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Anna Schaffelhuber deklassiert die Konkurrenz im Super-G

In ihrer eigenen Welt Anna Schaffelhuber deklassiert die Konkurrenz im Super-G

Erst 21 Jahre alt und doch schon so abgeklärt. Anna Schaffelhuber setzt auf den schwierigen Pisten in Rosa Khutor dazu an, der neue deutsche Star der Winter-Paralympics zu werden. Die Erfolge und ihr mitreißend strahlend-weißes Covergirl-Lächeln katapultierten die Weltklasse-Athletin in die Herzen der Zuschauer.

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Einsam auf der Piste und einsame Spitze im Wettkampf: Anna Schaffelhuber gewinnt bei den Paralympics bereits ihre zweite Goldmedaille.

Quelle: dpa

Krasnaja Poljana. Zwei Tage nach dem Abfahrts-Triumph fuhr das Monoski-Ass auch bei ihrem zweiten Auftritt ganz oben auf das Podest.

Die Art, mit der die Jura-Studentin aus München im Super-G in 1:29,11 Minuten zu ihrem zweiten Gold raste, war beeindruckend. Trotz Startabbruch und beinahe 20-minütiger Wartezeit blieb die Behindertensportlerin der Jahre 2011 und 2013 locker und entschied das zweite Duell mit ihrer schärfsten Konkurrentin Claudia Lösch für sich. Die als Top-Favoritin gehandelte Österreicherin hält Schaffelhuber nun für unbezwingbar.

Das Rennen der Frauen wurde erneut von schweren Stürzen überschattet, die US-Amerikanerinnen Alana Nichols und Stephani Victor mussten per Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden. Nichols Unfall bremste auch Schaffelhuber aus, die das Starthäuschen wieder verlassen musste. Die Piste war 20 Minuten gesperrt.

Unmöglich, die Spannung 20 Minuten aufrecht zu halten

„Das ist ein extremer Moment. Ich habe mit meinem Start-Betreuer gesprochen und versucht, mich abzulenken“, sagt Schaffelhuber. Es sei unmöglich, die Spannung 20 Minuten aufrecht zu halten. „Zwei Minuten bevor die Strecke wieder freigegeben wurde, haben wir die Info bekommen. So konnten wir die nötige Spannung wieder aufbauen“, erläutert Schaffelhuber cool das Prozedere und hatte auch noch lässig den Schlüssel zum Triumph parat:

„Ich habe wohl den richtigen Mix aus Angriff und der richtigen Linie gefunden. An den Schlüsselstellen habe ich das Tempo ein wenig herausgenommen.“ So verwies sie Lösch (1:31,20) und die US-Amerikanerin Laurie Stephens (1:32,09) auf die Plätze.

Gegenüber Lösch habe sie den Vorteil gehabt, dass sie bereits Gold gewonnen hatte. „Nach ihrem Ausfall in der Abfahrt war ich mir sicher, dass sie Vollgas geben wird und sich Fehler einschleichen“, verrät Schaffelhuber. Für die Österreicherin ist Schaffelhuber nun in den ausstehenden drei Wettbewerben die unangefochtene Top-Favoritin auf Gold.

Fünfmal Gold

„Wenn sie jetzt nicht fünfmal Gold holt, wäre das eine Überraschung“, betont Lösch. Schaffelhuber fahre besonders im Slalom in einer eigenen Klasse, „ähnlich wie Ted Ligety im Riesenslalom bei den Nichtbehinderten. Sie ist eine tolle Skifahrerin, wenn überhaupt, kann ich es im Riesenslalom noch spannend machen“, so Lösch.

Daran will Schaffelhuber, die mit einer inkompletten Querschnittslähmung geboren wurde und bereits mit fünf Jahren mit dem Skifahren anfing, allerdings noch nicht denken: „Für mich zählt das nächste Rennen, davon träume ich und nicht davon, hier fünf Goldmedaillen zu gewinnen.“ Und der nächste Auftritt steht mit der Super-Kombination bereits am heutigen Dienstag an.

Die Favoritenbürde muss sie allerdings tragen, denn bereits bei der WM 2011 in Sestriere hatte sie Lösch in den drei ausstehenden Wettbewerben Slalom, Riesenslalom und Super-Kombination auf Rang zwei verwiesen.

Keine Schwarzmalerei

Die befürchtete Lücke im alpinen Skisport hat Schaffelhuber nach den Karriereenden der Ski-Giganten Gerd Schönfelder (16 Paralympics-Goldmedaillen) und Martin Braxenthaler (10) im Alleingang geschlossen. Für Friedhelm Julius Beucher gab es ohnehin keinen Anlass für Schwarzmalerei.

„Anna hat sich vom Talent zu einer Medaillen-Favoritin entwickelt. Das überrascht uns nicht, denn sie arbeitet akribisch“, lobt der Präsident des Deutschen Behinderten-Sportverbandes. Schaffelhuber, die er vor ihrer Paralympics-Premiere bei den Spielen in Vancouver 2010 noch als „unser Küken“ bezeichnete, sei zur idealen Botschafterin des Behindertensports gereift.

Davon überzeugen durften sich eine Woche vor den Paralympics auch die Zuschauer des ZDF-Sportstudios. Eine erneute Einladung sollte Schaffelhuber für die nächste Woche wohl schon einmal einplanen.

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