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Fußball vor Ort Fifa und Reformeifer: „Ein Widerspruch in sich“
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Fifa und Reformeifer: „Ein Widerspruch in sich“
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00:17 18.02.2013
Thema Spielmanipulation: dargestellte Szene aus dem Miniaturwunderland in Hamburg. Quelle: dpa
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Bei der Veröffentlichung der Europol-Erkenntnisse zum Fußball-Wettskandal wurde in der vergangenen Woche von der „Spitze des Eisbergs“ gesprochen. Was ist noch zu erwarten?

Die große Anzahl an Fällen hat ein etwas künstliches Medieninteresse hervorgerufen. Dabei hatten wir in Deutschland bereits vor acht Jahren den Fall Hoyzer (Schiedsrichter-Skandal im deutschen Fußball, Anm. d. Red.), den der DFB künstlich runterspielen wollte: Hoyzer sei ein Einzelfall und kein Problem. Experten wie zum Beispiel Journalisten, die sich mit dem Thema befasst haben, denken hingegen, dass es sich um einen ganz, ganz tiefen Sumpf handelt. Was mich vor allem stört ist, dass die Strippenzieher nicht dingfest gemacht werden können, weil ein Land wie Singapur die Täter, die auf Interpol-Fahndungslisten stehen, nicht ausliefert.

Sie haben gesagt, der Fisch stinke vom Kopf her. Was werfen Sie der Fifa vor?

150 Länderspiele sollen verschoben worden sein, ohne dass nationale Verbände etwas gewusst haben wollen. Das kann nicht sein. Wenn die Fifa und die nationalen Verbände systematisch hingeschaut hätten, wäre keine solche Lawine entstanden. Außerdem stehen die maßgeblichen Figuren unter dem Schutz von Politikern. Wenn Blatter (Fifa-Chef Joseph Blatter, Anm. d. Red.) wollte, könnte er von Singapur fordern: Liefert mir den und den aus! Stattdessen belohnt er Singapur auch noch mit einem Ausbildungsprojekt. Das ist ein absoluter Witz, ein Widerspruch in sich.

Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

Starke nationale Verbände der Fifa wie der DFB müssen darauf drängen, dass Verbände wie Singapur nicht ungeschoren davonkommen, mit Sanktionen belegt oder notfalls ausgeschlossen werden. Es muss spürbare Konsequenzen geben. Und es muss ein Konzept erarbeitet werden, bei dem Aufklärung von außen geschieht. Dazu ein Beispiel: Es hat sich rund um Manipulationen von Fußballwetten eine regelrechte Aufklärungsindustrie entwickelt. In Katar beispielsweise ist das „International Centre for Sport Security“ entstanden. Und wer sitzt da drin? Familienangehörige von Blatter und Platini (Michel Platini ist Präsident des Europäischen Fußballverbandes Uefa, Anm. d. Red.)! Die profitieren dann noch von den Wettmanipulationen, die sie vorgeben, aufklären zu wollen. Der deutsche Verband sollte ein Konzept erarbeiten und einen Antrag bei der Fifa stellen, denn das Problem wird nicht dadurch gelöst, das die Fifa 20 Millionen Euro für ein Ausbildungsprojekt nach Singapur überweist. Es müssen aber wahrscheinlich erst die Zuschauerzahlen in Deutschland einbrechen, ehe man sich auf deutscher Seite ernsthaft Gedanken macht.

Was muss sich an der Fifa-Spitze ändern?

Ein Neustart kann erst erfolgen, wenn man personelle Änderungen bereits hinter sich gebracht hat. Was fehlt, ist ein unabhängiges Kontrollgremium. Solange es in der Schweiz (Die Fifa hat ihren Sitz in Genf, Anm. d. Red.) keine Veränderung gibt und der Sport autonom bleibt, gibt es keinen richtigen Hebel. Es müssen rechtliche Möglichkeiten für Sanktionen geschaffen werden. Blatter wird alles daran setzen, die Reformen intern durchzuführen, um seinen Kopf erneut aus der Schlinge zu ziehen und als Saubermann dazustehen.

Ist im modernen Profi-Fußball einfach zu viel Geld im Spiel?

Die Fifa hätte die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen. Aber was macht sie? Sie erhöht den Druck auf die Länder, die Weltmeisterschaften ausrichten. Die Bürgschaften, die ein Ausrichter-Kandidat gewährleisten muss, sind ja fast nicht zu bezahlen. Und dann fordert dieser Milliardenkonzern Fifa eine Steuerbefreiung und bekommt sie auch noch. Das ist abwegig. Es müsste eine Übereinkunft geben, dass die Fifa genauso Steuern zahlen muss. Wozu das führt, ist folgendes: Ein nordkaukasischer Verein wie der Gegner von Hannover 96, Anschi Machatschkala, kann es sich auf Grund von Steuervorteilen leisten, einem Spieler jährlich 20 Millionen Euro zu bezahlen. So etwas verzerrt auch das europäische Preisgefüge. Es müsste eine Obergrenze eingezogen werden. Der Ansatz des Financial Fair Play geht in die richtige Richtung, und es wird Zeit, dass dieser zur Anwendung kommt. Vor allem die konsequente Umsetzung der Vorgaben wird entscheidend sein.

Was kann die Politik tun?

Die Politik sollte ihre Kontrollfunktion wahrnehmen, der sich der Sport nicht länger entziehen darf. Das heißt, Reformen müssen mit gesetzlichem Druck angeschoben werden. In der Schweiz, die stets Angst um ihr Ansehen hat, ist das Problem allerdings noch nicht angegangen worden. Und ich fürchte, wenn wir schon kein Steuerabkommen hinkriegen, wird es beim Thema globaler Fußballmarkt noch schwerer.

Zum Schluss aus aktuellem Anlass: Was halten Sie davon, dass es zukünftig bei Olympischen Spielen kein Ringen mehr geben soll?

Während sich der moderne Fünfkampf seit 20 Jahren aufgrund der guten Lobby-Arbeit retten kann, hat Ringen einfach eine schlechte Lobby. Keuchende, kräftige Männer lassen sich eben nicht so gut verkaufen. Dabei kommt Ringen sogar in der olympischen Hymne vor. Ringen aus dem Programm zu nehmen, wäre für Olympia so etwas wie eine Kastration und der größte Fehler des IOC (Internationales Olympisches Komitee, Anm. d. Red.). Ich hoffe, die Entscheidung wird noch rückgängig gemacht.

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