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Andrea Eskau gewinnt Biathlon in Sotschi

Gold-Lächeln gefriert Andrea Eskau gewinnt Biathlon in Sotschi

„Gold Nummer eins, Gold Nummer eins, hier kommt, hier kommt, Gold Nummer eins.“ Die Gäste haben Andrea Eskau am Sonnabend bei der Eröffnung des Deutschen Hauses in Krasnaja Poljana singend begrüßt. Die 42-jährige Diplom-Psychologin nahm das Ständchen, begleitet von ihrer Lebensgefährtin Amira, strahlend entgegen.

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Entschlossen: Anna Schaffelhuber ist im Abfahrtsrennen die Schnellste und gewinnt die Goldmedaille.

Quelle: dpa

Krasnaja Poljana. Keine 18 Stunden später war das Lächeln der bisweilen übereifrig erscheinenden deutschen Vorzeige-Athletin allerdings einer von Schmerzen und tiefer Enttäuschung geprägten Miene gewichen.

„Ich bin gut drauf. Jetzt will ich auch im Langlauf Gold“, hatte Eskau nach dem Gewinn ihrer Goldmedaille im Biathlon-Sprint gesagt. Doch es kam anders, und auch ihr 10 000 Euro teurer Hightech-Schlitten konnte daran nichts ändern: Von Atemnot geplagt, quälte sich die Mitfavoritin über die Zwölf-Kilometer-Distanz durch die von der intensiven Sonne aufgeweichte Loipe.

Bei T-Shirt-Wetter stieg die amtierende Langstrecken-Weltmeisterin vor der Abschlussrunde dann aus. Mit den letzten Kraftreserven schob sie sich „bis dahin, wo der Arzt war“, so Bundestrainer Ralf Rombach. „Es hatte sich angebahnt, dass nicht alles in Ordnung ist. Vor dem Start hat Andrea zwei tiefe Schübe mit Asthma-Spray genommen“, sagte Marketa Marzoli, Sprecherin der Deutschen Behinderten-Sportverbandes (DBS). Die Sportlerin wurde medizinisch versorgt.

Allergisch afu Teppich

„Eskau und die Atemwege, das war ein Problem, das wir dachten im Griff zu haben“, sagte Chef de Mission Karl Quade. 2008 bei den Paralympics in Peking musste sie einen Tag nach dem Gewinn ihrer Goldmedaille im Handbike-Straßenrennen ins Krankenhaus eingeliefert werden und lag auf der Intensivstation. „Wir wussten damals zwei Tage lang nicht, wo Andrea ist. Sie hatte wohl allergisch auf einen Teppich reagiert“, erzählte Marzoli.

Aus Peking kehrte sie per Krankentransport zurück. So schlimm scheint es dieses Mal nicht zu sein. DBS-Präsident Friedhelm Beucher gab nach dem Rennen im Laura-Langlauf-Center vorsichtig Entwarnung. Die Chancen stünden gut, dass sie fünf weitere Starts absolvieren werde.

Einen Tag zum Durchatmen und Kraft tanken hatte hingegen Anna Schaffelhuber am gestrigen Sonntag. „Gold in der Abfahrt. Das ist Wahnsinn, ich bin überglücklich“, bejubelte sie am Sonnabend ihr erstes Paralympics-Gold und wollte so schnell wie möglich zu ihren Eltern. „Sie sind meine Glücksbringer und haben mir erst kurz vor dem Start gesagt, dass sie es schaffen werden, im Stadion zuzuschauen.“

Zwei Goldmedaillen

Einer der ersten Gratulanten war Beucher. „Was kann man sich Schöneres wünschen, als so einen goldenen Auftakttag. Es waren zwei Goldmedaillen, die nicht unbedingt zu erwarten waren“, brüllte Beucher, um nicht vom frenetischen Support der Paralympics-Fans auf der fast ausverkauften Zuschauer-Tribüne übertönt zu werden.

Schaffelhuber sei gut vorbereitet in das Rennen gegangen, positive Energie habe ihr die Eröffnungsfeier verliehen. „Die Feier war gut. Ich wollte mich ablenken, um locker zu sein.“ Das sei vielleicht der Grund dafür, dass sie ihren zwischenzeitlichen Vorsprung von über drei Sekunden mit 14 Hundertstelsekunden ins Ziel rettete.

Mit dem Überraschungs-Gold sei der Druck weg, sagt die 21-jährige Jura-Studentin. Sie blicke „voller Vorfreude“ auf ihre weiteren Starts. „Meine eigentliche Stärke kommt mit dem Slalom-Wettbewerb erst am Freitag“, sagt die seit ihrer Geburt querschnittsgelähmte Athletin lächelnd. Doch auch bei ihren Starts im heutigen Super-G, der Super-Kombination und im Riesenslalom gehört sie zum Kreis der Favoritinnen.

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