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Manipulationen im Sport: Horrorvision Gen-Doping

Neele Eckhardt diskutiert mit FKG-Schülern Manipulationen im Sport: Horrorvision Gen-Doping

Der Termin im Göttinger Felix-Klein-Gymnasium (FKG) war seit langem geplant, gewann aber durch den Dopingfall der deutschen Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ungeahnte Brisanz und Aktualität.

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Als Dopingsünderin in Sotschi überführt: Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle.

Quelle: dpa

Göttingen. Auf Einladung von Studienrat Martin Lindemeier referierten und diskutierten am gestrigen Montag Dr. Georg Lemmer, Geschäftsführer der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität, und die Göttinger Spitzen-Leichtathletin und Jurastudentin Neele Eckhardt mit 20 Zwölftklässlern des Sportleistungskurses über das Thema Doping.

„Professionalisierung und Kommerzialisierung im Sport ist eines von zwei Modulen zur Vorbereitung auf die Abiturprüfung im Mai. Die Doping-Problematik ist da ein wichtiger Aspekt“, erläuterte Lindemeier

Unterstützt von einer übersichtlichen Power-Point-Präsentation, beleuchteten Lemmer und Eckhardt anschaulich die unterschiedlichen Facetten des Themas: von der Geschichte des Dopings seit der Antike bis zur wohl nicht allzu fernen Zukunft mit der Horrorvision des Gen-Dopings, bei dem Sportler mit genetisch optimierten Zellen behandelt werden, um dauerhaft leistungsfähiger zu werden.

„In Sotschi wurden 2543 Dopingtests durchgeführt. Zwei davon waren positiv (nach neuesten Meldungen sechs – d. Red.). Ist also alles paletti?“ fragte Lemmer. Das Gros der Schüler, die sich allesamt sehr interessiert zeigten und mit der Thematik offenbar vertraut waren, wie ihre Fragen und Anmerkungen verrieten, schüttelten den Kopf.

Und der Jurist, der seit zwei Jahren zum Thema referiert – bislang meist vor Sportmedizinern, vermehrt aber auch vor Lehrern und Schülern, um sie für die Problematik zu sensibilisieren –, stimmte zu, denn Experten gingen davon aus, dass 60 Prozent der Athleten in Sotschi gedopt waren – die meisten mit Mitteln, die mit den aktuellen Analysemethoden noch nicht nachweisbar sind.

In drastischer Weise vermittelte Lemmer seinen Zuhörern die Gefährlichkeit von Doping für Gesundheit und Leben der Athleten. Jeder von ihnen musste von einem Zettel ablesen, wie betroffene Sportler nach systematischem Missbrauch frühzeitig zu Tode kamen. Der Jurist machte aber auch deutlich, dass Doping nicht allein ein Phänomen bei ehrgeizigen Spitzensportlern und deren Betreuer ist.

Untersuchungen belegten vielmehr, dass auch Breitensportler, Künstler, Schüler, Studenten und Angehörige vieler anderer Berufsgruppen Mittel einnehmen, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Zwei Millionen Menschen in Deutschland würden unregelmäßig, 800   000 regelmäßig zu entsprechenden Stimulanzien greifen.

Bundeskader-Athletin Neele Eckhardt, die am vergangenen Wochenende bei der Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaft Vierte im Dreisprung geworden ist, schilderte eindringlich die alltäglichen Belastungen der Spitzensportler durch die Vorgaben der Nationalen (NADA) und internationalen Dopingagentur (WADA), festgelegt in der Athleten-Vereinbarung.

Sie muss von jedem Sportler unterschrieben werden, der für nationale und internationale Wettkämpfe nominiert werden will. Der Athlet müsse täglich in eine Liste im Internet eintragen, wo er sich aufhält und wie lange, damit sicher gestellt wird, dass er für unangemeldete Kontrollen von NADA- oder WADA-Mitarbeitern jederzeit erreichbar ist.

Drei Verstöße gegen die Mitteilungspflicht hätten die gleichen Konsequenzen wie ein Dopingverstoß, in der Regel eine Wettkampfsperre. Für viele der Gymnasiasten gehen solche Maßnahmen zu weit, sind ein zu großer Eingriff in die Privatsphäre. Die Persönlichkeitsrechte würden massiv eingeschränkt, unterstrich auch Lemmer, doch die privatrechtliche Vereinbarung zwischen Athlet und Verband habe hier Vorrang vor den staatsbürgerlichen Rechten.

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