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Anna Schaffelhuber nach Startfehler disqualifiziert

Paralympics in Sotschi Anna Schaffelhuber nach Startfehler disqualifiziert

Trotz Doppel-Gold im Slalom ist im deutschen Ski-Alpin-Team am gestrigen Mittwoch kein überschwänglicher Jubel aufgekommen. Ein juristischer Hick-Hack sorgte dafür, dass es beim Slalom der Frauen sitzend wegen eines Disqualifikations-Chaos‘ noch kein offizielles Ergebnis gibt.

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Blankes Entsetzen: Paralympics-Star Anna Schaffelhuber kann ihre Disqualifikation nicht fassen.

Quelle: dpa

Krasnaja Poljana. Leidtragende sind die deutsche Mannschaft und besonders die zweifache Goldmedaillengewinnerin Anna Schaffelhuber. Nach einem Protest des österreichischen Teams wurde sie wegen eines vermeintlichen Startfehlers disqualifiziert.

Nach Gegenprotest des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) durfte die 21-Jährige nach Bestzeit im ersten Durchgang jedoch den zweiten Lauf absolvieren, allerdings unter Vorbehalt und mit auf links gedrehtem Trikot. Ihre Zeit wird vom Internationalen Paralympischen Komitee unter Verschluss gehalten.

Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Disqualifikation wurde auf den heutigen Donnerstag verschoben. Für 11 Uhr Ortszeit ist nach DBS-Angaben in Sotschi eine Anhörung vor einem Gremium des Internationalen Paralympischen Komitees angesetzt. Die deutsche Seite werde gehört, zudem sollen auch Fernsehbilder vom vorgeworfenen Regelverstoß ausgewertet werden.

Keiner Schuld bewusst

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst, habe nichts falsch gemacht. Ich empfinde den Protest ausgesprochen unsportlich“, sagt Anna Schaffelhuber um Fassung kämpfend. Das Goldlächeln ist aus dem Gesicht der zweifachen Paralympics-Siegerin von Rosa Khutor verschwunden. Es ist einer ernsten Miene mit geröteten Augen und einem immer wieder leicht zitterndem Kinn gewichen. Ihr Traum von fünf Goldmedaillen bei den Paralympics in Sotschi scheint von den Mühlen der Justiz zermalmt zu werden.

Darüber spekulieren, wie groß die Chancen sind, dass ihr zweiter Lauf noch in die Wertung kommt, wollte die seit ihrer Geburt querschnittsgelähmte Schaffelhuber nicht. Sie sei aber enorm dankbar, dass sich die Mannschaft so für sie einsetze. „Wir haben als Team gekämpft wie die Löwen, damit Anna wenigstens auf Vorbehalt fahren durfte und so die Chance auf Gold gewahrt blieb.

Das war richtig gutes Teamplay von uns allen, angeführt natürlich von Chef de Mission Karl Quade und unserem Verbandspräsidenten Friedhelm Julius Beucher. Unsere Juristen haben unsere Auffassung bestätigt“, sagte der Medizin-Chef Hartmut Stinus, der aus Bovenden stammt.

Ungewöhnlicher Protest

Warum die Österreicher sich zu diesem recht ungewöhnlichen Protest entschlossen haben, blieb lange Zeit unklar. Der ARD-Experte und 16-fache Paralympics-Goldmedaillengewinner Gerd Schönfelder betonte, dass er so einen Protest noch nie erlebt habe. „Wir wollen mit unserem Protest gegen Anna Schaffelhubers Start auf ein Unrecht gegen unseren Athleten aufmerksam machen.

Dass die Deutschen nicht begeistert sind, ist verständlich. Aber der Protest hat nichts mit Anna zu tun“, sagte Österreichs Cheftrainer Manuel Hujara. Am Dienstag sei der Österreicher Philipp Bonadimann bei der Super-Kombination aus demselben Grund disqualifiziert worden. „Deshalb haben wir entschieden, am Mittwoch alle Läufer im Starthaus von der Seite zu filmen. Das Regelwerk ist unklar, wir befinden uns da in einer Grauzone.“ 

Bis zur Entscheidung am heutigen Donnerstag gilt Anna-Lena Forster als Gewinnerin. Überschwänglicher Jubel wollte sich bei ihr allerdings noch nicht breit machen. „Die Situation nimmt uns schon mit. Ich freue mich über meine Leistung, auch wenn sich mein zweiter Lauf gar nicht so schnell angefühlt hat. Wenn es Gold wird, ist es schön.

Ich würde mich aber über jede Medaille freuen“, sagte die 18-Jährige. Bei ihrer Paralympics-Premiere habe sie viel Hilfe von Schaffelhuber erhalten, mit der sie sich freundschaftlich verbunden das Zimmer im Sportler-Dorf teilt. „Ich werde sie nachher in den Arm nehmen.“

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