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Fußball vor Ort Vier Klubs tun sich im Juniorenfußball zusammen
Sportbuzzer Fußball Fußball vor Ort Vier Klubs tun sich im Juniorenfußball zusammen
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00:18 01.04.2013
Eingeschworenes Team: Christian Janzen (Sparta), Karl-Heinz Siebert, Torsten David (beide JSG Lenglern), Ralf Lohmann (Sparta), Cem Gür (Grone) und Daniel Vollbrecht (Bovender SV, v. l.). Quelle: Heller
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Göttingen

Von der kommenden Saison an erhalten bei den Altersklassen der A- bis C-Junioren Spieler die Möglichkeit, in einem Team des Kooperationspartners aktiv zu sein, das dem Leistungsstand des Akteurs entspricht. Die Partnerschaft wird voraussichtlich über etwa neun Mannschaften und 180 Spieler verfügen.

"Kräfte bündeln"

„Wir wollen im Bereich westlich von Göttingen die Kräfte bündeln“, sagt Torsten David von der JSG Lenglern/Harste. Erarbeitet werden soll eine verbindliche schriftliche Vereinbarung, nach der sich einmal im Jahr getroffen und der Bedarf der Klubs ermittelt wird. Spielen beispielsweise die C-Junioren eines Vereins in der Kreisliga, haben die Nachwuchsfußballer zukünftig die Chance, alternativ im Trikot des Kooperationspartners in der Bezirksliga zu spielen. Der Spieler tritt dann unbürokratisch in den Kooperationsklub ein. „Es ist eine Vertrauensgeschichte. Aber das nötige Vertrauen haben wir“, so Ralf Lohmann von Sparta. Im Zweifel müsse man von den eigenen Interessen zurücktreten“, sagt David. Für Daniel Vollbrecht vom Bovender SV ist die Kooperation ein „wechselseitiges Geben und Nehmen“.

Hintergrund demografischer Wandel

Weitere Vorteile sind eine gemeinsame Buchführung, ein größerer Stamm von Übungsleitern und logistische Synergien bei Trainings- und Spielorten, Trikotwäsche oder Beförderung der Teams. „Bis jetzt haben wir das separat gemacht, zukünftig machen wir das gemeinsam für jede Mannschaft“, sagt David.

Hintergrund der Zusammenarbeit sei der demografische Wandel: „Wir haben bei den A- bis C-Junioren wenig bis gar keinen Zuwachs, und es ist nicht zu erwarten, dass ein großer Schub kommt“, so David. „Es geht darum, den Leistungs-, aber auch den Breitenfußball zu fördern“, erläutert Cem Gür vom FC Grone. „Ein entscheidender Punkt ist, dass wir auch weiterhin soziale und Integrationsarbeit anbieten wollen.“ Das Interesse der Klubs sei, „jeden Jugendlichen mitzunehmen“, so Karl-Heinz Siebert von der JSG Lenglern/Harste. Lohmann: „Wir bieten Alternativen.“

Keine Kooperation mit JFV Göttingen

Die Gründung eines Jugendfördervereins (JFV) sei wegen des Aufwands kein Thema gewesen, genauso wenig eine Kooperation der Klubs mit dem JFV Göttingen. „In einem JFV verliert man in gewisser Weise seine eigene Identität“, sagt David. Zum JFV Göttingen habe man nie eine Bindung gehabt. „Ich bewundere, was die auf die Beine gestellt haben, aber wir haben 80 Jugendliche, und nicht alle würden dort Fuß fassen“, unterstreicht Lohmann. „80 Prozent unserer Spieler wären hinten runtergefallen“, ergänzt David. „Wer dahin gehen will, kann das tun. Wir legen unseren Junioren keinen Stein in den Weg“, so Lohmann. Man wolle schließlich Jugendförderung und nicht „Jugendverhinderung“ betreiben.

► Kommentar: Aus der Not geboren

Die vier Klubs, die von der kommenden Spielzeit an eine Kooperation im Juniorenbereich vereinbart haben, gehorchen der Not: Den Sportvereinen geht der Nachwuchs aus, weil weniger Jugendliche nachwachsen und diese sich nicht mehr wie einst nur für traditionelle Sportarten wie Fußball interessieren. Sie favorisieren eher Trendsportarten oder auch die Playstation. Die Entwicklung hin zur ungebundenen Individualisierung schlägt hier voll durch.

Mit dem Modell der zwanglosen Kooperation bedient das Projekt gleich zwei Interessen. Das der Klubs, die dadurch ihre Jugendabteilungen und damit den Herrenbereich am Leben erhalten, und das der Nachwuchsfußballer, die fortan wählen können: Will ich in meiner Freizeit lediglich ein bisschen kicken, oder will ich ernsthaft den Leistungsfußball ins Auge fassen? Die Zusammenarbeit darf nicht als Absage an den ambitionierten JFV Göttingen verstanden werden.

Hier geht es um das Überleben der Klubs und nicht um Konkurrenz. Rückenwind erfährt der JFV Göttingen damit allerdings auch nicht.

Von Eduard Warda

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