Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Bovender Hartmut Stinus ist Medizin-Chef der Deutschen

Im Einsatz mit Arztkoffer und Gitarre Bovender Hartmut Stinus ist Medizin-Chef der Deutschen

Hartmut Stinus macht Urlaub in Krasnaja Poljana und arbeitet hier dennoch täglich mindestens zwölf Stunden. Der Paralympics-Routinier aus Bovenden hat vor 20 Jahren in Lillehammer seine Leidenschaft für die Winterspiele entdeckt. Erstmals ist er nun als Medizin-Chef verantwortlich für die komplette deutsche Mannschaft.

Voriger Artikel
Biathletin Anja Wicker gewinnt überraschend Gold
Nächster Artikel
Anna Schaffelhuber nach Startfehler disqualifiziert

Fühlt sich wohl: Hartmut Stinus in Sotschi zwischen den Trainern Philipp Meysel (l.) und Peter Spitzenpfeil.

Quelle: EF

Krasnaja Poljana. Bisher war er fünfmal als Chef-Mediziner der Alpinisten bei den Paralympics im Einsatz und spielte auch schon mal für das Team Gitarre.

„Ich bin mit ganzem Herzen bei den Paralympics dabei. Da fällt es mir leicht, einen beachtlichen Teil meines Urlaubs dafür aufzubrauchen“, betont der 54-Jährige. Als Gesellschafter führt der Orthopäde und Unfallchirurg die „Orthopädische Gemeinschaftspraxis Northeim“ und war Direktor der vom Uni-Klinikum aufgekauften Hainberg-Klinik in Göttingen. „Ich könnte es meinem Gemeinschaftspraxis-Partner Jochen Dörner nicht zumuten, meine Dienstzeiten hier in Krasnaja Poljana zu absolvieren“, sagt Stinus schmunzelnd.

Nach Göttingen kam der am 11. April 1959 in Achern im Schwarzwald geborene Stinus 1980. Bis 1987 studierte er an der Georgia Augusta Humanmedizin. Zuvor hatte er eine Lehre als Orthopädieschuhtechniker absolviert, dem Beruf seines Vaters. Stinus schloss die Lehre als Landessieger des Saarlandes ab. Dank der Wartezeit bekam er so seinen Studienplatz.

Arbeitsintensivster Paralympics-Dienst

Der Einsatz in Krasnaja Poljana sei für ihn sein bisher arbeitsintensivster Paralympics-Dienst. Das läge allerdings in erster Linie daran, erstmals die medizinische Verantwortung für das komplette Team zu tragen. Die schönsten Erinnerungen an Winter-Paralympics verbindet er mit den Spielen 2006 in Turin/Sestriere.

„Die Atmosphäre war damals einmalig. Alles war so unbeschwert und fröhlich, und das Wetter war genial. Damals waren die Spiele auch noch viel kleiner und die Atmosphäre deutlich familiärer.“ In Paralympics-Kreisen wird heute noch von den Auftritten des talentierten Hobbymusikers auf der Bühne vor dem Deutschen Haus in Sestriere erzählt. Der Mediziner greift gerne zur Gitarre und hört am liebsten Rock ’n’ Roll und Blues.

Auch wenn in Krasnaja Poljana keine Zeit zum Musizieren bleibt, ist er von den Spielen in Russland angetan: „Die Menschen hier sind sehr nett und offen. Wir bekommen viel Hilfe angeboten.“ Die Arbeitsbedingungen bezeichnet er als perfekt, was aufgrund der schweren Stürze auf den extrem anspruchsvollen Pisten im Ski-Resort Rosa Khutor immanent wichtig ist.

Schnelle Versorgung wichtig

„Das Krankenhaus in Krasnaja Poljana ist auf dem modernsten Stand der Technik, und die besten Ärzte Russlands sind hier während der Olympischen und Paralympischen Spiele im Einsatz. Sie wurden für die Zeit der Spiele extra von Moskau hierher versetzt“, schwärmt Stinus, der als passionierter Skifahrer und Mediziner um die Wichtigkeit der schnellen Versorgung weiß.

Trotz der Begeisterung für die Paralympics, machen sich bei Stinus zunehmend Gedanken über das Ende seiner Tätigkeit breit. Bereits in Sestriere habe er einen Kollegen langsam eingearbeitet, doch die Chemie habe nicht so gepasst. „Ich bin jetzt 54, und es wird langsam wichtig, dass wir einen potenziellen Nachfolger finden“, sagt Stinus.

Gut möglich ist aber auch, dass er weitermacht, denn in seinem Freundeskreis hat er ein gutes Vorbild. Der Göttinger Orthopäde Wolfgang Schultz betreut seit vielen Jahren als Teamarzt die deutschen Leichtathleten bei den Sommer-Paralympics. „Er ist 65 und wird wohl auch in Rio 2016 dabei sein. Das ist schon klasse“, sagt Stinus.

Kollege Dörner in Northeim sollte also schon mal damit rechnen, dass Stinus im Frühjahr 2018 einen beträchtlichen Teil seines Urlaubs einträgt, um vom 9. bis 18 März in Pyeongchang/Südkorea seinen siebten Arbeitseinsatz bei den Paralympics fürs Team Germany zu leisten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stabwechsel

Der Allgemeinmediziner Karl-Heinz Siemerkus gibt seine Praxis Auf der Spiegelbrücke über der Turm Apotheke auf. 36 Jahre lang stand er nicht nur dort, sondern auch bei unzähligen Hausbesuchen seinen Patienten zur Verfügung. Zudem war er 16 Jahre lang Vorsitzender des Ärztevereins Duderstadt und mehr als 25 Jahre Mannschaftsarzt der ersten Herrenmannschaft im TV Jahn.

mehr