmensführung und Schiedsrichtertum herzustellen.

Eine identische Szene kann einmal mit einer Ermahnung, ein anderes Mal mit Gelb-Rot geahndet werden, sagt Meyer. „Wenn es bereits viermal Gelb gab, ist eine Grenze überschritten.“ Wie ein Manager müsse auch ein Unparteiischer Trends erkennen: Verteidiger, die sich heute breiter machten, um wendige Stürmer in Schach zu halten, und dabei Gefahr liefen, ein Handspiel zu begehen. Oder „Mobbing des Gegenspielers“: Unter dem Vorwand, dem gegnerischen Akteur hoch zu helfen, werden ihm Gemeinheiten ins Gesicht gesagt.

Elf Kilometer lege er pro Spiel zurück, davon zwei im Sprint. 500 Richtungswechsel hat er nach der Partie hinter sich – wenn es zu temporeich ist, stellt er sich beim Freistoß auch mal vor den Ball, verzögert so die Ausführung und atmet durch: Geschichten aus dem Nähkästchen, die auf das besondere Interesse der Zuhörer stoßen.

Vor allem sei er nach einer Partie aber „mental groggy“. Meyer muss innerhalb von Sekundenbruchteilen richtig entscheiden, hat dabei nur einen Blickwinkel und keine drei Kameraperspektiven zur Verfügung. Videos von kniffligen Situationen und eine Abstimmung im Publikum mit anschließender Auflösung belegen, wie schwierig dieser Job ist. Dabei sei es nicht mehr als eine Legende, dass deutsche Referees bei internationalen Spielen großzügiger pfeifen. Vielmehr verhielten sich die Spieler mitunter anders, zivilisierter. Froh sei er in jedem Fall, wenn Medienvertreter nach einer Partie nicht wegen umstrittener Szenen an die Tür der Schiedsrichter klopfen.

Bei der EM, bei seiner Fehlentscheidung, war das anders. „Das war, als ob mir der Boden unter den Füßen wegbricht, wie ein entscheidender Strafstoß, den du vergibst.“ Selbstkritik und Selbsterkenntnis sind wichtige Eigenschaften eines Schiedsrichters – und sie tun schließlich auch einem Manager gut.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Vortrag in Geiststraße

„Schnell und sicher entscheiden“. Unter diesem Motto steht ein Vortrag von Fifa-Schiedsrichter Florian Meyer. Der 43-Jährige spricht auf Einladung der Wirtschaftsjunioren Göttingen und des Göttinger Wirtschaftsclubs. Die Veranstaltung beginnt am morgigen Donnerstag, 1. November, um 19 Uhr in der Alten Fechthalle an der Geiststraße 6 in Göttingen. Der Einlass beginnt um 18.30 Uhr.

  • Kommentare
mehr
Alle Verein der 1. Bundesliga im Quotenvergleich von SmartBets.
Noch mehr Fußball