Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Anna Schaffelhuber ist nun doch Paralympics-Siegerin im Slalom

Der Traum lebt wieder Anna Schaffelhuber ist nun doch Paralympics-Siegerin im Slalom

„Es ist Gold. Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, sagt Anna Schaffelhuber erleichtert, als sie aus dem Anhörungssaal im Olympic Park kommt. Es dauert eine Minute, bis die Anspannung gewichen ist. Und dann plötzlich ist es wieder da, das Goldlächeln der vergangenen Tage, das der deutschen Seriensiegerin von Sotschi nach dem Disqualifikations-Chaos’ am Mittwoch im Slalom zwischenzeitlich verloren gegangen war.

Voriger Artikel
Para-Snowboarding: Stefan Lösler einziger Deutscher
Nächster Artikel
Anna Schaffelhuber holt vierte Goldmedaille

Das Goldlächeln ist zurück: Anna Schaffelhuber umarmt nach dem erfolgreichen Protest DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher.

Quelle: dpa

Sotschi. Und nun lebt auch der Traum vom ganz großen Triumph wieder: fünfmal Gold in Sotschi zu gewinnen.

Im schwarzen Abenddress statt im Rennanzug kämpfte die 21-jährige Monoski-Fahrerin um ihre dritte Goldmedaille. Und ihre Argumente waren genauso stark wie ihre Auftritte auf dem zur Buckelpiste aufgefahrenen Slalom-Hang in Rosa Khutor: Das dreiköpfige Gremium des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) unter Vorsitz des Briten Alan Dicksen überstimmte nach der 40-minütigen Anhörung die Jury-Entscheidung vom Vortag.

Bis das Urteil verkündet wurde, musste die deutsche Delegation sich allerdings gut zwei Stunden gedulden. „Wir haben Videos zur Technischen Universität München geschickt und uns durchmessen lassen. Dabei ist festgestellt worden, dass Anna 0,3 Sekunden gestanden hat. Also liegt nachweislich kein Startfehler vor“, sagte der Bovender Hartmut Stinus, der Medizin-Chef des deutschen Teams in Sotschi ist.

Drittes Rennen, dritte Goldmedaille

25 Stunden nach dem Ende des Slaloms stand nun also fest, dass Schaffelhuber in ihrem dritten Rennen die dritte Goldmedaille gewonnen hat. „Das ist schlimmer als am Start, da hat man wenigstens alles selber in der Hand“, sagte Schaffelhuber über den Nervenkrieg vor dem IPC-Gremium.

Durch das Urteil gewinnt Schaffelhubers Zimmernachbarin Anna-Lena Forster bei ihrer Paralympics-Premiere Silber, Kimberly Joines (Kanada) und Laurie Stephens (USA) rutschen auf die Ränge drei und vier ab. Im nun offiziellen Endergebnis liegt Schaffelhuber 4,42 Sekunden vor Forster.

„Nachträglich am Grünen Tisch Medaillen zu verteilen, ist nicht schön, aber in diesem Fall absolut gerecht und nur fair. Die Beste hat gewonnen, und die Zweitbeste gewinnt Silber. Ein überragendes Ergebnis für unsere Mannschaft“, teilte Alpin-Sprecher Kevin Müller mit. Als eine „wunderbare Entscheidung vor allem im Interesse des Sports“, bezeichnete Friedhelm Julius Beucher das Urteil.

Keinen Regelverstoß begangen

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) unterstrich: „Anna hat nachweisbar keinen Regelverstoß begangen und wurde zusätzlich einem 24-stündigen Hin und Her ausgesetzt.“ Forster, mit 18 Jahren das Küken im deutschen Team, hatte schon am Mittwoch angekündigt, jede Entscheidung zu akzeptieren: „Natürlich ist es hart, erst als Goldmedaillengewinner gefeiert zu werden und dann doch Silber zu bekommen, aber in dem Fall ist das nur fair“, schrieb Forster im sozialen Netzwerk Facebook.

Hinter den Kulissen hatte die deutsche Delegation am späten Mittwochabend den direkten Kontakt mit dem österreichischen Behindertensportverband gesucht. Die Alpenrepublik hatte Schaffelhuber einen Startfehler vorgeworfen, weswegen sie nach Lauf eins in Führung liegend disqualifiziert wurde. Nach Gegenprotest des DBS durfte die 21-Jährige jedoch den zweiten Lauf absolvieren, allerdings unter Vorbehalt und mit auf links gedrehtem Trikot. Ihre Zeit wurde bis zur Urteilsverkündung vom IPC unter Verschluss gehalten.

Im intensiven Gespräch mit  der österreichischen Spitzenfunktionärin Maria Rauch-Kallat betonte der deutsche Chef de Mission Karl Quade im Österreichischen Haus unmissverständlich die Verstimmung im deutschen Team über den Protest. Mit Erfolg: In einem noch am Abend im Österreichischen Haus verteilten Statement entschuldigte sich das Österreichische Paralympische Komitee „ausdrücklich bei ihr (Schaffelhuber, Anm. d. Red.) und dem deutschen Team“.

Protest unter großem Zeitdruck

Der Protest des Cheftrainers Manuel Hujara sei „unter großem Zeitdruck“ gefallen und man hätte ihn „sicher auf andere Weise besser lösen können“. Für die Anhörung vor dem IPC-Gremium hatte das ÖPC weiter seine volle Unterstützung für die deutsche Delegation angekündigt. Bereits vorher habe es sich dafür eingesetzt, dass Schaffelhuber den zweiten Lauf absolvieren dürfe. „Das war eine schreckliche Situation für das Mädchen. Sie konnte nichts dafür. Ich bin froh, dass sie für Anna entschieden haben“, erklärte Rauch-Kallat.

Nach der Medaillenübergabe am gestrigen Donnerstagabend liegt die Konzentration jetzt wieder auf dem sportlichen Wettstreit. Heute steht der Abschluss der Super-Kombination an. Dort liegen Schaffelhuber und Forster vor dem Super-G ebenfalls auf den Plätzen eins und zwei. Die letzten Medaillen werden Sonntag im Riesenslalom vergeben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel