Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Sotschi 2014 Para-Snowboarding: Stefan Lösler einziger Deutscher
Sportbuzzer Mehr Themen Sotschi 2014 Para-Snowboarding: Stefan Lösler einziger Deutscher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:06 13.03.2014
Mit Sportprothese auf dem Snowboard: Stefan Lösler. Quelle: Percival
Krasnaja Poljana

„Ich wollte mich von meinem Unfall nicht ausbremsen lassen und so schnell wie möglich meine Freiheit wieder haben. Knapp 18 Monate nach der Amputation stand ich wieder auf dem Snowboard.“

Gut zwei Jahre sind seit den ersten Snowboard-Versuchen vergangen, und nun steht Stefan Lösler am Start bei den Paralympics und wird Geschichte schreiben. Erstmals ist die junge und spektakuläre Sportart Snowboard-Cross mit ihren waghalsigen bis zu zwei Meter hohen und acht Meter weiten Sprüngen im paralympischen Programm.

Und der 29-Jährige ist bei dem auch als „Motocross im Schnee“ beschriebenen, sehr physischen Wettkampf der einzige deutsche Teilnehmer.

Microchip-gesteuertem C-Leg

„Zu Beginn habe ich mit einem Microchip-gesteuertem C-Leg versucht zu fahren. Das ging einigermaßen. Dann habe ich die Sportprothese Procarve ausprobiert. Die gibt mir vollkommen andere Möglichkeiten“, betont Lösler. Besonders die Backside genannte Fersenkante seines Bretts könne er jetzt wesentlich genauer steuern.

Mit den weniger stark behinderten Konkurrenten in seiner Klasse kann er dennoch nicht mithalten, zumal der Kurs wegen der schlechten Schneeverhältnisse und der hohen Temperaturen technisch anspruchsvoller gestaltet worden ist. „Wenn es ein schneller Kurs mit wenigen Richtungswechseln ist, dann sind die Unterschiede nicht so groß. Doch wenn viele Hindernisse und Richtungswechsel nötig sind, habe ich keine Chance, weil ich mehr Zeit für die Richtungswechsel benötige“, erklärt Lösler.

Auf den Wettkampf am heutigen Freitag blickt er dennoch mit großer Vorfreude, auch wenn er von seiner absoluten Chancenlosigkeit auf den Gewinn einer Medaille weiß. Im Para-Snowboarding gibt es noch kein Punktesystem, das einen Ausgleich der verschiedenen Behinderungsgrade ermöglicht. Lösler gilt mit seiner im Kniegelenk vorgenommenen Oberschenkelamputation als Teilnehmer mit der schwersten Behinderung in seiner Startklasse Lower-Limb.

Sport immens wichtig

Sport ist dem aus Kirchheim/Teck stammenden Studenten immens wichtig. Im Sommer betreibt er Para-Triathlon und darf sich amtierender Europameister nennen. Seine Liebe zum Sport hat er schon als Kind erkannt, daran änderte die Amputation im Juni 2010 nach einem Unfall in Österreich nichts.

„Ich bin mit dem Bein zwischen die Stoßstangen zweier Autos geraten“, sagt Lösler. Vor seinem Unfall war er in seinem Verein als Snowboard-Lehrer tätig. Gut möglich, dass Lösler in Zukunft sein Wissen an Snowboard-begeisterte Amputierte weitergeben wird. Ski- und Snowboard-Freizeiten sind ihm wichtig, weil er hier Freiheit verspürt. Und mit breitem Schmunzeln sagt er. „Okay, Ziehwege sind ja nicht unbedingt eine Freude für Snowboarder. Die Sportprothese macht das nicht besser.“

Para-Snowboarding

Es soll den Paralympics ein neues, junges Gesicht verleihen: Para-Snowboarding. In Sotschi ist die spektakuläre Trendsportart erstmalig im paralympischen Programm.

Bei den olympischen Winterspielen gab es auf der Piste packende Duelle Mann gegen Mann zu sehen. Das ist bei den Paralympics nicht der Fall. Hier starten die Sportler einzeln gegen die Uhr. Drei Läufe werden absolviert, die beiden besten gehen in die Gesamtwertung ein.

Eingeteilt werden die Athleten in die Klassen oberschenkelamputiert (Upper-Limb) und unterschenkelamputiert (Lower-Limb). Innerhalb einer Klasse wird aber nicht nach dem Grad der Behinderung unterschieden, was bedeutet, dass schwerer Behinderte klar im Nachteil sind.

Die Kurse sind bis zu 600 Meter lang, wobei knapp 240 Meter Höhenunterschied überwunden werden. Die Strecken enthalten Renn- und Freestyleelemente. Dazu zählt ein als „Wutang“ bezeichnetes langsames Element, bei dem die Snowboarder nahezu senkrecht fahren.

Außerdem werden abgerundete Hügel („Roller“) übersprungen und Steilkurven, die sich „Berm“ nennen, gefahren.

fab

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!