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Fußball vor Ort Erster Fußballverein: Göttinger lassen sich zehn Jahre Zeit
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Erster Fußballverein: Göttinger lassen sich zehn Jahre Zeit
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00:18 15.04.2013
Göttingens erste Fußball-Mannschaft: die Spieler des Göttinger Fußball-Clubs 1898 mit Gründer Erich Germar (stehend, 5.v.l.). Quelle: EF
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Göttingen

Dort mussten noch weitere zehn Jahre vergehen, ehe erstmals gegen das runde Leder getreten wurde.

Eine Gruppe junger Männer um den Abiturienten Erich Germar rief am 2. Juli 1898 im „Krug zum Grünen Kranze“ (damals wie heute Rote Straße 17) den Göttinger Fußball-Club 1898 ins Leben, der am 15. Oktober zu seinem ersten Spiel auflief. Gegner war der BC Sport Kassel, gespielt wurde – laut Lokalpresse – auf „der städtischen Wiese hinter der städtischen Turnhalle“.

Die Initiatoren waren Schüler der Kaiser-Wilhelm-II.-Oberrealschule (heute Felix-Klein-Gymnasium), die von einem in Göttingen studierenden Engländer namens Onween mit dem Fußball vertraut gemacht worden waren. Wie überall, war der Fußball in Göttingen zunächst dem Bildungsbürgertum vorbehalten, erhielt er seine Ausprägung als Arbeitersport erst später.

Wo die ersten Bälle herkamen, ist nicht überliefert, und das einzige vorhandene Bild zeigt an schwere Medizinbälle erinnernde wuchtige Lederkugeln.

Das hehre Ansinnen schlug fehl

Es war nicht der erste Versuch, eine Art Fußballspiel in Göttingen einzuführen. Bereits 1879 hatte sich ein „Fußball-Verein des Gymnasiums“ konstituiert, der aber ausschließlich Rugby betrieb, das seinerzeit im deutschen Sprachgebrauch „Fußball“ genannt wurde. Nachdem er 1890 aufgelöst worden war, dominierte, wie überall im Deutschen Reich, auch in Göttingen wieder das Turnen die Leibesübungen.

Erich Germar und seine Mitstreiter wollten das ändern. „Der Göttinger Fußball-Club hat es sich zur Aufgabe gestellt, das herrliche Fußballspiel, welches in den Nachbarstädten Hannover, Kassel, Braunschweig und überhaupt in ganz Deutschland in solcher Blüte steht, zu fördern und durch Bewegung in frischer Luft auf dem grünen Rasen einer gesunden Entwicklung des jugendlichen Körpers Vorschub zu leisten“, berichtete die „Göttinger Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom 30. Oktober 1898.

Das hehre Ansinnen schlug jedoch fehl. Nicht nur, dass das erste Spiel mit 0:5 verloren ging – der Verein schlief anschließend ein und Göttingen war erneut ohne Fußballklub.

Das änderte sich erst am 30. Juni 1905, als der gebürtige Hann. Mündener August Fahrenholz zur Gründung eines neuen Fußballvereins in die Gaststätte „Zum Anker“ (Rosdorfer Weg) einlud. Mit dem Göttinger FC 1905 entstand seinerzeit der Vorläufer des späteren 1. SC 05, in dessen Nachfolge heute der Oberligist RSV 05 steht.

Abermals waren die Gründer überwiegend Schüler der Kaiser-Wilhelm-II.-Realschule. Darunter war Erich Nehrkorn, dessen Vater einen heute noch existierenden Zigarrenladen in der Weender Straße führte, der jahrzehntelang Treffpunkt der 05er war. Die Schwarz-Gelben etablierten sich als erster Fußballverein der Stadt, dessen Farben sie auch trugen.

Göttingia und Sport 08 vereinten sich 1919 zur SVG

Zunächst auf der Bunsenwiese und dann auf dem Exerzierplatz der Neuen Kaserne an der Sternstraße spielend, bezog man 1907 ein Gelände hinter dem Bahnhof, auf dem später das Maschparkstadion entstand (heute steht dort die BBS III).

Während 05 1907/08 erstmals an Meisterschaftsspielen teilnahm, bildete sich im Mai 1907 mit dem Mechaniker FK ein weiterer Verein in Göttingen. Der von Schülern der Gewerbeschule gegründete Klub fusionierte noch im selben Jahr mit dem kurz zuvor gebildeten FC Germania zum FC Göttingia, einer der Stammvereine der heutigen SVG.

Deren zweite Säule war der 1908 gebildete FC Sport 08, Göttingens dritte Fußballkraft bis zum Ersten Weltkrieg. Göttingia und Sport vereinten sich 1919 zur SVG.

Auch in Hann. Münden und Duderstadt entstanden noch vor dem Ersten Weltkrieg Fußballklubs. In Münden wurde 1906 mit der Victoria der Stammverein des heutigen FC Werder gegründet, in Duderstadt wurde 1908 mit dem FC 08 der Vorgänger des heutigen VfL Olympia 08 aus der Taufe gehoben.

Zum Volkssport – und zum Arbeitersport – wurde Fußball aber erst nach dem Ersten Weltkrieg, als auch im Landkreis zahlreiche Vereine entstanden.

Von Hardy Grüne

Zur Person

Hardy Grüne ist Journalist und Autor von Sport- und insbesondere Fußballbüchern. Wohnhaft in Langenhagen bei Duderstadt, gilt der 50-Jährige als „Gedächtnis des Fußballs“.

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