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Fußball vor Ort Fußball-Wettskandal: Umfrage zu Europol-Ermittlungen
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Fußball-Wettskandal: Umfrage zu Europol-Ermittlungen
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21:01 04.02.2013
Fußball und Sportwetten: Europol hat nach eigener Aussage 380 manipulierte Spiele aufgedeckt. Quelle: dpa
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Göttingen

Europol spricht von der Spitze des Eisbergs, Experten aus der Region sehen das ähnlich.

„Es ist nicht der erste Skandal und wird auch nicht der letzte sein“, sagt Attila Kaplan, Spielertrainer des ESV Rot-Weiß und früher Inhaber eines Wettbüros in der Göttinger City. „Leuten, die regelmäßig Sportwetten verfolgen, fällt durchaus auf, dass einige Spiele nicht legal laufen“, berichtet der 38-Jährige.

Als Beispiel nennt er Zweit- oder Drittligaspiele in der Türkei, also Ligen, „auf denen nicht das Hauptaugenmerk liegt“, Manipulation leicht fällt. „Die Spieler verdienen wenig und sagen sich: Bevor ich auf den Platz gehe, wette ich doch gegen mein eigenes Team“.

„Da geht vieles nicht mit rechten Dingen zu“

Setzen könne man auch auf Platzverweise, Elfmeter oder darauf, dass ein Team zur Halbzeit zurückliegt und noch gewinnt, spielt er auf einen Fall in der Türkei an. „Das geht aus von privaten Anbietern im Internet. Da kann man, glaube ich, nichts machen“. Das eigentliche Problem sei jedoch größer: „Im Sport geht es heute einfach um viel Geld. Warum ist die WM nach Katar vergeben worden? Da geht vieles nicht mit rechten Dingen zu“.

Asmus Weber, Sponsoringleiter von Lotto Niedersachsen, weist darauf hin, dass man als staatlicher Wettanbieter mit der Sportwette Oddset „stark reglementiert“ ist und beispielsweise keine Wetten auf das nächste Foulspiel anbieten darf. „Solche Wetten sind, glaube ich, nicht so gut“, sagt er.

Ein „bisschen merkwürdig“ findet er an der aktuellen Entwicklung, dass offenbar auch Champions-League-Begegnungen und Länderspiele betroffen sind. „Auf so einer hohen Ebene hat es das noch nicht gegeben, und deshalb würde ich gern abwarten, ob es sich dabei nicht doch um Spekulationen  handelt“.

„Betrug am Zuschauer und an den Sponsoren“

Es sei nämlich schlichtweg nicht vorstellbar, dass „Spieler, die richtig viel Geld verdienen“, in Manipulationen verwickelt sind. Eher könne man sich so etwas in den „ganz unteren Klassen“ vorstellen. Der Markt der Sportwetten ist „weltweit schwer zu beherrschen“, glaubt Jan Steiger, Manager des Oberligisten RSV 05, der selbst dann und wann tippt. „Je weniger Geld die Spieler verdienen, umso empfänglicher sind sie für Manipulationen“.

Hierzulande könne man in den unteren Ligen nur drei bis vier Spiele im Paket tippen, berichtet er – eine Art präventive Maßnahme. Steiger ist der Meinung, dass Wett-Manipulationen den Sport ähnlich „kaputt machen“ wie Doping. „So etwas ist Betrug am Zuschauer und an den Sponsoren“, sagt er. Er selbst habe noch nie auf ein Foul oder einen Elfmeter gewettet. „Wenn ich tippe, dann nur auf Siege von Schalke 04 und vom RSV 05“.

„Das Geld lockt immer wieder“, unterstreicht Tobias Dietrich, ehemaliger 05-Akteur und Trainer des Bezirksligisten Germania Breitenberg. „Gerade in Ländern, in denen Fußball nicht so gut bezahlt wird, ist das ein Problem, das man nie wird eindämmen können.“ Er selbst habe früher immer mal getippt, aber niemals etwas gewonnen. Jetzt wettet er nicht mehr. „Ich tippe nicht, denn der Fußball ist unberechenbar, und so soll es bleiben“, sagt er.

Von Eduard Warda

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