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Fußball vor Ort Stimmen aus Göttingen zum WM-Aus der deutschen Elf
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Stimmen aus Göttingen zum WM-Aus der deutschen Elf
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16:50 28.06.2018
Ist seine Zeit abgelaufen? Jogi Löw blickt beim Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Südkorea auf die Uhr. Quelle: dpa
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Göttingen

Was muss sich jetzt ändern? Im SPORTBUZZER geben Trainer aus der Region Göttingen Tipps.

Dennis Erkner (Trainer des Landesligisten SVG Göttingen): „Das Sportliche mal beiseite gelassen, hat mich der Auftritt der Nationalmannschaft an die Stimmung im ganzen Land, in dem momentan Fremdenfeindlichkeit und soziale Differenzen Themen sind, erinnert. Die Nationalmannschaft hat sich präsentiert wie die Gesellschaft: uneinig und egoistisch. Ich kenne keinen, der wie sonst wegen der WM in Begeisterung ausgebrochen ist. Die Stimmung von 2006 hat sich um 180 Grad gedreht. Dazu passt auch, dass im Erfolg alles zusammen feiern, bei Misserfolg aber mit dem Finger auf andere zeigen. Auch die Schnelllebigkeit ist ein Thema: Scheiß auf die WM, in ein paar Wochen geht die Champions League los. Das frühe Aus war irgendwie zu erwarten, die Stimmung war Scheiße. Ich glaube, mit der Diskussion um Özil und Gündogan fing es an.“

Torsten Burkhardt (Trainer des Frauen-Bezirksligisten MF Göttingen): „Die größte Baustelle für mich war, dass das Personal nicht zur Taktik gepasst hat: Wenn du Ballbesitzfußball spielen lassen willst, dann kann du nicht Leute wie Gomez oder Müller aufstellen, die technisch nicht so beschlagen sind. Das funktioniert nicht. Wenn ich Ballbesitzfußball praktiziere, nehme ich einen Stürmer wie Sandro Wagner mit, der ihn vom Verein her kennt. Wie der DFB die Sache mit Gündogan und Özil gemanagt hat, war sehr problematisch: Es soll in der Nationalmannschaft zwei Fraktionen geben, die Bayern- und die Bling-Bling-Gruppe mit den Legionären. Nun gehören viele Bayern-Spieler dem Mannschaftsrat an, und der soll sich gegen Sané ausgesprochen haben – da darf man sich nicht wundern, dass es zu Konflikten kommt. Das System, das Deutschland spielt, ist zudem vier Jahre alt. Es muss ein Umbruch, auch in personeller Hinsicht, her. Es läuft ja genauso im Vereinsfußball nicht so rund, auch in der Nationalmannschaft sind bei der WM viele Spieler unter ihrer Form geblieben.“

Simon Schneegans (Trainer des Bezirksligisten SG Bergdörfer): „Es waren keine Typen in der Mannschaft, die sie hätten führen können: Das war ausschlaggebend für den desaströsen Abschied. Bereits bei der Nominierung gab es Unruhe, ich habe den Eindruck, dass Löw noch an zu vielen alten Fäden hängt, und hoffe, dass er Konsequenzen zieht. Ich glaube, dass ein großer Umbruch bei Trainer und Mannschaft nötig ist, man sich von einigen Spielern verabschieden und auf junge Spieler setzen muss. In zwei Jahren wird sich dann beweisen, ob sie in die großen Fußstapfen von Schweinsteiger und Co. treten können.“

Ercan Beyazit (Trainer des Bezirksligisten SG Lenglern): „Man sollte nicht den Fehler begehen und alles von einer WM abhängig machen. Andererseits hat es sich ein Stück weit abgezeichnet, dass wir Probleme haben, Deutschland hat zuletzt viele schlechte Spiele gemacht. Dass es so extrem schlecht läuft, hat mich dann aber überrascht. Trotzdem: Nun zu fordern, dass Löw gehen muss, ist für mich zu einfach. Man sollte nicht alles schlecht machen, aber man sollte sich hinterfragen, ob alles richtig war. Vielleicht hat man das Ganze ein Stück weit unterschätzt und zu locker genommen. Ich bin dafür, jetzt Ruhe zu bewahren, es war nicht mehr als ein Betriebsunfall.“

Oliver Gräbel (Trainer des Bezirksligisten TSV Bremke/Ischenrode): „Die Jungs waren einfach ausgelutscht. Es waren viele Weltmeister dabei, und ein Fußballer ist ein Fußballer: Sie konnten einfach nicht, wie sie wollten. Gegenbeispiel war der Confed-Cup, bei dem junge, frische Leute einen erfrischenden Fußball gespielt haben. Nun muss es eine knallharte Analyse geben, und: Bevor die Jungs ihren Rücktritt erklären, muss man ihnen sagen, dass sie nicht mehr gebraucht werden. Das Schlimme ist, dass wir uns teilweise lächerlich gemacht haben. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Jungs selbstherrlich aufgetreten sind, und das bei einer WM! Das muss man sich mal vorstellen!“

André Metenyszyn (Trainer des TSV Nesselröden aus der 1. Kreisklasse Nord): „Generell bin ich der Meinung, dass wir keinen Leader gehabt haben. Ein Schweinsteiger, Lahm oder Mertesacker haben etwas für’s Team gemacht, diesmal wollte keiner Verantwortung übernehmen. Wir sind U21-Europameister, und es gibt viele junge Spieler, die hinterher kommen. Lasst die junge Garde ran!“

Von Eduard Warda

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