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Kuriose Serie: Wer 2:0 führt, der stets verliert?

Fußball Kuriose Serie: Wer 2:0 führt, der stets verliert?

Knut Nolte muss laut lachen: Innerhalb von sechs Tagen hat die Mannschaft des SVG-Trainers zweimal ein nicht ganz alltägliches 3:2-Spiel absolviert. Mittwoch vergangener Woche drehte die Sandweg-Elf innerhalb von nur zehn Minuten noch ein 0:2 gegen den FC Grone, vorgestern unterlag die SVG im Bezirkspokal Sparta trotz eines 2:0 (70.) noch mit 2:3. „Kurios“, sagt Nolte und lacht darauf angesprochen – auch wenn ihm nach dem 2:3 am Dienstag nicht nach Lachen zu Mute ist.

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Von wegen „der Sack ist zu“: Nach der 2:0-Führung gegen Sparta verlor die Elf um Krzysztof Podolczak, Grzegorz Podolczak und Alexander Hafner (v. l.) mit 3:2.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Die beiden Spiele mit SVG-Beteiligung sind nicht die einzigen, die in den letzten sieben Tagen trotz eines 2:0-Vorsprungs noch gedreht wurden.

Am Sonnabend war es der SCW, der aus einem 0:2 gegen Sparta noch ein 3:2-Sieg machte. Können die Göttinger Fußballer kein 2:0 mehr über die Zeit bringen? Oder gilt die unbarmherzige Weisheit: Wer 1:0 führt, der stets verliert?

„Der Spruch ist Quatsch“, sagt der Berliner Sportpsychologe Markus Flemming. Das sei reine selektive Wahrnehmung – wie im Supermarkt, wo man immer an der längsten Kasse stehe. Verliert man trotz 1:0-Führung, merke man sich das, die Siege nach einem Vorsprung hingegen nicht.

Laut Flemming ist das Aus-der-Hand-geben einer Führung „reine Kopfsache. Da setzt bei der Mannschaft irgendwann das Denken ein, man schaut auf die Uhr und hat ein ,jetzt bloß kein Gegentor‘ im Kopf“, sagt der ehemalige Eishockey-Torwart, der mit Düsseldorf zwei Mal Deutscher Meister war. Das erfolgsorientierte Denken ginge verloren, und die Spieler versuchten nur noch, den Misserfolg zu vermeiden.

Plötzlich wird aus einer forschen Spielweise eine zögerliche. „Man wird langsamer, zieht sich zurück und lädt den Gegner zum Toreschießen ein“, sagt Flemming.

„Eine ganz andere Manschaft“

Beim Pokal-Aus der SVG hätten aber auch noch andere Faktoren eine Rolle gespielt, sagt Nolte: „Wir waren müde vom Spiel am Wochenende und haben mit einer ganz anderen Mannschaft gespielt, etwa einer komplett neuen Innenverteidigung.“ Trotzdem dachte der SVG-Coach, dass nach dem 2:0 „der Sack zu ist. Stattdessen waren wir offen wie ein Scheunentor.“

Psychologische Faktoren hätten aber durchaus eine Rolle gespielt. „Wir waren unkonzentriert und vielleicht auch etwas überheblich“, sagt Nolte. Hat der Landesligist den Bezirksligisten Sparta unterschätzt? „Die waren auf jeden Fall besser und haben verdient gewonnen“, gibt der SVG-Trainer zu. „Wir waren einfach pomadig.“

In der Vorwoche sah das noch ganz anders aus. Bis zur 80. Minute hatte der FC Grone im Landesligaderby gegen die SVG geführt. Nach einem Foul des FC-Torwarts gab es Elfmeter, den Grzegorz Podolczak zum 1:2 verwandelte. „Dann haben wir die zweite Luft bekommen, und deren Köpfe gingen runter“, sagt Nolte. „Alle wollten noch gewinnen.“

Gegen Grone spielte eine weitere wichtige Komponente eine Rolle, die half, die Partie noch zu drehen: die Gruppendynamik. „Wenn erst einmal der Anschlusstreffer gefallen ist, bekommt die führende Mannschaft vielleicht Nervenflattern, die andere läuft plötzlich schneller und fängt an, wieder an den Sieg zu glauben“, sagt Flemming. Wichtig seien in solch einer Situation Führungsspieler als „Motivationsregulierer“: Bei der einen Mannschaft, um Ruhe zu bewahren und das Spiel zu Ende zu spielen, bei der andern, um die Mitspieler noch einmal mitzureißen.

„Ein Führungsspieler kann dafür sorgen, dass seine Mannschaft die richtige Einstellung hat – egal ob es gegen Pfaffenhausen geht oder Mailand“, sagt Flemming.

Der Kopf ist beim Fußball demnach nicht zu unterschätzen. Das wusste schon Trainer und Hobby-Psychologe Christoph Daum, der einst sagte: „Wenn der Kopf funktioniert, ist das wie ein drittes Bein.“

Von Michael Becker

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