Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Fußball vor Ort Schrecken seiner Gegner: Stürmer Yusuf Beyazit
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Schrecken seiner Gegner: Stürmer Yusuf Beyazit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 30.12.2012
Stolzer Vater: Ein Bild seines Sohnes Lian hat Yusuf Beyazit immer dabei. Quelle: Theodoro da Silva
Anzeige
Lenglern

Damit übertraf der Schrecken der gegnerischen Torhüter seinen Rekord aus der Saison 2011/12, als er in der ersten Halbserie 36 Treffer erzielte. Am Ende kam er auf 69 Tore und hatte damit wesentlichen Anteil am Aufstieg der SG von der 1. Kreisklasse in die Kreisliga. Herausragend in der laufenden Saison, in der Lenglern zur Winterpause Platz zwei belegt (ein Punkt hinter Spitzenreiter Bovenden), waren Beyazits fünf Treffer beim 6:1-Sieg der SG beim FC Grone II.

Den häufig vorgebrachten Einwand, für ihn als langjährigen Oberligaspieler sei es sei ja kein Kunststück, drei Klassen tiefer so erfolgreich zu sein, lässt der 34-Jährige nicht gelten: „Ich glaube, es ist sogar schwieriger, weil die Trainer der gegnerischen Mannschaft jeweils ihren besten Manndecker oder sogar zwei auf mich ansetzen. Da musst du dich erst mal durchbeißen. Aber natürlich ist mein Erfolg auch ein Verdienst der Mannschaft. Ohne die Mitspieler, die mich in Szene setzen, wäre das nicht möglich“, fügt Beyazit hinzu, der sich in der Position als hängende Spitze pudelwohl fühlt.

Mit dem von ihm bewunderten Lionel Messi will er sich nicht vergleichen. Fakt ist aber, dass der argentinische Superstar des FC Barcelona für seinen Weltrekord von 91 Toren 69 Spiele brauchte und damit auf 1,32 Treffer pro Partie kommt, während es Beyazit auf 3,0 Tore pro Match bringt.

Torinstinkt auch in der Halle

Von seinem Torinstinkt profitiert die SG Lenglern auch in der Halle. Beim Turniersieg in Adelebsen war er mit 13 Treffern Torschützenkönig. Allerdings hätten ihm Hallenturniere früher mehr Spaß gemacht. „Da wurde mehr gespielt. Heute wird fast nur noch gegrätscht. Das nervt und erhöht das Verletzungsrisiko. Außerdem stecken mir die Turniere zunehmend in den Knochen.

Das ist wohl das Alter“, sagt er lachend.Auf Hallenturniere verzichten will Beyazit, der hauptberuflich im Autozubehör-Handel tätig ist, deshalb aber nicht. Beim heute beginnenden Turnier in der Sparkassen-Arena um den Pokal des Göttinger Oberbürgermeisters mischt er ebenso mit wie Anfang Januar in Bovenden und Rosdorf.

Mehr noch freut er sich aber auf die Rückrunde in der Kreisliga. „Solange ich gesund bin, werde ich weiter spielen. Fußball ist halt mein Leben“, stellt er klar. „Abgesehen von meiner Familie natürlich“, beeilt er sich hinzuzusetzen, zückt sein Smartphone und zeigt stolz das Foto seines Sohnes Lian, der am 19. Dezember ein Jahr alt geworden ist.

Kind und Kegel

Mit ihm und Ehefrau Vera lebt der 34-Jährige bei den Schwiegereltern im nordhessischen Marzhausen. Ebenfalls zur Familie gehört Milo. Der Maremmano, eine italienische Hirtenhundrasse aus den Abruzzen, ist zwar erst eineinhalb Jahre alt, hat aber schon eine Schulterhöhe von fast 70 Zentimetern.

Yusuf war zwei Monate jünger als sein Sohn jetzt, als seine Mutter mit ihm und ihren beiden älteren Söhnen 1978 aus der türkischen Stadt Elazig, im Grenzgebiet zwischen Irak und Iran gelegen, ihrem Ehemann nach Deutschland folgte. „Der Vater von Ali Karakaya hatte meinen Vater überredet, hierher zu kommen, um zu arbeiten“, erzählt Yusuf.

Sein Vater fand einen Job als Dachdecker in Adelebsen, wo die Familie immer noch lebt, und wechselte später zu einer Firma in Göttingen. Drei weitere Beyazit-Söhne kamen in Adelebsen zur Welt, weil, so Yusuf, „meine Eltern unbedingt eine Tochter haben wollten. Das hat aber nie geklappt, und nach sechs Jungen haben sie es aufgegeben.“

Alle sechs, heute zwischen 41 und 26 Jahre alt, entwickelten sich zu leidenschaftlichen, technisch starken Fußballern, die sich beim TSV Adelebsen ihre ersten Sporen verdienten und später alle in höherklassigen Vereinen der Region spielten. Yusuf blieb bis zur B-Jugend beim TSV und wechselte dann zur SVG, für deren erste Herren er vier Jahre spielte, zuletzt in der Oberliga, bis ihn ein Mittelfußbruch stoppte.

Ausbildung statt Werder, Eintracht und SC

Werder Bremen, SC Karlsruhe und Eintracht Braunschweig hätten zwischenzeitlich Interesse gezeigt. Doch daraus sei nichts geworden, auch weil er damals seine Ausbildung nicht unterbrechen wollte, um Profi zu werden. „Manchmal denke ich, dass ich es vielleicht hätte riskieren sollen. Andererseits bin ich sehr zufrieden, wie es bei mir gelaufen ist, privat, sportlich und beruflich“, versichert Beyazit.

An einen Wechsel in die Türkei, die Heimat seiner Eltern, habe er nie gedacht. „Ich bin durch und durch Deutscher. In die Türkei fahren wir nur, um Urlaub zu machen – und dann sagen die Leute: Die Deutschen kommen“, lacht Yusuf.

Die nächste Station des Bayern-München- und FC-Barcelona-Fans war der TSV Holtensen, in deren von Wilfried Rusteberg trainierter Niedersachsenliga-Mannschaft er drei Jahre stand. Es folgten fünf Jahre bei Sparta, mit der er von der Bezirks- bis in die Niedersachsenliga aufstieg. „Dann hatte ich Knatsch mit zwei Spielern. Franz Gerber wollte mich nach Goslar holen, doch da Sparta eine horrende Ablöse verlangte, ging ich zurück nach Holtensen“, berichtet Yusuf.

Vielleicht noch der Aufstieg

Dort stand er in der legendären Beyazit-Saison mit vier seiner Brüder auf dem Platz, denn bis auf Özkan, der beim RSV 05 unter Vertrag stand, hatten sich alle dem TSV angeschlossen. Als 30-Jährigen zog es Yusuf ein weiteres Mal zur SVG. Die schmerzhafteste Erinnerung war ein Schienbeinbruch (Beyazit: „Ich weiß noch genau, das war am 11.11.2009“), der ihn vier Monate außer Gefechte setzte. Rechtzeitig zu den Relegationsspielen zur eingleisigen Oberliga war er zurück.

Doch die von Djordje Curcic gecoachten Schwarz-Weißen scheiterten, und Beyazit ließ sich von seinem Freund und ehemaligen SVG-Teamgefährten Dirk Tauber überreden, zu der von ihm trainierten SG Lenglern in die 1. Kreisklasse zu kommen.

„Ich habe es nicht bereut. Die Stimmung im Team ist super, wir machen auch außerhalb des Platzes viel zusammen – und wer weiß: Vielleicht schaffe ich mit Lenglern ja auch noch den nächsten Aufstieg“, sagt Beyazit und unterstreicht damit, dass ihn sportlicher Ehrgeiz immer noch antreibt. In der Bezirksliga könnte er dann auch im Kampf um den Torjäger-Pokal des Tageblattes mitmischen und gegen seinen Bruder Özkan antreten.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Mit den Spielen von drei Vorrundengruppen (Sparkassen-, Klartext- und Ruch-Gruppe) beginnt am Freitag die 32. Auflage des Göttinger Hallenfußballturniers um den Wanderpokal des Oberbürgermeisters. Beginn in der Sparkassen-Arena ist um 17 Uhr mit der Partie zwischen der SVG und dem SC Hainberg.

26.12.2012

Hallenfußball in Südniedersachsen mal ganz anders: Vier Mannschaften aus dem Fußball-Kreis – drei Kreisligisten und ein Vertreter der 1. Kreisklasse C – haben am Sonntag den Sieg beim 23. Günther-Brosenne-Turnier des TSV Adelebsen unter sich ausgemacht. Am Ende setzte sich verdient der Kreisligist SG Lenglern durch, der den Gastgeber und Liga-Konkurrenten FC Lindenberg-Adelebsen im Finale mit 4:2 schlug.

20.12.2012

Der offizielle Rückrundenauftakt der Fußball-Kreisliga fiel ins Wasser. Lediglich die Spiele des TSV Seulingen gegen die SG Lenglern (0:5) und des FC Grone II gegen Grün-Weiß Hagenberg (2:2) konnten angepfiffen werden. Die restlichen Partien wurden am Sonntag, 18. November, neu angesetzt.

14.11.2012
Anzeige