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Hardenber-Burgturnier: Lars Nieberg gewinnt Goldene Peitsche

Einziger Null-Fehler-Ritt Hardenber-Burgturnier: Lars Nieberg gewinnt Goldene Peitsche

„Das nächste Mal dauert es hoffentlich nicht so lange“, kontert Lars Nieberg mit breitem Grinsen die Feststellung, dass sein letzter großer Triumph beim Hardenberg Burgturnier bereits zwölf Jahre zurückliegt.

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Hardenberg-Burgturnier: Cian O’Connor gewinnt Gothaer Trophy

Reckt die Goldene Peitsche in den Himmel unter der Burgruine: Lars Nieberg auf Leonie W. neben Carl Graf von Hardenberg  und dessen Sohn Carl.

Quelle: Pförtner

Nörten-Hardenberg. 2001 hatte der zweimalige Mannschafts-Olympiasieger die Goldene Peitsche gewonnen.

Am gestrigen Sonntag wiederholte der 49 Jahre alte gebürtige Niedersachse seinen Erfolg und siegte auf Leonie W. mit dem einzigen Null-Fehler-Ritt im Stechen des internationalen S-Springens um den Preis der Gräflich Hardenberg‘schen Kornbrennerei und des Glaswerkes Ernstthal vor dem 17-jährigen irischen Supertalent Bertram Allen auf Romanow und Holger Wulschner auf Fine Lady.

Niebergs Sieg lässt sich als Triumph der Langsamkeit beschreiben. Normalerweise geben Reiter in einem Stechen, bei dem es darum geht, den Parcours fehlerfrei und möglichst schnell zu bewältigen, richtig Gas.

Routinier geht auf Nummer sicher

Nicht so Nieberg. Vier der sechs Konkurrenten, die es mit Null-Fehler-Ritten ins Stechen geschafft hatten und vor ihm gestartet waren, hatten gerissen. So ging der Routinier auf Nummer sicher, lenkte seine zehnjährige Stute vergleichsweise gemächlich über die acht Hindernisse und kam mit der schlechtesten Zeit (41,77 Sekunden) des Sextetts, aber ohne Abwurf ins Ziel.

Trotz Niebergs mäßiger Zeit ging Schlussreiter Holger Wulschner volles Tempo, war mit 37,60 Sekunden beträchtlich schneller als sein Kontrahent, patzte aber am vierten Hindernis, einem Doppeloxer.

„Natürlich hätte ich mir mehr Zeit lassen können, aber ich hatte Lars‘ Zeit nicht so richtig im Blick, und niemand hat mir Bescheid gesagt“, ärgerte sich der gleichaltrige Wulschner.

„Holger Wulschner war mein Tipp“

Er hatte die Peitsche 2006 und 2008 gewonnen und hätte sie bei seinem dritten Triumph behalten können – ein Kunststück, das bislang nur Reitsportlegende Hans Günter Winkler gelungen ist. Er hatte den Großen Preis 1955, 1957 und 1978 gewonnen.

„Holger Wulschner war mein Tipp.“, verriet Hausherr Carl Graf von Hardenberg. „Es ist schon bemerkenswert, dass nach 20 Turnieren, die es seitdem gab, die Peitsche immer noch da ist“, fügte er hinzu.

Wulschner musste sich trotz der schnellen Zeit mit dem dritten Platz begnügen, weil der 17-jährige Allen zuvor mit unglaublichen 36,42 Sekunden durch den Parcours gestürmt war und nur das letzte Hindernis touchiert hatte.

35. Burgturnier in Nörten-Hardenberg: Gothaer Trophy: Keiner ist schneller als der Ire  und Von Hirschheydt wird Zweiter im Preis der Eon Mitte AG

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Der junge Ire, der als eines der größten Talente weltweit gilt, seit eineinhalb Jahren in Deutschland lebt und unter anderem von Marcus Ehning betreut wird, hatte das Nörtener Publikum schon in etlichen Springen zuvor mit seinem forschen, risikoreichen Sprungstil begeistert.

„Nervosität kenne ich nicht“, verkündete der 17-Jährige, der im nächsten Jahr wieder beim Burgturnier starten will. „Bertram Allen hat beste Chancen, dann den Großen Preis zu gewinnen“, prognostizierte Mitveranstalter Kaspar Funke.

Überglücklich über seinen fünften Platz in der wichtigsten Prüfung des Burgturniers war Lokalmatador Niels von Hirschfeldt, der vom heimischen Publikum überschwänglich gefeiert wurde.

Sensationell, unglaublich

„Für mich ist das sensationell. Mit einem solchen Ergebnis hatte ich nie und nimmer gerechnet. Schon dass ich ins Stechen gekommen bin, ist für mich unglaublich“, sagte der Nörtener strahlend.

Mit vier Fehlerpunkten und 40,92 Sekunden mussten von Hirschheydt und sein zehnjähriger Wallach Lamiro W zwar dem viertplatzierten Rolf Moormann (4/39,80) den Vortritt lassen, distanzierten aber Weltklassereiterin Meredith Michaels Beerbaum, die sich zwei Abwürfe leistete.

Beinahe ins Stechen geschafft hätte es auch der Rittieröder Dirk Klaproth, der den Normalparcours fehlerfrei bewältigte, sich aber ebenso einen Zeitfehler leistete wie die US-Amerikanerin Lauren Hough, der Deutsche Thomas Voß und die Französin Alexandra Spenlenhauer.

Vorjahressieger Marcus Ehning schied mit einem Abwurf aus und vergab damit die Chance, die Peitsche mit seinem zweiten Triumph in Folge für immer behalten zu dürfen.

Ausverkauftes Stadion

Eine rundum positive Bilanz der 35. Turnierauflage zogen Graf Hardenberg und Kaspar Funke. „Wir hatten eine Traumbesetzung bei den Startern“, stellte Funke die sportliche Qualität in den Mittelpunkt, zeigte sich aber auch mit der Zuschauerresonanz hoch zufrieden.

„32    000 Besucher sind zwar etwas weniger als im Vorjahr, aber wir hatten ja auch einen Tag weniger zur Verfügung und mit dem Champions-League-Finale am Sonnabend eine mächtige Konkurrenz“, so Funke.

Dass das Stadion am Sonntag trotz des Dauerregens ausverkauft war, sei fantastisch, ergänzte Graf Hardenberg. Nieberg schwärmte vor allem vom saugfähigen Sandboden: „Viele Turniere wären bei solchen Bedingungen abgebrochen worden.“

Nieberg will wieder angreifen

Die glorreichen Zeiten des Goldene-Peitsche-Gewinners Lars Nieberg liegen schon eine Weile zurück. Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney holte der aus Wittingen bei Gifhorn stammende  Reiter Gold mit der deutschen Equipe.

In Sydney verpasste er zudem mit Esprit als Vierter im Einzel ganz knapp eine Medaille. 1998 war er Mannschafts-Weltmeister und 1997 Team-Europameister. Auch damals wurde er Vierter im Einzel.

Nach dem Karriereende seiner Erfolgspferde For Pleasure und Esprit 2006 musste Nieberg wegen Verletzungspech anderer vielversprechender Pferde etliche Rückschläge verkraften und wurde nicht mehr für den Nationalkader nominiert.

Seine internationalen Ambitionen habe er aber noch nicht aufgegeben, teilte der 49-Jährige, der im März von Ex-Bundestrainer Kurt Gravemeier die Leitung des renommierten Gutes Berl übernommen hat, gestern mit.

Am Burgturnier schätze er die familiäre Atmosphäre, dessen lange Tradition und die Begeisterungsfähigkeit des Publikums, sagte Nieberg.

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Fantastischer Schlusssprint

„Bekloppt“ nannte der Moderator den Ritt des Iren Cian O’Connor, nach dem sich das Publikum vor Jubel lange nicht beruhigen konnte. In der Siegerrunde um die Gothaer Trophy ritt O’Connor auf Unique die 280 Meter lange Strecke mit sechs Hindernissen à 1,45 Meter in 34,31 Sekunden und legte einen fantastischen Schlusssprint hin.

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